Analyse Viel Bewegung in den Q3-Passagierzahlen

Die ersten drei Quartale zeigen starke Unterschiede beim Passagierwachstum an den Flughäfen Europas. So setzt etwa Wien an, Zürich zu überholen. Der September bringt derweil ein Minus für Deutschland insgesamt. Unsere Übersicht der aktuellen Verkehrszahlen.

Passagiere im Terminal 1 des Stuttgarter Flughafens. © Flughafen Stuttgart

In den ersten neun Monaten des Jahres war der Flughafen Frankfurt nach Passagierzahlen der viertgrößte Europas. Mit einem Plus von 2,3 Prozent kommt der wichtigste deutsche Flughafen auf 52,4 Millionen Passagiere. Vor ihm liegen Amsterdam mit 54,6 Millionen, Paris Charles de Gaulle mit 58,1 Millionen und der Spitzenreiter London Heathrow mit 61 Millionen Fluggästen. Dabei sticht Paris mit einem Zuwachs von 6,1 Prozentpunkten, respektive 3,3 Millionen Passagieren heraus.

Veränderung der Passagierzahlen der Top-5-Airports in Europa
Flughafen Veränderung Passagierzahlen (nominal)
LHR 423771
CDG 3337964
AMS 486710
FRA 1218327
IST -416511

Die Grafik zeigt die Veränderungen der Passagierzahlen an den Top-5-Airports in Europa im Q1 bis Q3 2019 gegenüber Q1 bis Q3 2018.Quelle: Unternehmensangaben, Ministerium für Verkehr und Infrastruktur der Republik Türkei

Der New Istanbul Airport kommt kombiniert mit seinem "Vorgänger"-Flughafen Atatürk zusammen auf 51,6 Millionen Passagiere, was einem Minus von 0,8 Prozent entspricht. Insgesamt fertigen die fünf größten Flughäfen Europas knapp 280 Millionen Passagiere ab.

Große deutsche Airports im Plus

Auch in Deutschland wachsen die Standorte in den ersten drei Quartalen des Jahres. Im Vergleich zum Vorjahr wuchsen die deutschen ADV-Flughäfen plus Memmingen nach airliners.de-Berechnungen um insgesamt 2,9 Prozent und fertigten 191,9 Millionen Passagiere ab.

München als Nummer zwei hinter Frankfurt (52,4 Millionen Passagiere, + 2,3 Prozent) behauptet sich dabei stabil im Wettbewerb mit einem Zuwachs von 4,4 Prozent und kommt auf 36,6 Millionen Fluggäste. Damit liegen die Bayern solide vor Berlin, wo insgesamt 27,3 Millionen Passagiere gezählt wurden.

Am drittgrößten deutschen Luftverkehrsstandort Berlin liegt der Flughafen Tegel mit 16 Prozent Passagierwachstum deutlich über dem Durchschnitt im Plus, während Schönefeld im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 9,4 Prozent verliert.

Auf Platz drei hinter folgt der Düsseldorfer Airport, der in den ersten neun Monaten des Jahres ein überdurchschnittliches Plus von 7,5 Prozent aufweist und 19,5 Millionen Passagiere begrüßen konnte.

Deutlich dahinter liegt Hamburg mit 13,2 Millionen Fluggästen und einem leichten Zuwachs von 1,4 Prozent. Der Flughafen Stuttgart folgt mit 9,8 Millionen Passagieren, ein satter Zuwachs von 8,8 Prozent. Köln/Bonn ist der einzige Verlierer unter den großen Flughäfen. Ein Minus von 4,3 Prozent führt zu ingesamt 9,5 Millionen Fluggästen.

Die prozentual größten Verlierer in den ersten neun Monaten sind Erfurt mit einem Minus von über 40 Prozent, Hahn mit 28,1 Prozent Verlust und Weeze mit minus 27,6 Prozent. Auch Bremen verliert eine Viertelmillion Passagiere, was einem Rückgang von knapp 13 Prozent entspricht.

Wien wächst an Zürich heran

Spannend sind auch die Zahlen im deutschsprachigen Ausland. Hier ist insbesondere der Vergleich der der beiden Lufthansa-Drehkreuze Wien und Zürich interessant. Der Schweizer Hub lahmte zuletzt ein wenig im Wachstum, während Wien seit Langem geradezu "durch die Decke geht". Das könnte dieses Jahr dazu führen, dass die Österreicher ihre westlichen Nachbarn bei den Passagierzahlen überholen.

Mit einem Plus von 19,5 Prozent im Vergleich zu den ersten neun Monaten 2018 kommt Wien auf knapp 24 Millionen Passagiere, während Zürich etwas mehr als 24 Millionen Passagiere abfertigte, was einem Zuwachs von lediglich 1,6 Prozent entspricht. Sollte sich diese Entwicklung so fortsetzen, wird Wien im Gesamtjahr Zürich deutlich überholen.

Auf den ersten Blick eine beeindruckende Entwicklung. Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass das enorme Wachstum an der Donau zum allergrößten Teil aus einem Preiskampf der Billigflieger resultiert. Zürich hat im Gegensatz dazu viele Langstrecken mit zahlungskräftiger Klientel.

