Viel Interesse an zusätzlicher Reichweite für den Airbus A321 Neo

Etliche Fluggesellschaften starten dieser Tage Transatlantik-Routen mit dem neuen Airbus A321 LR. Gleichzeitig gibt es Rufe nach noch mehr Reichweite. Beobachter rechnen nun schon bald mit dem offiziellen Launch einer XLR-Version.

Airbus A321LR © AirTeamImages.com

Die Gerüchteküche um den Airbus A321 XLR (Extra Long Range) brodelt. Zwei Wochen vor der Paris Air Show Mitte Juni zeigen sich gleich mehrere Airlines höchst interessiert an einer neuen Variante der A321, die noch weiter fliegen könnte als bisherige Modelle. Diskutiert werden Reichweiten um die 4600 Meilen - rund 8500 Kilometer.

Willy Walsh, Chef des Airline-Konzern IAG, sagte "Flight Global" zufolge am Rande der Iata-Generalversammlung in Seoul, dass eine A321 XLR definitiv zu Aer Lingus und Iberia passen würde und eventuell auch für British Airways und Level von Interesse sein könnte. Das Flugzeug sei aufgrund seiner Reichweite und der sicher verfügbaren Nutzlast gut.

Offenbar wäre noch mehr Reichweite auch für Jet Blue attraktiv. Wie "Reuters" berichtet, erwägt die US-amerikanische Airline, ob sie einen Teil der 85 von ihr bestellten A321 Neo in XLR-Varianten tauscht. 13 der bestellten Flugzeuge sind bereits LR-Varianten. CEO Robin Hayes bestätigte, dass sein Unternehmen in den Vorbereitungen für Transatlantikflüge stecke und mit Airbus Gespräche zu einer Version des A321 mit größerer Reichweite führe.

Auch Jet Blue und Air Asia haben Interesse

Auch die australische Jetstar hat in den letzten Tagen ihr Interesse am A321 XLR öffentlich bekundet. Der CEO des Billigfliegers, Gareth Evans, sagte laut "Flight Global" auf der Iata-Generalversammlung, dass seine Airline die Airbus-Modelle tagsüber im inländischen Verkehr und nachts auf längeren Strecken nach Südost-Asien einsetzen könnte. Mit den 600 nautischen Meilen zusätzlicher Reichweite seien auch Ziele in Japan von der australischen Ostküste aus mit dem kleinen Airbus erreichbar. Dadurch könnten die derzeit auf diesen Strecken eingesetzten Boeing 787 auf längeren Verbindungen eingesetzt werden.

Mit Air Asia ist offenbar ein weiterer asiatischer Kunde in ernsten Verhandlungen mit Airbus zu einem A321 XLR. Der Low-Cost-Carrier könnte "CNBC" zufolge einen Teil seiner derzeit 66 Flugzeuge umfassenden A330 Neo-Bestellung in eine A321-Langstreckenversion umwandeln.

Eher eine Frage der Zeit als eine Frage des Ob

Airbus hatte laut einem Bericht der Nachrichtenagentur "Reuters" bereits Anfang 2019 damit begonnen, unverbindliche Vorbestellungen für eine mögliche A321 XLR anzunehmen. Der Konzern wolle aber mindestens 200 bis 300 Bestellungen einsammeln, bevor die Variante öffentlich angeboten wird.

Bis die XLR-Variante wirklich serienreif wäre und die ersten Maschinen ausgeliefert werden könnten, würde es wohl noch einige Jahre dauern. Christian Scherer, Chief Commercial Officer von Airbus, sagte "Flight Global" zufolge auf der Iata-Jahreskonferenz, dass neue Versionen der A321 mit ernsthaften Unterschieden 2023 oder 2024 kommen könnten. Außerdem hatte er die Gerüchteküche kürzlich mit seinem Statement angeheizt, dass Airbus "mehr Reichweite auf der A321 Neo" verkaufe. Dass eine XLR-Variante kommt, scheint also relativ sicher.

© EPA/dpa, Guillaume Horcajuelo Lesen Sie auch: Airbus will mögliche Boeing 797 mit Kampfpreisen kontern

Das kommt offenbar bereits bei den ersten Airlines an. So hatte der Chef der kanadischen Fluggesellschaft Air Transat, Jean-Francois Lemay, gegenüber der Nachrichtenagentur "Bloomberg" geäußert, dass er sowohl von Airbus als auch von der Leasinggesellschaft Aer Cap informiert worden sei, dass die unter dem Namen A321 XLR diskutierte Super-Langstrecken-Variante möglicherweise schon bis zum Jahr 2023 verfügbar sein werde.

Wettrennen mit Boeing

Im Wettlauf um kleinere Langstreckenjets könnte die Europäer dem US-Rivalen Boeing damit zuvorkommen. Boeing arbeitet seit einiger Zeit an einem Konzept für einen komplett neuen mittelgroßen Passagierjet unter dem Projektnamen "New Midsize Aircraft" (NMA).

Von den Amerikanern wird bis spätestens 2020 eine Ankündigung zu dieser Entwicklung erwartet. Das Modell, das auch als 797 bezeichnet wird, soll im Hinblick auf Größe und Reichweite zwischen den Mittelstreckenjets der 737-Max-Reihe und dem Großraumjet 787 liegen und um das Jahr 2025 in Dienst gehen.

Airbus A321 LR erobert bereits den Atlantik

Derzeit ist aber der Airbus A321 LR die Schmalrumpf-Maschine mit der größten Reichweite. Nach Angaben von Airbus hat das Modell mit einer typischen Auslegung für 180 bis 220 Passagiere eine Reichweite von 4000 Meilen, also rund 7400 Kilometer. Damit kommt die A321 Neo in der LR-Version schon heute nonstop über den Atlantik, allerdings eher auf den kürzeren Verbindungen von Westeuropa an die Ostküste Nordamerikas.

Die ersten Flüge mit dem neuen Flugzeug starten aktuell. So hat die portugiesische TAP jetzt ihre erste Transatlantikverbindung mit dem A321 LR auf der Route von Porto nach New York aufgenommen. Die französische Business-Airline La Compagnie setzt ihren ersten A321 LR ebenfalls ab Anfang Juni zwischen Paris und New York ein. Fast gleichzeitig starten dieser Tage auch die ersten A321-LR-Linienflüge der Air Transat aus Kanada unter anderem von Montreal nach Basel, Bordeaux, Nantes, Nizza, und Porto und Lissabon.

© AirTeamImages.com , Ismael Abeytua Lesen Sie auch: Das plant Boeing mit der 797 Überblick

Von: hr

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