Verdi nennt Ufo-Tarifeinigung bei LGW "Fake" und droht mit Streik

Nicht nur Lufthansa spricht der Ufo den Gewerkschaftsstatus ab. Auch Verdi kommt nach Prüfung des neuen Tarifabschlusses für das LGW-Kabinenpersonal zum selben Ergebnis. Ufo reagiert süffisant.

Flugbegleiterinnen der LGW in Eurowings-Uniformen. © LGW

In einer aktuellen Mitteilung droht die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi der Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW) mit einem Streik des Kabinenpersonals. Als Grund nennt Verdi den in der letzten Woche zwischen der Konkurrenz-Gewerkschaft Ufo und der LGW geschlossenen Tarifvertrag. Dieser wird von Verdi als "Fake" bezeichnet. Im Zuge der Tarifeinigung mit der Ufo hatte die LGW-Geschäftsführung zeitgleich alle Verhandlungstermine mit Verdi abgelehnt.

Verdi-Verhandlungsführer Volker Nüsse teilte nun mit, dass es offensichtlich keine ernsthaften Verhandlungen gegeben habe. Ufo habe keine gewählte Tarifkommission und scheine ohne Durchsetzungskraft in der Kabine zu sein. "Die Ufo instrumentalisiert nach Korruptionsvorwürfen und internen Machtkämpfen die Flugbegleiter der LGW, um noch einen Rest-Anschein als Gewerkschaft zu wahren."

Laut Verdi spielt die Ufo in der LGW keine Rolle

Verdi-Verhandlungsführer Volker Nüsse bezeichnete das Vorgehen von Ufo und LGW als "skandalös" und sprach der Flugbegleiter-Gewerkschaft - ähnlich wie zuvor schon die Lufthansa - die Legitimation ab. Ufo sei nicht durchsetzungsfähig und der Tarifabschluss bringe für große Teile der Belegschaft Verschlechterungen mit sich.

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Einen Gewerkschaftskonflikt sieht Nüsse hingegen nicht. Die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten bei der LGW sei bei Verdi organisiert. Ufo spiele im Betrieb keine Rolle, umso skandalöser sei es, dass LGW mit der Ufo einen Abschluss erzielte. Bei den Kabinenbeschäftigten herrsche große Enttäuschung über diesen Schritt der Geschäftsführung. Viele fühlten sich hintergangen. Mit "geschenkten Gefälligkeitstarifverträgen" löse man keinen Tarifkonflikt, sondern verschärfe ihn.

Ufo: Verdi kann gerne den Gerichtsweg versuchen

Die Ufo wiederum betrachtet die Verdi-Vorwürfe als gegenstandslos. Der stellvertretende Ufo-Vorsitzende Daniel Flohr sagte gegenüber airliners.de, Verdi nutze die gleiche Taktik der Delegitimation wie Lufthansa, anstatt inhaltliche Argumente vorzubringen. Es sei sehr bedenklich, dass Verdi aus einem Konkurrenzempfinden heraus die Argumentation eines Arbeitgebers übernehme. "Wenn Verdi ernsthaft unseren Status als Gewerkschaft in Frage stellt, können sie gerne versuchen, das gerichtlich feststellen zu lassen", so Flohr.

Bereits im November hatte Verdi in Düsseldorf erfolgreich zu einem Warnstreik aufgerufen. Ufo hatte sich an dem Ausstand nicht beteiligt. Um zu einem echten Tarifvertrag zu kommen, bereitet sich die Gewerkschaft auf längere Arbeitskämpfe in den kommenden Wochen vor.

LGW zu Verhandlungen bereit

Bei der LGW ist man von der Verdi-Offensive offensichtlich überrascht. Nach einer ersten Prüfung der Vorwürfe teilte ein Sprecher der LGW-Muttergesellschaft Zeitfracht gegenüber airliners.de mit, dass die "Geschäftsleitung der LGW immer bereit ist, entsprechende Verhandlungen zu führen."

Laut der Verdi-Mitteilung gibt man der LGW-Geschäftsführung bis zum 23. Juni 2019 Zeit, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen und auf die Terminvorschläge der Gewerkschaft einzugehen. "Nach dieser Schonfrist sind alle Optionen offen", betont Nüsse.

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Die insgesamt 200 Kabinenbeschäftigten fordern mit Verdi unter anderem die Erhöhung des Grundgehalts um 200 Euro und eine höhere Garantie der Blockstundenvergütung. Zudem soll ein Manteltarifvertrag erreicht und eine Personalvertretung errichtet werden.

Die LGW und die Ufo hatten in der Vorwoche einen Tarifvertrag abgeschlossen, in dessen Zuge sich das Gehalt durch mehr garantierte Flugstunden pauschal um 100 Euro erhöhen soll. Zudem werden Überstunden 50 Prozent besser bezahlt und es wird künftig eine betriebliche Altersvorsorge für alle sowie Verbesserungen bei Bereitschaftsdiensten und Urlaub geben.

Die LGW wurde im Frühjahr von der Zeitfrachtgruppe übernommen und fliegt mit ihren Bombardier Dash-8 hauptsächlich weiter für Eurowings im Wet-Lease. Die Flotte soll in den kommenden Jahren gegen E-190-Jets von Embraer ausgetauscht werden.

Von: dk

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