Veränderung der Passagierzahlen ausgewählter Airports in Europa Q1-Q3 2019 gegenüber Q1-Q3 2018
Flughafen Veränderung (absolut)
VIE 3909152
BER 1639765
MUC 1542242
DUS 1364774
FRA 1218327
STR 795416
ZRH 378544
DTM 330994
GVA 191537
FMM 189531
HAM 182800
FKB 80141
LEJ 55016
HAJ 14635
SCN 5585
PAD -27917
FMO -29629
FDH -32183
ERF -83059
DRS -111641
BRE -251137
NUE -287787
NRN -373948
CGN -428929
HHN -469341

Die Grafik zeigt die Veränderungen der absoluten Passagierzahlen an ausgewählten Airports im deutschsprachigen Raum von Q1 bis Q3 2019 gegenüber Q1 bis Q3 2018.Quelle: ADV, eigene Recherche

"Die Krise ist da"

Wechselt man von der Quartalsperspektive auf die Monatsebene, so sind Passagierzahlen, Luftfrachtaufkommen und gewerbliche Flugbewegungen im September allesamt im Minus. Den Flughafenverband ADV bringt das zu der Schlussfolgerung: "Die Krise ist da".

Im September ging das Verkehrsaufkommen an den ADV-Flughäfen zurück auf 24,2 Millionen Passagiere. Das entspricht einem Minus von 0,2 Prozent im Vorjahresvergleich. Auch das Cargo-Aufkommen fällt, und zwar um 4,2 Prozent auf knapp 392.000 Tonnen. Die gewerblichen Flugbewegungen liegen mit 0,1 Prozent im Minus. Insgesamt wurden etwas über 202.000 Starts und Landungen gezählt.

An nur noch zehn von 22 ADV-Flughäfen stiegen im September die Passagierzahlen. Dabei fällt vor allem das innerdeutsche Minus von 3,9 Prozent auf. Der Europaverkehr liegt mit einem halben Punkt im Plus, der Interkontinentalverkehr mit 1,2 Prozent. Auch zwei Jahre nach dem Air-Berlin-Aus liege das innerdeutsche Flugangebot niedriger, so die ADV. Es gebe nach wie vor weniger Flüge und weniger Sitzplatzangebot. In allen Teilmärkten komme es zu Nachfrageeinbußen.

Die negative Entwicklung im Europaverkehr führt die Arbeitsgemeinschaft der Flughäfen auf die noch immer offene Brexit-Frage, die Airline-Konsolidierung und die Probleme rund um den Touristikkonzern Thomas Cook zurück. Für den Winterflugplan geht die ADV von weiteren Angebotsausdünnungen der Fluggesellschaften aus.

Die Luftfracht - schon länger Sorgenkind des Luftverkehrs - gilt weithin als Frühindikator für die Konjunktur. Sie verliert weiterhin deutlich, da positive Impulse aus der Wirtschaft fehlten, so die ADV. Von Januar bis September liegt die Cargo-Tonnage mit 3,1 Prozent im Minus, insgesamt wurden rund 3.557.400 Tonnen gezählt.

Passagierzahlen ausgewählter Airports in Europa Q1-Q3 2019 gegenüber Q1-Q3 2018
Flughafen Passagierzahl Veränderung nominal Veränderung prozentual
LHR 60.962.420 423.771 0,7
CDG 58.058.688 3.337.964 6,1
AMS 54.565.591 486.710 0,9
FRA 54.189.052 1.218.327 2,3
IST 51.647.424 -416.511 -0,8
TOP5 Europa 279.423.175 5.050.260
MUC 36.593.196 1.542.242 4,4
BER 27.261.093 1.639.765 6,4
ZRH 24.037.531 378.544 1,6
VIE 23.956.086 3.909.152 19,5
DUS 19.561.758 1.364.774 7,5
GVA 13.872.774 191.537 1,4
HAM 13.239.946 182.800 1,4
STR 9.834.231 795.416 8,8
CGN 9.546.158 -428.929 -4,3
HAJ 4.892.914 14.635 0,3
NUE 3.138.245 -287.787 -8,4
DTM 2.037.146 330.994 19,4
LEJ 2.019.856 55.016 2,8
BRE 1.726.318 -251.137 -12,7
FMM 1.308.368 189.531 16,9
DRS 1.201.781 -111.641 -8,5
HHN 1.200.912 -469.341 -28,1
FKB 1.045.694 80.141 8,3
NRN 980.937 -373.948 -27,6
FMO 750.085 -29.629 -3,8
PAD 553.693 -27.917 -4,8
FDH 391.279 -32.183 -7,6
SCN 299.541 5.585 1,9
ERF 117.567 -83.059 -41,4
Die Grafik zeigt die Passagierzahlen ausgewählter Airports im deutschsprachigen Raum von Q1 bis Q3 2019 und ihre Veränderungen gegenüber Q1 bis Q3 2018. Quelle: ADV, eigene Recherche

Von: hr

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