Schon seit Anfang April fliegt Green Airlines nicht mehr. Das Unternehmen sollte nach seinem verpatzten Neustart in Weeze neuaufgestellt werden, nun ist stattdessen die Webseite komplett offline. Das hat möglicherweise mit einer Klage gegen das Unternehmen zu tun.
Wegen Verbrauchertäuschung geht die Deutsche Umwelthilfe aktuell juristisch gegen Green Airlines vor. Hintergrund ist die Art und Weise, wie Green Airlines mit ihrer vermeintlichen Klimaneutralität geworben hat.
Unternehmen wie Green Airlines würden Werbeaussagen zu angeblicher Klimaneutralität nutzen, um die tatsächlichen Klimabelastungen ihrer Produkte und Dienstleistungen zu kaschieren und sie dennoch als grün zu verkaufen, teilt die Organisation mit.
"Die Absurdität vermeintlicher Klimaneutralität wird am Phänomen der 'Überkompensation' deutlich", sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. "Je mehr angeblich 'überkompensierte' Flugreisen stattfinden, umso besser müsste es in dieser Logik fürs Klima sein. Natürlich ist das Gegenteil der Fall."
Schönfärberei mit vermeintlicher Klimaneutralität werde man als klagebefugter Verbraucherschutzverband konsequent einen Riegel vorschieben. Green Airlines war für ein Statement nicht erreichbar. Die bislang zuständige PR-Agentur arbeitet mit dem Start-up nicht mehr zusammen.
"Überkompensation" und Intransparenz bei Green Airlines
Green Airlines war angetreten, um regionales Fliegen in Deutschland anzubieten und dabei alle Emissionen überzukompensieren. Allerdings gab es schnell Glaubwürdigkeitsprobleme in Bezug auf die selbstgesteckten Umweltambitionen.
So rechnete das Unternehmen offenbar die Emissionen von leeren Positionierungsflügen heraus und kompensierte, wenn überhaupt, nur für die Emissionen verkaufter Plätze – und zwar jeweils nur ein paar Euro.
Als Folge von airliners.de-Recherchen musste Green Airlines bereits im Juli 2021 eine Liste angeblich unterstützter Klimaschutzprojekte von der Webseite nehmen. Es hatte sich herausgestellt, dass Green Airlines zu zwei Dritteln der beworbenen Projekte noch nie kompensiert hatte.
Wie viel CO2 von Green Airlines tatsächlich über den Kompensationspartner "Naturefund e.V." ausgeglichen hat, hatte das Unternehmen bis zuletzt nicht transparent ausgewiesen. Das einzige öffentlich einsehbare Zertifikat ist eines über die Pflanzung von 76 Bäumen.
Zudem verschwanden damals auch Aussagen zur Überkompensation sowie Logos von Umweltpartnern von der Green-Airlines-Webseite. Einige Partner hatten airliners.de zuvor auf Anfrage mitgeteilt, von einer Kooperation mit dem Start-up nichts gewusst zu haben.
Neben Green Airlines geht die Deutsche Umwelthilfe nun auch gegen große Unternehmen vor, darunter Beiersdorf, die DM-Drogerie, Rossmann und Shell: Die Organisation wirft auch hier vor, die Konzerne würden mit irreführenden Werbeversprechen die Verbraucher über die Klimaneutralität von Produkten zu täuschen.
Probleme mit den Umweltaussagen sind aber nicht die einzigen Probleme der Green-Airlines-Macher. Zusätzlich verspielte der Anbieter mit zahlreichen Flugeinstellungen und Neustarts das Vertrauen von Kunden und verprellte noch dazu offenbar zahlreiche Airlinepartner.