airliners.de Logo

Piloten gegen neue Arbeitsverträge bei Ocean-Projekt

Die Vereinigung Cockpit will verhindern, dass die neue Lufthansa-Plattform "Ocean" genutzt wird, um mehr Piloten außerhalb des Konzerntarifvertrags zu beschäftigen. Doch die Jobangebote der neuen Touristik-Airline wenden sich ohnehin an Piloten, die schon für weit weniger flogen.

Airbus A330 der Eurowings in Düsseldorf. © AirTeamImages.com / Paul Buchroeder

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) wehrt sich gegen eine teilweise Umorganisation des Lufthansa-Flugbetriebs. VC-Tarifvorstand Marcel Gröls forderte das Unternehmen auf, mit der Gewerkschaft einen Tarifvertrag für "Ocean" abzuschließen. Wenn das Projekt nur zu untarifierten Bedingungen möglich sei, werde es nicht nachhaltig erfolgreich sein. Die VC werde "beizeiten" für eine Tarifierung sorgen.

Lufthansa will künftig ein dezidiert touristisches Programm auf einer neuen Airline-Plattform mit dem Namen "Ocean" organisieren, bei der nicht die Bedingungen des Konzerntarifvertrags gelten sollen. Starten soll der Ferienflieger ab 2021 auf der Langstrecke ab Frankfurt, wie Lufthansa-Vertriebschefin Heike Birlenbach im Gespräch mit airliners.de bestätigte. Kunden aus ganz Europa sollen dann unter dem Branding Eurowings auf der touristischen Langstrecke befördert werden. Vertrieben werde das Produkt weiterhin von Lufthansa, die wie zuvor die Zubringer stellt.

VC-Präsident Markus Wahl kritisierte das aus seiner Sicht "unglückliche und fragwürdige Timing" des Projekts in der Corona-Krise. "Die Frage stellt sich schon, ob die Lufthansa mitten in der größten Krise seit dem 11. September so viel Geld in die Hand nehmen muss, um den ohnehin schon angeschlagenen Carriern Condor und Tui-Konkurrenz im Touristikgeschäft zu machen. Wir gehen von jahrelangen Anlaufverlusten aus" erklärte Wahl am Donnerstag in Frankfurt.

Vorher flog Sunexpress Deutschland

Allerdings wurden die touristischen Flüge unter der Marke Eurowings auch schon vor Corona von Besatzungen außerhalb des Lufthansa-Konzerntarifs geflogen. Neben Brussels Airlines war vor allem Sunexpress Deutschland auf der Langstrecke für die Lufthansa-Billigmarke unterwegs. Der deutsche Ableger des Lufthansa-Turkish-Joint-Ventures Sun Express wird nun aber eingestellt. Dennoch kritisieren die VC-Piloten nun, dass die Arbeitsplätze neu ausgeschrieben werden sollen.

Die Konditionen für die von Ocean ausgeschriebenen Stellen auf dem Airbus A330 liegen dabei auf einem durchaus vergleichbaren Lohnniveau wie zuvor bei Sunexpress. Dennoch gilt "Ocean" für die Pilotenvereinigung als Haupthindernis für ein langfristiges Sanierungsabkommen zwischen Lufthansa und VC in der Corona-Krise, denn die Gewerkschaft fürchtet einen Ausbau der günstigeren Plattform zulasten der etablierten Lufthansa-Piloten.

© Eurowings, Athenea Diapouli-Hariman Lesen Sie auch: Lufthansa wirbt bei Sunexpress und Germanwings um Mitarbeiter für Ocean

Einen großen Ausbau will Lufthansa nicht bestätigen. "Wir werden eine gewisse Zahl A330 in Frankfurt stationieren, sodass wir eine optimale Verbindung mit dem Lufthansa-Netzwerk haben", so Lufthansa-Managerin Birlenbach. Gestartet werde mit Flugzeugen, die bisher von Sunexpress betrieben wurden. Einen weiteren Ausblick könne man derzeit nicht geben, zu groß sei die Unsicherheit auf der Nachfrageseite durch die Corona-Krise.

Von: dh, dk, dpa

Lesen Sie jetzt

Lesen Sie mehr über

Gewerkschaften Vereinigung Cockpit Lufthansa Ocean Personal Management Tarifvertrag Strategie Corona-Virus Rahmenbedingungen