Thomas Cook ist insolvent - Condor fliegt weiter

Die Verhandlungen um Thomas Cook sind gescheitert. Das Touristikunternehmen hat den Insolvenzantrag eingereicht. In Großbritannien sind die Flugzeuge der Airlines gegroundet. Condor will allerdings weiterfliegen und spricht mit der Bundesregierung über einen Überbrückungskredit.

Passagiere gehen neben einem großen Werbeschild von Thomas Cook am Flughafen von Palma de Mallorca. © dpa / Clara Margais

Die Bemühungen um Rettung des angeschlagenen britischen Touristikkonzerns Thomas Cook sind gescheitert. Ein entsprechender Insolvenzantrag vor Gericht sei bereits gestellt worden, teilte der zweitgrößte Reisekonzern Europas am Montagmorgen auf seiner Website mit. Der Flugbetrieb wurde in Großbritannien mit sofortiger Wirkung eingestellt, teilte die britische Luftfahrtbehörde CAA am Morgen mit.

Konzernchef Peter Fankhauser bedauerte das Scheitern der Gespräche und sprach in der Erklärung von einem "tief traurigen Tag" für den Konzern. Noch bis Sonntagabend war mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 220 Millionen Pfund (rund 250 Millionen Euro) verhandelt worden. Der Konzern hat Knapp 21.000 Mitarbeiter weltweit.

Die deutschen Veranstaltertöchter, zu denen Marken wie Neckermann Reisen, Bucher Last Minute, Öger Tours, Air Marin und Thomas Cook Signature gehören, haben den Verkauf von Reisen nach eigenen Angaben komplett gestoppt. "Das Unternehmen lotet derzeit letzte Optionen aus", hieß es weiter. Sollten diese Optionen scheitern, sehe sich die Geschäftsführung gezwungen, auch für die Thomas Cook GmbH und weitere Gesellschaften Insolvenz zu beantragen.

Condor fliegt weiter

Der deutsche Thomas-Cook-Ferienflieger Condor versicherte unterdessen, dass der Flugbetrieb weitergehe. "Condor-Flüge werden weiterhin durchgeführt, obwohl die Muttergesellschaft Thomas Cook Group plc Insolvenz eingereicht hat", heißt es in einer Mitteilung vom frühen Montagmorgen.

"Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit beantragt." Dieser werde derzeit von der Bundesregierung geprüft.

Wie die "Bild" unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, gibt es innerhalb der Bundesregierung zwar große Solidarität mit der Airline, der Kredit werde aber vermutlich abgelehnt. Ein Ergebnis der Prüfung werde allerdings erst in einigen Tagen erwartet.

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Wie die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, strebt Condor einen Kredit in Höhe von rund 200 Millionen Euro von der Bundesregierung an. Dieses "Unterstützungsersuchen" werde derzeit intensiv geprüft. Dabe soll es den Angaben nach um eine Absicherung für den Flugbetrieb der Condor gehen. Anderen Quellen zufolge soll es zudem ein weiteres Szenario geben, das einen höheren Kreditrahmen benötige, erfuhr airliners.de aus Condor-Kreisen. Unklar ist, ob dieses Paket auch den Reiseveranstalter betrifft.

Großbritannien startet Rückholaktion

Der britische Außenminister Dominic Raab sagte am Sonntag besorgten Urlaubern die Unterstützung der Regierung in London zu. Die Regierung sei bereit, Urlauber nach Hause zu holen, sollte der Touristikkonzern kollabieren.

Die Rückholaktion trägt den Codenamen "Matterhorn". In der Nacht seien bereits die ersten Flugzeuge zu verschiedenen Zielen gestartet, um britische Urlauber nach Hause zu holen, hieß es bei CAA. Für Urlauber im Ausland wurde die Website thomascook.caa.co.uk geschaltet.

