Virgin-Konsortium darf Flybe unter Auflagen übernehmen

Die Europäische Kommission genehmigt die Übernahme der Regionalfluggesellschaft Flybe durch das britische Konsortium Connect Airways um Virgin Atlantic. Allerdings muss die neue Airline Slots an zwei Airports abgeben.

Maschine der Flybe © AirTeamImages.com / Craig Stevens

Die Europäische Kommission hat die Übernahme der finanziell angeschlagenen britischen Regionalfluggesellschaft Flybe genehmigt. Das Konsortium Connect Airways, dem Virgin Atlantic, die Stobart Group und Cyrus Capital angehören, darf Flybe übernehmen. Das geht aus Mitteilung der Brüsseler Regulierungsbehörde vom 5. Juli hervor.

Allerdings knüpfte die Behörde ihre Zustimmung an Auflagen. So ergab eine Untersuchung der Kommission, dass die ursprünglich angemeldete Übernahme zu Quasi-Monopolen auf zwei direkten europäischen Strecken geführt hätte, nämlich Birmingham - Amsterdam und Birmingham - Paris. "Diese monopolähnliche Situation würde sich ergeben, wenn Air France-KLM über seine gemeinsame Kontrolle über Virgin Atlantic die indirekte Kontrolle über Flybe erlangt" heißt es in der Mitteilung vom 5. Juli. Air-France/KLM hatte zusammen mit Delta Virgin Atlantic im Februar übernommen.

Zudem stellten die Wettbewerbshüter fest, dass der Zugang von Wettbewerbern zu diesen Strecken schwierig wäre, da sowohl die Flughäfen Amsterdam-Schiphol als auch Paris-Charles-de-Gaulle überlastet sind.

Um die Auflagen zu erfüllen, verpflichten sich die Neueigentümer fünf tägliche Slot-Paare am Flughafen Amsterdam Schiphol und drei tägliche Slot-Paare am Flughafen Paris Charles de Gaulle freizugeben. Die freien Slots können nun an konkurrierende Fluggesellschaften vergeben werden. Die "Wettbewerbsbedenken" seien damit "vollständig ausgeräumt" teilte die EU-Kommission mit.

Marke Flybe wird vom Markt verschwinden

Die Tage der Marke Flybe sind damit gezählt. Künftig werde die Regional-Airline als Connect Airways auftreten und der Virgin-Familie beitreten, sagte Virgin-CEO Shai Weiss. Flybe als auch die irische Regionalfluggesellschaft Stobart Air sollen Zubringer für die Virgin-Interkontinentalverbindungen ab London-Heathrow sowie Manchester fliegen. Auch europäische Regionalverbindungen sollen weiter zum Portfolio der Airline gehören.

Die Flybe-Aktionäre hatten einem Verkauf an das "Connect Airways"-Konsortium bereits Anfang des Jahres zugestimmt. Die Käufergemeinschaft hatte zuvor bereits die operativen Teile von Flybe für umgerechnet rund 2,5 Millionen Euro übernommen.

Auf den Brexit vorbereitet

Die AOCs der beiden Regional-Airlines sollen dabei erhalten bleiben. Während Flybe in Großbritannien registriert ist, ist Stobart Air in Irland registriert. Damit hätte Virgin auch nach einem ungeordneten Brexit die Möglichkeit, sowohl innerbritisch als auch innerhalb der EU zu fliegen.

Stobart Air hat aktuell eine Flotte von 20 Regionalflugzeugen, die zum Teil für andere Airlines im Wetlease fliegen, neben Aer Lingus unter anderem auch für Flybe. Flybe selbst betreibt aktuell eine Flotte von knapp 80 Regionalflugzeugen.

In Deutschland ist Flybe im aktuellen Sommerflugplan mit Berlin-Tegel, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart an sechs Flughäfen vertreten. Die meisten Verbindungen gibt es nach Düsseldorf. Nach den Niederlanden und Frankreich ist Deutschland der drittwichtigste Markt für Flybe außerhalb Großbritanniens.

Von: br

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