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Analyse Warum Qantas aktuelle Ultralangstrecke von Covid-19 profitiert

Die Coronavirus-Krise dünnt Flugpläne aus und veranlasst die Airlines, ihre größten Flugzeuge zu grounden. Passagiere wollen lieber direkt fliegen, als an Hubs umzusteigen. Die QantasUltralangstrecke profitiert auch vom sinkenden Ölpreis.

Boeing 787 der Qantas. © AirTeamImages.com / Rolf Jonsen

Nachdem die australische Fluggesellschaft Qantas am 28. Februar 2020 von der australischen Civil Aviation Safety Authority (CASA) die Genehmigung für das neue Fatigue Risk Management System (FRMS) für künftig geplante Ultralangstreckenflüge erhalten hat, hat die globale COVID-19-Epidemie dem Projekt Sunrise von Qantas sowohl Schwierigkeiten bereitet (wie den Aufschub der geplanten A350-1000-Bestellung) als auch neuen Rückenwind gegeben.

Seit 24. März 2018 verbindet Qantas die beiden Städte Perth und London (14.500 Kilometer) täglich mit einer Boeing 787-9 (236 Sitze). Die Ultralangstreckenverbindung zwischen der Metropole Westaustraliens und britischen Hauptstadt ist seit Beginn profitabel. Der bisherige Durchschnittsladefaktor von 93 Prozent (99 Prozent in der Business Class) auf dieser QF9/10-Strecke ist Ausdruck des Erfolgs.

Die aktuelle Corona-Krise macht vielen Fluggesellschaften zu schaffen, da weltweit Kapazitäten aufgrund von Nachfrageeinbrüchen und strengerer Einreisebedingungen in ganz erheblichem Maße heruntergefahren werden. Australiens "Flag Carrier" Qantas sah sich deshalb gezwungen, das generelle Angebot um fast ein Viertel (-23 Prozent zum Vorjahr) zu kürzen.

Acht ihrer zwölf Airbus A380 werden voraussichtlich bis Mitte September stillgelegt. Außerdem werden sich weitere zwei A380 von Qantas für Wartungs- und Kabinenarbeiten am Boden befinden. Letzten Endes sind nur noch zwei A380 von Qantas im Flugbetrieb und diese werden ab Mitte April statt auf der weltberühmten "Kangaroo Route“ (QF1/2: Sydney-Singapur-London) nun auf der Strecke über den Pazifik von Sydney nach Los Angeles eingesetzt.

Zwei- statt Vierstrahler gleichen auch aktuelle Fuel-Hedging-Verluste aus

Das A380-Grounding führt dazu, dass auf den meisten Langstreckenrouten zweistrahlige Flugzeuge wie die effiziente Boeing 787-9 oder der Airbus A330-200/300 zum Einsatz kommen werden. So sollen der Flugplan und die Konnektivität des Qantas-Netzes trotz des massiven Buchungsrückgangs von und nach Australien überwiegend mit kleineren Fluggeräten aufrecht zu erhalten.

Für eine Fluggesellschaft wie Qantas auf Ultralangstrecken- und Langstreckenflügen macht Kerosin den größten Anteil an den variablen Gesamtkosten aus. Der Kerosinpreis liegt laut Iata derzeit 32,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Dies würde bei vielen Fluggesellschaften zum Überdenken der Fuel Hedging-Strategie führen. Die Verfügbarkeit moderner kraftstoffsparende Flugzeuge wie die Boeing 787-9 trägt zur Minimierung der finanziellen Verluste während des Virus-Ausbruch weltweit bei.

© Airbus, Lesen Sie auch: Qantas will A350-1000 für Projekt Sunrise

Unter anderem aufgrund des starken Nachfrageeinbruchs für Reisen nach/über Asien (-31 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und der steigenden Nachfrage für Direktflüge zwischen Perth und London vor und während der Corona-Krise hatte Qantas sich entschieden, die QF1/2-Flüge von Sydney nach London via Singapur nicht mit dem A380 zu bedienen sondern stattdessen den Sydney-London-Markt mit einer Boeing 787-9 über Perth abzudecken (Mitte April bis Mitte September 2020). Mit anderen Worten: Es wird täglich zwei Ultralangstreckenflüge zwischen Perth und London geben (QF1/2: Sydney-Perth-London und QF9/10: Melbourne-Perth-London).

