Hygienemaßnahmen für den Luftverkehr vorgestellt

Bundesverkehrsministerium und die Verbände der Verkehrswirtschaft haben sich auf Corona-Hygienemaßnahmen geeinigt. In Flughäfen soll unter anderem auf Bus-Boarding verzichtet werden. Ein freier Mittelsitz ist nicht vorgesehen.

Passagiere und Flugbegleiter müssen bereits beim Check-in strenge Hygiene-Maßnahmen beachten. © Allgäu Airport

Das Bundesverkehrsministerium und die Verbände der Verkehrswirtschaft haben sich auf ein gemeinsames Papier für Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen geeignet, um Mobilität in der Corona-Krise wieder sicher zu ermöglichen. Das Papier liegt airliners.de vor und enthält auch spezifische Maßnahmen für den Luftverkehr. Die Einigung bildet die Grundlage für die Beratungen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin zu den Schutzmaßnahmen im Bereich Verkehr und soll nach dpa-Informationen an diesem Mittwoch besprochen werden.

Spezifische Maßnahmen für den Luftverkehr

In der Phase der Wiederaufnahme des Luftverkehrs sollen Fluggesellschaften und Flughäfen auf den Einsatz von Vorfeldbussen - soweit möglich - verzichten und stattdessen ausschließlich Terminal-Brücken oder Gangways verwenden. Sollte auf den Einsatz von Bussen nicht verzichtet werden können, muss die Anzahl der eingesetzten Busse erhöht werden. Mit dieser Maßnahme soll "die Personendichte im einzelnen Bus" reduziert werden, heißt es dazu im Papier.

Auch in den Flughafen-Terminals gelten erweiterte Hygienemaßnahmen. So sollen zur hygienischen Händedesinfektion in Waschräumen sowie an Orten, an denen Händewaschen nicht möglich ist, soll Desinfektionsmittel bereitgestellt werden.

Auch an Check-in Schaltern soll die Führung der Warteschlangen durch Absperrbänder so eingesetzt werden, dass der allgemein empfohlene Mindestabstand umgesetzt werden kann. Zudem soll eine möglichst hohe Zahl an Countern geöffnet sein, um Warteschlagen möglichst zu vermeiden. Passagiere sollen auch verstärkt die Online-Service-Prozesse von Fluggesellschaften sowie Flughäfen nutzen.

An Automaten zum Einchecken sowie bei Sitzgelegenheiten sollen Markierungen einen Abstand von 1,50 Metern anzeigen. Zum Schutz der Mitarbeiter sollen Beschäftigte, die mit Kunden- oder Passagieren in Kontakt stehen, einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Zudem werden die Check-In-Schalter mit Plexiglas-Schutzscheiben ausgestattet.

Kein Fiebermessen, kein freier Sitzplatz

Interessant ist auch, welche Maßnahmen nicht im Papier stehen. So fehlen die zuvor vorgeschlagenen "Temperaturscreenings", ein Fiebermessen mittels spezieller Sonden beim Sicherheits-Check. Auch ist keine Rede mehr von einem freien Mittelsitz oder sogar blockierten Sitzreihen in Flugzeugen. Dahingehende Äußerungen von Politikern hatten die Fluggesellschaften bereits stark verunsichert.

© Vietnam Airlines, Lesen Sie auch: Diskussionen um freie Mittelsitze und "Social Distancing" an Bord Hintergrund

Lufthansa hatte zuletzt bereits eine Regelung revidiert, wonach der Mittelsitz auf Flügen frei geblieben ist. Stattdessen führte die Airline einen verpflichtenden Mundschutz ein. Das sieht nun offenbar auch das Verkehrsministerium so.

Maskenpflicht wird flächendeckend eingeführt

So werden in dem Papier auch verschiedene Maßnahmen aufgezählt, die neben dem Flugzeug auch für alle anderen Verkehrsmittel wie etwa Taxis, Busse und Bahnen gelten. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung für alle Verkehrsteilnehmer wird demnach flächendeckend verpflichtend. Diese Pflicht erstreckt sich auch auf Flughäfen, Bahnhöfe, Bahnsteige, Fährterminals sowie Haltestellen.

Außerdem sollen die "Reinigungsleistungen in den Verkehrsmitteln" intensiviert werden. Sollte es in einem Verkehrsmittel zu einem Corona-Verdachtsfall gekommen sein, muss das jeweilige Verkehrsmittel teilweise oder vollständig desinfiziert werden. Darüber hinaus soll auch für eine bessere Luftzirkulation gesorgt werden.

Die Verkehrsanbieter sollen für eine verbesserte Information- und Aufklärungspolitik der Fahrgäste sorgen. Über Fahrgastinformationssysteme, Plakate und Social Media Kampagnen sollen Fahrgäste für die empfohlenen Verhaltensregeln sensibilisiert werden.

Im weiteren ÖPNV sollen die Hauptverkehrszeiten durch unterschiedliche Schulanfangs- und -endzeiten oder durch flexiblere Arbeitszeitmodelle entzerrt werden - damit Schul- und Berufsverkehr sich möglichst auf unterschiedliche Zeiten verteilen. Die Verkehrsunternehmen streben an, Ticketvertrieb und Ticketkontrollen kontaktlos und digital zu ermöglichen.

Bislang keine Ansteckung im Flugzeug

Der Bundesverband der Luftverkehrswirtschaft (BDL) teilte mit, dass man das Risiko, sich an Bord mit Covid-19 anzustecken, als "extrem gering" erachte. Dies bestätigen auch das Robert-Koch-Institut und Behörden weltweit. Demnach ist bei der Rückverfolgung von Infektionsketten europaweit bislang kein einziger Fall bekannt geworden, bei dem eine Ansteckung mit Covid-19 an Bord eines Flugzeugs erfolgt ist.

Durch die Verwendung spezieller Filter sei die Kabinenluft sauberer als jene, die der Mensch auf der Erde einatmet. Darüber hinaus würde die Luftströmung in Flugzeugen von oben nach unten stattfinden. Eine horizontale Luftströmung seitwärts oder in Längsrichtung gibt es nicht.

Von: br mit Material von dpa-AFX

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