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Beladung einer Antonov 124 der Volga-Dnepr am Flughafen Leipzig/Halle © dpa / J. Woitas

Noch hat der Abzug nicht begonnen. Doch in naher Zukunft werden am Flughafen Leipzig/Halle keine Großtransporter AN-124 von Volga-Dnepr mehr starten oder landen. Jedenfalls nicht im Rahmen der Salis-Mission, die bisher im Auftrag der meisten Nato-Staaten und der Militärverbände der EU-Mitgliedsländer die Einsätze der Frachter in Krisengebiete wie etwa Afghanistan oder Mali koordinierte.

Über die Rückzugspläne der russischen Gesellschaft berichtet das Fachportal "Cargo Forwarder Global" aktuell auf seiner Website. Dort heißt es, dass Volga-Dnepr der Salis-Lenkungsgruppe am 12. April die geplante Einstellung der Einsätze mitgeteilt habe. Die Fracht-Airline habe den Vertrag mit der Ruslan-Salis GmbH gekündigt und sei in den unmittelbar anschließenden Verhandlungen nicht zu einer Positionsänderung bereit gewesen.

Das Unternehmen will nur noch zivile Güter befördern

In dem Bericht werden eine Reihe von Gründen für den bevorstehenden Rückzug der russischen Gesellschaft aus Leipzig/Halle genannt. So habe das Unternehmen verfügt, sich auf den Transport ziviler Güter zu konzentrieren und kein militärisches Gerät mehr für westliche Staaten zu befördern.

Dies könnte als Reaktion auf Veränderungen in der geopolitischen Landschaft interpretiert werden, mutmaßt das Fachportal. Etwa auf das verschärfte Sanktionsregime des Westens gegenüber der Putin-Regierung aufgrund des Syrien-Konflikts und der Ukraine-Krise sowie der fortgesetzten Hackerangriffe mit dem Versuch von Wahlmanipulationen in den USA und Frankreich, für die der Westen russische Trolle verantwortlich macht, die von Moskau gesteuert würden.

Womöglich Reaktion auf verschärfte Sanktionen

Vor allem die von Washington verschärften Sanktionen blieben für die Geschäftspolitik von Volga-Dnepr nicht ohne Folgen. So entzog ihr das US-Militär bereits 2015 einen großen Transportauftrag, und weitere Einschränkungen folgten durch den 2017 von den USA beschlossenen "Countering America's Adversaries Through Sanctions Act".

Nach dem Auszug von Volga-Dnepr aus der sächsischen Metropole wird sich die Transportkapazität, die der Nato und der EU für die Materialversorgung ihrer Kräfte in Krisen- und Einsatzgebieten zur Verfügung steht, drastisch reduzieren: von heute 2300 Blockstunden jährlich auf künftig nur noch rund 900 Stunden. Die Kapazität für 900 Einsatzstunden wird – wie schon bisher – von der ukrainischen Antonov Airlines gewährleistet, die im Rahmen des Salis-Abkommens ebenfalls einen Teil ihrer AN-124-Frachterflotte in Leipzig stationiert hat.

Westliche Staaten haben keinen Ersatz

Der Volga-Dnepr-Rückzug setzt die westlichen Staaten unter massiven Druck. Denn kein Anbieter in einem Nato- oder EU-Land verfügt über Frachtflugzeuge, die entsprechend der AN-124 eigenes hydraulisches Ladegeschirr an Bord haben, was den Antonows im Gegensatz zu Boeing- oder Airbus-Frachtern auch Einsätze auf Flughäfen ohne moderne technische Ausstattungen ermöglicht.

Eine Situation, der sich Volga-Dnepr-Chef Alexej Isaikin sehr wohl bewusst ist. Er bemüht sich, unterstützt von der sächsischen Landeregierung, schon länger um die Stärkung seiner Gruppe am Standort Leipzig/Halle.

Volga-Dnepr plant deutschen Ableger

Auf den ersten Blick scheint der jetzt angekündigte Salis-Auszug der Airline diesem Ansinnen zu widersprechen. Bei näherem Hinsehen jedoch deutet viel auf einen taktischen Winkelzug hin. Denn Isaikins Konzern plant die Gründung einer eigenen Frachtfluggesellschaft mit deutschen AOC und Sitz in Leipzig. Mit diesem Ansinnen wurde jüngst Ulrich Ogiermann betraut, der frühere Chef von Qatar Airways Cargo und Cargolux.

Ogiermanns Mission ist es, das Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC) im Zusammenwirken mit den deutschen Behörden zu ermöglichen. Sobald das Braunschweiger Luftfahrtbundesamt dazu die amtliche Genehmigung erteilt, könnten die AN-124 von Volga-Dnepr nach Leipzig zurückkehren und im Namen der neuen, nach deutschem Recht eingetragenen Gesellschaft den Verkehr für die Nato und europäische Länder wiederaufnehmen.

Auch wären sie dann nicht mehr betroffen vom Ersatzteilboykott des ukrainischen Herstellers Antonov. Denn einer in Deutschland gemeldeten Fluggesellschaft wird der ukrainische Hersteller nicht die Lieferung von AN-124-Komponenten verweigern können.

© dpa, J. Woitas Lesen Sie auch: Volga-Dnepr eröffnet Wartungsbasis in Leipzig

So gesehen, deutet vieles auf ein großes Pokerspiel hin, wobei die Nato und die EU aufgrund fehlender Flugzeugkapazität die schlechteren Karten zu haben scheinen.

Wann die russische Gesellschaft konkret ihre Großflieger aus Leipzig abziehen wird, ist zur Stunde unklar; Anrufe von airliners.de bei der ebenfalls am Leipziger Flughafen ansässigen Techniktochter Volga-Dnepr Technics GmbH blieben unbeantwortet.

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