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Erste vielversprechende Ergebnisse zu Vor-Ort-Antigen-Tests

Für die Reisebranche und vor allem den Langstreckenverkehr könnten Corona-Antigen-Tests ein wichtiger Baustein zum Neustart werden. Erste Ergebnisse zeigen grundsätzlich die Wirksamkeit der Schnelltest. Es gibt aber einiges zu beachten.

Corona-Antigen-Schnelltests sollen direkt vor dem Flug Gewissheit schaffen. © Adobe Stock / Marek

Die Luftverkehrsbranche hofft auf neue Antigen-Tests, um Reisen während der Corona-Pandemie wieder in größerem Stil zu ermöglichen. Die Hoffnung ist, dass ein einfacher, von den Reisenden Minuten vor dem Flug selbst anzuwendender Schnelltest ausreicht, um infektiöse Passagiere zu identifizieren und alle anderen gefahrlos fliegen zu lassen.

In einem wissenschaftlichen Papier wurden jetzt sieben Antigen-Tests (AgPOCT) auf ihre Wirksamkeit hin untersucht. Es handelt sich dabei um sogenannte POCTs (Point of Care Tests), also Schnelltests, die direkt am Ort verwendet werden und damit für die Luftfahrt von großem Interesse sind. Damit unterscheiden sich diese Tests von denen, die Lufthansa und Centogene derzeit in Hamburg und Frankfurt am Main testen. Diese Tests sind zwar auch schnell, benötigen allerdings ein Labor.

Die Ergebnisse aus der Untersuchung zu den neuen Rapid-Tests sind interessant. Sie bestätigen zunächst die allgemeine Wirksamkeit. Die Forscher haben für ihre Untersuchungen die AgPOCT mit eingelagerten Sars-Cov-2-Virenproben getestet. Auch eingelagerte Proben von Patienten anderer Atemwegserkrankungen aus dem Jahr 2019 und Abstriche gesunder Freiwilliger wurden getestet. Letztere haben die Proben gemäß der Anleitung selbst genommen, wurden aber beaufsichtigt.

Den untersuchten Tests gelingt es den Forschern zufolge vor allem sehr gut, Träger des Coronavirus in der ersten Woche der Krankheit zu entdecken. Für die Mehrheit der Patienten ist das die infektiöse Phase. Die Tests erlauben also, diejenigen Probanden zu identifizieren, bei denen zum Zeitpunkt der Testung Folgeansteckungen anderer Menschen recht wahrscheinlich sind. Ein derartiges Ergebnis erlaubt es, schnelle Entscheidungen zu treffen. In der Luftfahrt also etwa, ob ein Passagier an Bord gelassen werden kann oder nicht.

Einer von sieben Tests ist für das Erkennen von Virenlasten ungeeignet

Die Testergebnisse der verschiedenen Tests waren jedoch unterschiedlich. Einer der AgPOCTs war so unzuverlässig, dass die Forscher ihre Untersuchungen damit bereits nach 45 Proben abgebrochen haben. Nur vier Proben wurden korrekt erkannt. Mit allen anderen AgPOCT wurden für die Untersuchung zwischen 105 und 115 Proben durchgetestet.

Zwei Tests hatten dabei größere Schwierigkeiten mit Falsch-Positiv-Raten und einer mit der damit verbundenen geringen Spezifität von 91 und 83 Prozent. Es zeigt sich hier also, dass die vom RKI festgelegte PCR-Nachtestung im Falle eines positiven Antigen-Tests eine gute Empfehlung ist, um unnötige Quarantänen zu verhindern. Die restlichen der sieben untersuchten neuen Antigen-Schnelltests hatten eine Spezifität von mindestens 97 Prozent. Diese Werte sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten. Mit etwas über 100 Versuchen je Schnelltest ist die Anzahl der Tests gering. Die Forscher machen darauf aufmerksam, dass sich die Werte noch ändern können.

Wissenschaftliches Papier als Preprint

Das Papier liegt im sogenannten Preprint vor . Das heißt, es fehlt noch die Einschätzung weiterer Experten (Peer Review) vor der offiziellen Publizierung. Dies ist in der Wissenschaft ein gängiger Vorgang, der eventuelle Fehler ausschließen soll und ist eine Einladung konstruktive Kritik zu üben.

Preprints dienen der schnelleren Publizierung, was insbesondere während der Corona-Krise von Vorteil ist. Das Papier selbst macht auf potenzielle Schwächen aufmerksam, wie etwa den Umstand, dass einige AgPOCTs noch frühe Produktionen waren und das die Verwendung eingelagerter Proben die Sensitivität beeinflusst. Die Autoren warnen ferner, dass das Papier lediglich einen sehr frühen Einblick in die Produktsituation darstellt.

Andere verbreitete Coronaviren werden nicht entdeckt

Eine Sorge, die mit den neuen Antigen-Tests einhergeht, ist die Frage, ob diese Tests auch bei anderen Coronaviren als Sars-Cov-2 anschlagen. Das verneinen die Forscher für Coronaviren, die tatsächlich unterwegs sind. Keiner der Tests wurde positiv, wenn andere Coronaviruslasten genutzt wurden. Eine Ausnahme gab es allerdings. Sars-Cov, also die erste Variante, wurde von den Tests ebenfalls erkannt. Allerdings ist Sars-Cov nicht mehr im Umlauf. Für die Praxis hat dies also keine Relevanz.

Insgesamt machen die Ergebnisse Hoffnung. Es ist zu erwarten, dass die Hersteller die Produkte sogar noch verbessern können, bis im Frühjahr die große nächste Reisezeit beginnt. Zudem werden unzuverlässige Produkte im Laufe der Zeit aussortiert werden können.

Dank der RKI-Teststrategie können aber selbst Antigen-Tests mit geringer Spezifität im Notfall noch verwendet werden, wenn ein falsch-positiver Befund keine größeren Auswirkungen hat, also etwa in Schulen oder Altersheimen. Allerdings kann in einem solchen Fall nicht einfach ein zweiter Schnelltest gemacht werden. Das ist laut RKI-Teststrategie nicht vorgesehen. Stattdessen soll nach einem Positiv-Ergebnis im Schnelltest mit einem PCR-Test Sicherheit gewonnen werden.

Auch die Forscher empfehlen im Positivfall, wann immer möglich, einen PCR-Test durchzuführen. Die Forscher machen allerdings darauf aufmerksam, dass die Erkennung der ersten Woche der Infektion zwar hilfreich ist, weil es auch die Woche der meisten Folgeansteckungen ist. Antigen-Tests eignen sich nach deren Stand jedoch nicht, um weitere Infektionen auszuschließen. Eine Restwahrscheinlichkeit bleibt und ist höher als bei einem PCR-Test.

Zu beachten ist ferner, dass die Forscher nur eine kleine Auswahl an neuen Antigen-Tests betrachtet haben. Derzeit listet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte über 200 Produkte auf , einschließlich AgPOC-Selbsttests, AgPOC-Tests, die Hardware benötigen und laborbasierte Antigen-Tests.

Die Antigen-Tests kommen gerade noch rechtzeitig in einem Moment, in dem die Labor-Kapazitäten für PCR-Tests am Ende sind (PDF). Zwar wird die theoretische Testkapazität weiter gesteigert, doch die zusätzliche Kapazität kann nicht immer einfach ausgelastet werden, da Reagenzien und auch Verbrauchsmaterialien wie Pipettenspitzen weiter Mangelware sind. Dazu kommen die Personalprobleme, denn das Laborpersonal arbeitet seit Monaten bereits am Limit.

Von: Andreas Sebayang

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