Anteil des Zubringerverkehrs an Qantas Ultralangstrecke Perth-London nach Destinationen Foto: © Linus Bauer

Im Zeitraum März 2018 bis Dezember 2019 hatten laut Datenauswertung 9,3 Prozent der QF9-Passagiere (Perth-London) ihre Reise in Sydney angetreten. Auf dem QF10-Rückflug von London nach Perth hatten 10,4 Prozent der Passagiere die ostaustralische Metropole Sydney als Reiseziel. Im Gegensatz zu London-Heathrow als großem klassischen O&D-Markt mit attraktivem Einzugsgebiet konzentriert sich Qantas in Perth verstärkt auf das Generieren von Umsteigeverkehr, indem von dort Verbindungen zu 14 australischen Städten angeboten werden.

Die Haupt-Konkurrenten von Qantas auf der Strecke Perth-London Foto: © Linus Bauer

Seit Jahrzehnten konkurriert Qantas auf der "Kangaroo Route" zwischen Australien und UK im Premiumbereich mit Fluggesellschaften wie Singapore Airlines und Oneworld-Partnern wie Cathay Pacific und Malaysia Airlines. Im letzten Jahrzehnt haben die Fluggesellschaften aus den arabischen Golfstaaten wie Emirates und Qatar Airways eine zunehmend größere Rolle gespielt und Qantas aufgrund der damaligen, finanziell angeschlagenen Lage zwischen 2012 und 2015 weiter aus dem europäischen Markt verdrängt.

Das Entfallen eines Zwischenstopps mit einer Zeitersparnis von bis zu sechs Stunden auf der Strecke Perth-London hat Qantas dazu verholfen, einen weiteren Wettbewerbsvorteil (USP: "Unique Selling Point“) gegenüber der Konkurrenz zu etablieren. Von diesem Wettbewerbsvorteil profitiert Qantas zurzeit während der Coronavirus-Epidemie.

"Umfliegen" von Krisenregionen durch Direktflüge gewinnt an Bedeutung

Denn die aktuelle Coronavirus-Krise, die wie bei der SARS-Krise damals den Ursprung in Asien hatte, hat seit Januar dieses Jahres viele Kunden in Europa und Australien zum Umdenken bei der Reiseplanung (zum Beispiel Routing und Fluggesellschaft) bewegt. Die Option des "Umfliegens" der Konfliktregionen (Ostasien und Südostasien) und der Gebiete mit großem Anteil an Umsteigeverkehr (Doha und Dubai) wird zurzeit ebenfalls von gesundheitsbewussten Premiumkunden wie Geschäftsreisenden und VFR-Reisenden vermehrt in Anspruch genommen, um die potenzielle Ansteckungsgefahr an mehreren Orte während einer Reise zu minimieren.

Die aktuelle Situation treibt die Nachfrage und die Preise für solche Direktflüge nach oben, auch wenn solche Reisen nicht garantieren können, vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus sicher zu sein. Auch das "Umsteigen" im Inland (beispielsweise Sydney-Perth-London) trägt zum Sicherheitsgefühl bei, da man mit der aktuellen Lage vor Ort besser vertraut ist.

© Qantas, Lesen Sie auch: Die Wiederauferstehung der Ultra-Langstrecke steht und fällt mit dem Kerosinpreis Analyse

Auch das Cockpit- und Kabinenpersonal könnte von diesen Direktflügen zwischen den beiden Ländern während einer Pandemie profitieren, da der Zwischenstopp beziehungsweise die arbeitsbedingten Aufenthalte in Singapur (QF1: 24 Stunden, QF2: 48 Stunden) entfallen. Letzten Endes werden jedoch die Entwicklung der Lage im Vereinigten Königreich und Australien während der globalen COVID-19-Pandemie und die gesamtfinanziellen Auswirkungen auf eine Fluggesellschaft wie Qantas darüber entscheiden, ob auf einer neu aufgelegten Strecke wie Sydney-Perth-London in naher Zukunft Erfolge verzeichnet werden können.

Über den Autor

© Linus BauerLinus Bauer ist als Luftverkehrs-Unternehmensberater weltweit unterwegs und als Gastdozent für Air Transport Management an der City University of London tätig. In Kooperation mit Qantas entstand zwischen 2018 und 2019 eine umfangreiche Arbeit zur Durchführbarkeit von Ultra-Langstreckenflügen. Der Hauptfokus des wissenschaftlichen Projektes lag zum einen auf der Produktion des akademischen Beweises mithilfe des entwickelten Revenue-Cost-Modell und zum anderen darauf, einen Beitrag zur lebhaften Diskussion in der Luftfahrtbranche zu diesem Thema zu leisten. Kontakt: Linus.Bauer@city.ac.uk

Von: Linus Bauer

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