Warum Condor weiter fliegt und Germania nicht

Condor bekommt eine Staatsbürgschaft für einen Überbrückungskredit, während die Ferienfluggesellschaft Germania davon nicht einmal träumen konnte. Ungerecht? Eher nicht, sagen Experten und Reiseveranstalter.

Germania-Chef Karsten Balke (links) und Condor-CEO Ralf Teckentrup (rechts) im März 2017 unterzeichneten eine Vertriebskooperation der Ferienflieger. © Condor

Condor wird, sollte die EU-Kommission zustimmen, einen staatlichen Überbrückungskredit in Höhe von rund 380 Millionen Euro bekommen. Damit sichern der Bund und das Land Hessen die Zukunft der Airline für die kommenden sechs Monate.

Das Management um Condor-Chef Ralf Teckentrup kann nach der Pleite der Muttergesellschaft Thomas Cook nun neue Investoren suchen. Dabei werden die Werte in der Firma sogar durch ein spezielles Schutzschirmverfahren vor dem Zugriff der insolventen Mutter geschützt.

Als Begründung für die Schützenhilfe sprach Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) davon, dass es sich bei den aktuellen Finanzproblemen der Condor nicht um "hausgemachten Probleme" handele. Gleichzeitig attestierte der Minister der Airline eine Perspektive, wirtschaftlich erfolgreich fortbestehen zu können und den Kredit zurückzuzahlen.

Ganz anders hatte das Bundeswirtschaftsministerium die Lage der Berliner Germania bewertet, die im Februar Insolvenz anmelden musste. Die Absage einer staatlichen Unterstützung kam noch bevor das Germania-Management überhaupt einen Antrag gestellt hatte:

Die Germania-Pleite sei ein "Anwendungsfall von Marktwirtschaft", sagte Altmaier damals. Wenn der Staat "willkürlich" Firmen rette, komme es zu "Fehlallokationen" und hohen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Kosten, so der Minister.

© AirTeamImages.com, Jan Severijns Lesen Sie auch: Was Condor von Air Berlin unterscheidet Überblick

Tatsächlich unterscheiden sich die wirtschaftlichen Situationen der beiden Fluggesellschaften grundsätzlich voneinander. Während Condor trotz der desolaten finanziellen Situation der Mutter zuletzt einen positiven Cashflow und wenigstens kleine Gewinne einfliegen konnte, ging Germania schlicht das Geld aus.

Der größte Unterschied ist die finanzielle Lage

Die wirtschaftliche Situation ist für Luftfahrtexperte Michael Santo von der H&Z-Unternehmensberatung der größte Unterschied der beiden Ferienflieger. "Condor ist grundsätzlich gesund und fliegt profitabel", so der Experte. Germania habe viel Geld verbrannt und erst spät zu einem halbwegs profitablen Business-Modell gefunden.

Die schlussendlich nicht erfolgreichen Bemühungen von Thomas Cook, die Condor zu veräußern, sind daher auch anders zu bewerten, als die erfolglosen Verkaufs-Versuche des Germania-Managements. Diese wollte bis zur letzte Minute einen Käufer für die Berliner Fluggesellschaft finden "um den kurzfristigen Liquiditätsbedarf zu sichern", wie es damals hieß. Man wurde sich aber nicht einig und so wird Germania seitdem abgewickelt. Rund 1700 Mitarbeiter verloren ihren Job.

Gerüchte um eine mögliche Insolvenz der Airline kursierten in der Branche schon länger. Aus dem letzten veröffentlichen Jahresbericht von 2016 geht hervor, dass Germania unter einem rückläufigen Umsatz und einem Jahresfehlbetrag von von mehreren Millionen Euro litt.

Thomas Cook Airlines steigerten Gewinn überproportional zum Angebot

Anders als der Reisekonzern Thomas Cook galten die Thomas Cook Airlines dagegen insgesamt als profitabel. Im Geschäftsjahr 2018 konnten die Cook-Airlines ihren Gewinn um 37 Prozent auf umgerechnet 145 Millionen Euro steigern. Der Umsatz legte um 14 Prozent auf gut 3,9 Milliarden Euro zu.

Condor mit ihren rund 5000 Mitarbeitern gilt dabei als Zugpferd der Group-Airlines. Laut Airline wurde zum Ende des letzten Geschäftsjahres (September 2018) ein operativer Gewinn (Ebit) von 48 Millionen Euro eingeflogen. Insgesamt haben die fünf Konzern-Airlines Umsatz und Gewinn überproportional zum Angebot steigern können.

So legte das Angebot 2018 gemessen an der Zahl der angebotenen Sitze um 8,8 Prozent zu. Der deutsche Ferienflieger ist dabei anders aufgestellt als die restlichen vier Airlines der Gruppe. Während beispielsweise Thomas Cook UK fast ausschließlich Pauschalreisetouristen der eigenen Mutter beförderte, lag der Anteil bei Condor zuletzt bei lediglich einem Fünftel. Der deutsche Ferienflieger hat mit 58 Flugzeugen auch die größte der Flotte der Thomas-Cook-Group-Airlines.

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An der Flotte zeigt sich ein weiterer Unterschied zur Germania. Erstens ist die Condor-Flotte fast doppelt so groß wie die zuletzt rund 30 Maschinen der Germania. Zweites liegt die Sitzplatzkapazität von Condor weit darüber, einfach weil die Flotte zu rund einem Drittel aus Widebody-Flugzeugen besteht.

Germania-Pleite war für Reiseveranstalter verkraftbar

Entsprechend größer ist die Relevanz der Condor im deutschen Ferienflug-Markt. Während der Ausfall von Germania also für Reiseveranstalter zu verkraften war, hätte ein kurzfristiger Marktaustritt der Condor größere Probleme bereitet.

Dabei war das Geschäftsmodell beider Ferienflieger zuletzt sogar vom Grundsatz her recht ähnlich aufgestellt. Es fußt auf den drei Säulen Voll- und Teilcharter sowie der Einzelplatzverkauf. Condor verkauft nach eigenen Angaben rund 40 Prozent der Sitzplatzkapazitäten im Einzelplatzverkauf. Bei Germania entfielen zuletzt bei 14 Prozent der Buchungen auf dieses Segment. Den Großteil ihrer Plätze verkaufen beide Fluggesellschaften an verschiedene Reiseveranstalter.

Dennoch unterscheiden sich die Angebote von Germania und Condor deutlich. So konzentrierte Germania ihr Voll- und Teilcharter-Angebot vorrangig auf dezentrale Flughäfen wie beispielsweise Bremen, Dresden und Friedrichshafen. Hier haben vor allem Zielgebiets-Carrier wie Corendon die Lücken schnell geschlossen.

© Flughafen Erfurt, Max Reymann Lesen Sie auch: Corendon etabliert sich als Germania-Ersatz in Deutschland Branchenplayer

Condor agiert hingegen vorrangig von den großen deutschen Drehkreuzen Frankfurt, Düsseldorf und München. Von hier aus fliegen auch die Langstrecken. An kleineren Condor-Standorten wie Leipzig/Halle, Hannover und Stuttgart wird das Angebot nicht von der Condor selbst, sondern von assoziierten Airlines oder ACMI-Carriern abgeflogen.

Von: br

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