Thomas Cook brauchte mehr als eine Milliarde Euro

Thomas Cook braucht dringend Geld, um in die Zukunft seines Geschäfts zu investieren. Die konzerneigenen Fluggesellschaften gelten dabei als Gewinnbringer von Thomas Cook. Sorgenkind ist vor allem das britische Veranstaltergeschäft. Das Unternehmen verhandelte zum einen mit dem chinesischen Mischkonzern Fosun, der den Tui-Konkurrenten übernehmen will, aber auch mit Banken und Anleihegläubigern.

Am Freitag hatte Thomas Cook angekündigt, dass das Unternehmen zusätzlich zu einem von privaten Investoren zugesagten Rettungspaket in Höhe von 900 Millionen Pfund (1,018 Milliarden Euro) weitere 200 Millionen Pfund (226 Millionen Euro) benötige, um eine Pleite abzuwenden.

© AirTeamImages.com, Jan Severijns Lesen Sie auch: Was Condor von Air Berlin unterscheidet

Mit der Abwicklung der Insolvenz wurde an die international tätigen Beratungsgesellschaften Alix Partners sowie KPMG als Konkursverwalter beauftragt, die nun Sonderverwalter benennen werden. Geplant ist die Liquidierung der insolventen Töchter, unter anderem auch die der Thomas Cook Group Airlines.

Vielfältige Gründe für den Niedergang

Anfang der 2000er Jahre geriet Thomas Cook unter anderem wegen überteuerter Zukäufe in eine schwere Krise, ein Wechsel der Führung und ein rigides Sparpaket waren die Folge. Schon 2010 musste der Konzern gleich drei Gewinnwarnungen ausgeben - damals setzten die Unruhen in den wichtigen Reiseländern Tunesien und Ägypten Thomas Cook schwer zu. Auch in den Jahren danach machte das Unternehmen Verluste und schrammte an der Pleite vorbei.

2012 retteten mehrere Banken den Konzern nach immensen Abschreibungen auf das britische Geschäft und IT-Systeme mit frischem Geld vor dem Untergang. Auch dadurch sitzt Thomas Cook auf einem Schuldenberg in Milliardenhöhe und ächzt unter der hohen Zinslast. Im Jahr 2013 kündigte Thomas Cook etwa in Großbritannien einen massiven Stellenabbau von 2500 Jobs an. Erst 2015 machte der Reisekonzern nach fünf Jahren erstmals wieder Gewinn.

Daneben machte der sich hinziehende und von Unsicherheiten begleitete EU-Austritt Großbritanniens dem Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit schwer zu schaffen. Viele Kunden verzichteten deshalb auf Reisen ins Ausland. Das schwache Pfund, eine weitere Begleiterscheinung des Brexit-Desasters, schmälerte zudem die Kaufkraft der Briten - sie nahmen auch deshalb Abstand von größeren Reisen ins Ausland.

Auch der Preisverfall im Europaverkehr und die harte Konkurrenz durch Online-Anbieter sowie Billigairlines wie Ryanair sind seit Jahren eine Herausforderung für Thomas Cook. Generell geht eine Pleitewelle durch die Airline-Branche - genannt seien neben kleineren Fluggesellschaften etwa Air Berlin und Germania, Alitalia kämpft seit Jahren ums Überleben. Thomas Cook wollte zuletzt eigentlich Condor loswerden, um nicht in diesen Strudel hineingezogen zu werden. Hohe Treibstoffkosten durch den steigenden Ölpreis tragen ebenfalls dazu bei.

Im Mai gab Thomas Cook in seinem Halbjahresbericht einen Nettoverlust von fast 1,5 Milliarden Pfund (1,7 Milliarden Euro) in den sechs Monaten bis Ende März bekannt. Neben den genannten Gründen machte dem Unternehmen auch der vergangene heiße Sommer zu schaffen: Viele Europäer verzichteten wegen der Hitze im eigenen Land auf Fernreisen

Von: dh, br mit dpa, AFP

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