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Lufthansa-Regionaljet am Flughafen München. © AirTeamImages.com / Felix Gottwald

So manch einer fragt sich, warum in einem Bahnland wie Deutschland überhaupt innerdeutsche Flüge notwendig sind. Besonders die sehr kurzen Flüge wie Nürnberg-München von der Lufthansa erscheinen einigen fragwürdig, wie zuletzt die Kritik der Grünen zeigt. Doch es gibt durchaus zahlreiche Gründe, die - abseits aller ökologischer Überlegungen - die Strecke notwendig machen, obwohl eine alternative Infrastruktur denkbar wäre.

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Die Bahn ist im Direktverkehr unschlagbar

Zwar ist die reine Flugzeit auf der kritisierten Strecke mit grob 40 Minuten schneller als die alternativ durchaus zur Verfügung stehende Zugverbindung vom Zentrum ins Zentrum. Doch Sicherheitskontrollen und vor allem die Fahrt vom Flughafen München in die Innenstadt machen daraus schnell einen Zwei- bis Drei-Stunden-Trip.

Dagegen bietet die Deutsche Bahn die Verbindung von Nürnberg nach München in rund einer Stunde an. Im Berufsverkehr fährt der ICE sogar grob alle 30 Minuten zwischen den beiden Städten. Gegen das Angebot mit dutzenden ICEs hat die Lufthansa mit ihren maximal vier Flügen pro Tag keine Chance. Das Bahn-Angebot ist so groß, dass in aller Regel das Ticket erst am Bahnhof gekauft werden kann.

Allerdings muss betrachtet werden, wer eigentlich mit den drei bis vier täglichen Lufthansa-Verbindungen zwischen den zwei bayerischen Städten fliegt. Direktverkehr ist das nämlich kaum.

Kaum Direktverkehr auf der Route

Laut Lufthansa handelt es sich vor allem um Hub-Verkehr, der mit Lufthansa Cityline bedient wird. Ein Blick in die Zahlen des statistischen Bundesamt bestätigt dies auch. So flogen im November 2018 gerade einmal 155 Personen von Nürnberg nach München, also rund fünf Personen pro Tag. Darunter dürften sogar noch einige Umsteiger sein, die auf eigenes Risiko in München einen Anschlussflug gebucht haben.

Dagegen lag der ebenfalls vom statistischen Bundesamt ausgewiesene Umsteigeverkehr auf der Route bei rund 5.300 Fluggästen, also fast 180 Personen, die sich pro Tag auf drei bis vier Verbindungen mit einem CRJ900 der Lufthansa Cityline verteilen. Das Flugzeug bietet eine Kapazität von 90 Sitzen.

Das bedeutet: Passagiere aus dem Raum Nürnberg steigen am Nürnberger Flughafen nicht ein, um nach München zu fliegen. Sie nutzen in der Regel eine Umsteigeverbindung zu einem ferneren Ziel. Das kann etwa eine von Nürnberg aus nicht direkt erreichbare europäische Destination wie Athen sein, aber auch Ziele in Asien oder Amerika werden per Anschlussflug angeboten.

Nur der Vollständigkeit halber: Natürlich könnten die rund 200 Fluggäste pro Tag auch mit einem einzigen größeren Flugzeug transportiert werden. Doch die Umsteiger verteilen sich auf die unterschiedlichen Langstrecken-Wellen am Münchener Flughafen.

Der Umsteiger hat keine guten Alternativen

Schaut man sich die Umsteiger-Zielgruppe an, sehen die Alternativen also nicht gut aus. Kaum jemand wird bereit sein, von Nürnberg dem Umweg über den Münchner Hauptbahnhof zu nehmen, denn diese Kunden wollen mit möglichst geringem Verspätungsrisiko und ohne Kofferschlepperei zum Langstreckenflug kommen.

Prinzipiell ließe sich der Überregionale Flughafen Express (Üfex) dafür verlängern. Man bräuchte dann - ähnlich wie die Lufthansa-Flüge - drei bis vier Züge pro Tag. Der Üfex fährt seit der Eröffnung der Neufahrner Kurve vom Münchener Terminal im Stundentakt ab - aber nur bis nach Regensburg - und braucht dafür 1 Stunde und 17 Minuten. Die Verbindung zwischen Regensburg und Nürnberg dauert mit einem ICE dann nochmal 50 Minuten. Es wäre also möglich, in rund zwei Stunden Nürnberg mit Lufthansas südlichem Drehkreuz direkt zu verbinden.

© dpa, Frank RumpenhorstLesen Sie auch: Umweltschützer fordern Verzicht auf Flugreisen

Dabei ist eine Reduzierung der Fahrzeit kaum möglich. Laut dem Kartendienst Openrailwaymap bietet die Strecke auf vielen Teilen nur Geschwindigkeiten bis 110 Kilometer pro Stunde. Nur wenige Segmente erlauben überhaupt Tempo 140 oder gar 160.

Unklar bleibt zudem, ob der Stundentakt eine ausreichende Auslastung bietet, denn dieser fiktive, verlängerte Üfex würde parallel zum Regionalexpress auf der Strecke zwischen Regensburg und Nürnberg fahren müssen.

Bleiben die grundsätzlichen Probleme beim Zubringer mit der Bahn: Einen "In Town Check-In" für das Gepäck würde den Üfex komfortabler machen, doch das Konzept ist hierzulande nicht erfolgreich gewesen und wurde vor Jahren in Köln und Stuttgart wieder aufgegeben.

Ohnehin bräuchte es dann auch noch ein Codesharing mit dem Üfex, damit der Umsteiger den Bahnzubringer nicht nur überall einfach mit buchen kann, sondern auch für Verspätungen nicht selbst verantwortlich ist.

Ohne Umsteigen geht es derzeit nicht

Der Lufthansa bleibt also wenig anderes übrig, als drei bis vier Maschinen für das Angebot zu stellen. Umsteigende Fluggäste würden sonst von Nürnberg aus einfach zu anderen Drehkreuzen fliegen: Amsterdam, Paris oder Istanbul etwa. Das dürfte der Lufthansa nicht gefallen.

Immerhin 5.500 Fluggästen sahen das im November 2018 genauso und buchten lieber eine All-in-One-Lösung. Sie verzichten dabei auf notwendige Bahn-Zeitpuffer, Umsteigen in Regensburg oder München und das Schleppen der Koffer.

© Fotolia.com/airliners.de, iterumLesen Sie auch: Mit dem Zug zum Flug macht noch Probleme Apropos (7)

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