Verkehrsminister lösen Blockade beim Thema Single European Sky auf

Seit 2013 wurde die EU-Verordnung über den Single European Sky (SES) nicht aktualisiert. Die Umsetzung des Projekts hinkt Jahre hinter dem Zeitplan her. Doch Ursula von der Leyens "Green New Deal" scheint Bewegung in die Sache zu bringen.

Flugzeug vor Europa-Flagge. © Adobe Stock

Wenige Tage nach der Wahl der neuen EU-Kommission ist Bewegung in das Thema Single European Sky (SES) gekommen. Zwar war das Treffen der EU-Verkehrsminister im Europäischen Rat zum Thema "The future of the Single European Sky" schon länger geplant, aber die neue Verkehrskommissarin hat den SES explizit als eines ihrer wichtigsten Anliegen genannt. Seine Umsetzung soll sich in Ursula von der Leyens Vision vom Green New Deal einfügen, mit dem die europäischen CO2-Emissionen deutlich gesenkt werden sollen.

Dass eine Vereinheitlichung und Optimierung des europäischen Luftraums das Potenzial hätte, den Verbrauch der Flugzeuge deutlich zu reduzieren, ist dabei allgemein unbestritten. Erst vor wenigen Tagen bezifferte Frank Bauer, Finanzchef der Lufthansa-Tochter Eurowings, bei einer Anhörung vor dem EU-Verkehrsausschuss die möglichen Einsparungen und damit auch die Emissionsreduzierung auf zehn Prozent.

© dpa, Marius Becker Lesen Sie auch: Kein Single European Sky in Sicht Aviation Managment

Eigentlich sollte sich das Projekt SES nach den ursprünglichen Plänen der EU seit 2013 in einer "Umsetzungphase" befinden. Diese sollte im kommenden Jahr mit einem etablierten Single European Sky abgeschlossen werden, in welchem das gesamte Luftraum-Management in Europa nicht auf 37 nationalen Zonen und Sonderregeln aufbaut, sondern auf einem einheitlichen Regelwerk und einer effizienteren Luftraumarchitektur.

In der Praxis ist jedoch seit 2014 wenig passiert, was laut Kennern der Materie unter anderem auf einen sich ausweitenden Streit im Europäischen Rat um die Frage, ob Gibraltar zum SES gehören soll, zurückzuführen sei. Hinzu kamen nationale Dünkel und der Einfluss der vielen europäischen Flugsicherungsorganisationen, die vor allem ihre eigenen Interessen im Blick haben. Die Gibraltar-Frage verliert mit dem nahenden und mittlerweile sicher scheinenden Brexit jedoch an Brisanz.

Diese Blockade im Rat wurde beim Verkehrsminister-Treffen nun durchbrochen. Sie stimmten zu, dass schnellstmöglich Schritte ("urgent action") unternommen werden sollen, um die Umsetzungsphase des SES wieder zu beleben. Vor allem die Digitalisierung von Systemen und Qualifizierung von mehr Fluglotsen stehen zunächst im Fokus. Auch wurden die Gremien für Verkehrsfragen des Rates ermächtigt, für die aktuell geltende Verordnung "SES2 Plus" von 2013 Aktualisierungen zu erarbeiten, um mit der Entwicklung des Luftverkehrs Schritt zu halten.

Das Ende der politischen Blockade sorgt bei den Airlines für einen Hoffnungsschimmer

Die Formulierungen klingen wage. In den letzten Jahren ist beim Thema SES jedoch so wenig passiert, dass sie für die in Brüssel ansässige Interessenvertretung "Airlines for Europe" (A4E) Grund genug sind, neue Hoffnung zu schöpfen. "A4E begrüßt die gestrige Entscheidung der EU-Verkehrsminister, die aktuelle Single European Sky-Verordnung zu aktualisieren, die seit 2013 blockiert ist," teilte der Branchenverband in einer Mitteilung mit. Der Beschluss der Minister würde der Luftfahrt helfen, ihre Umweltziele zu erreichen und weiterhin eine schnelle und einfache Konnektivität für Europa und seine Bürger zu gewährleisten.

Thomas Reynaert, Managing Director bei A4E, stellt jedoch klar, dass es sich nur um einen ersten Schritt handelt. Man müsse von einer Verdoppelung des weltweiten Luftverkehrs bis 2037 ausgehen. Dies sei sowieso nur mit einem voll umgesetzten SES zu bewältigen, dessen Umsetzung wesentlich zügiger erfolgen müsse als bisher. Während die SES-Verordnung überarbeitet werde, sollten sich die Verkehrsminister nach A4E-Vorstellungen den Personalengpässen in der europäischen Luftraumkontrolle widmen. Sprich: Es müssen schnell mehr Lotsen her.

© dpa, Ingo Wagner Lesen Sie auch: Flugsicherung: Kaum Fortschritte beim Single European Sky Aviation Management

Von: dk

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