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Verdi-Fahne vor einem Abflug-Schild © dpa / Federico Gambarini

Verdi verlangt bei der Lufthansa einen besseren Schutz vor Jobverlusten. Bei den Beschäftigten gebe es eine große Bereitschaft, für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens einzustehen, erklärte die Verdi-Vizevorsitzende Christine Behle am Montag.

So seien Sparbeiträge bereits angeboten worden. Die Menschen erwarteten aber im Gegenzug Sicherheit. "Die Beschäftigten können es sich jedoch nicht leisten, dem Unternehmen einen Blankoscheck auf ihre eigene Zukunft auszustellen."

Auch existenzgefährdende Lohnverluste will die Gewerkschaft für die von ihr vertretenen rund 35.000 Beschäftigten nicht hinnehmen. Einem weiteren Auseinanderfallen des Konzerns müsse entgegengewirkt werden.

"Umfassende Staatshilfepakete wie beispielsweise für Lufthansa sind nicht an Bedingungen wie Arbeitsplatzerhalt, Schutz der Arbeitsplätze und ökologische Nachhaltigkeit gebunden. Dieses Versäumnis ist außerordentlich problematisch", betonte Behle.

Lufthansa Technik könnte abgestoßen werden

Nach dem Staatseinstieg wird im Unternehmen über die weitere Ausrichtung des Luftverkehrskonzerns diskutiert. Insbesondere die Abspaltung der Wartungstochter Lufthansa Technik könnte Mittel in die Kassen spülen, um die Staatsbeteiligung wieder zurückzuführen.

Verdi warnte vor einer Zerschlagung des Konzerns. Die hatte zuletzt Großaktionär Heinz Hermann Thiele noch einmal ins Gespräch gebracht. Mit Hinweis auf die stark gestiegene Zins- und Schuldenlast verlangte der Milliardär in Interviews, Töchter wie die Lufthansa-Technik und die Catering-Tochter LSG Sky Chefs auf den Prüfstand zu stellen. Die LSG steht schon seit längerem zum Verkauf, während die Wartungstochter als wertvolles Tafelsilber gilt. Hier ist auch ein (Teil-)Börsengang in der Diskussion.

© dpa, Privat/dpa Lesen Sie auch: Thiele fordert harte Sparmaßnahmen bei Lufthansa

Verdi verhandelt als eine von drei Gewerkschaften über Sparbeiträge der Beschäftigten zur Bewältigung der Corona-Flaute. Sie vertritt vor allem das Boden- und Technikpersonal. Die nächsten Gespräche finden an diesem Dienstag (30. Juni) in Frankfurt statt. Für die Kabine hat die Gewerkschaft Ufo bereits eine Vereinbarung getroffen und bei den Piloten ist die Vereinigung Cockpit noch in Verhandlungen.

Als "indiskutabel" bezeichnete Behle, dass in dem Ufo-Vertrag für die rund 22 000 Flugbegleiter der Beschäftigungsschutz aussetzbar sei. Dies wies Ufo-Geschäftsführer Nicoley Baublies als Zuspitzung zurück. Der Lufthansa-Vorstand könne die Vereinbarung nur aufkündigen, wenn selbst negativste Annahmen noch übertroffen würden und die Gesellschaft sonst in die Insolvenz rutsche. Man habe rechnerisch den Abbau von 2600 Stellen geschafft und dabei einen Kündigungsschutz über vier Jahre erreicht. Die Urabstimmung solle am 10. Juli beginnen.

Verdi will Forderungen an Politik übergeben

Verdi kündigte zudem an, für alle Beschäftigte in der Luftfahrt Forderungen an die Politik zu übergeben. Am Donnerstag werde man Luftverkehrskonzept in Berlin an politisch Verantwortliche des Bundestags übergeben.

Beschäftigte im Airline- und Touristikbereich seien trotz umfassender Staatshilfen in besonderem Maße von den Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen. Dennoch stünden die Interessen der Beschäftigten zu wenig im Vordergrund, hieß es. "Angst Unruhe und Empörung machen sich breit, weil Unternehmen, denen staatliche Hilfen in Milliardenhöhe gewährt werden, im selben Atemzug Beschäftigungsabbau und Gehaltskürzungen ankündigen", kritisiert die stellvertretende Behle.

Dabei gehe es nicht nur um Lufthansa, so Behle weiter: "Augenblicklich wird in der gesamten Luftverkehrsbranche versucht, Sozialdumping zu betreiben, wie bei Ryanair und ihren Töchtern oder es kommt zu massivem Stellenabbau wie bei Tuifly, Germanwings oder Sunexpress Deutschland." Auch bei Bodenverkehrsdienstleistern wie AHS oder touristischen Dienstleistern wie der Tui oder Galeria Reisen, der ehemaligen Thomas Cook, seien die Beschäftigten von harten Einschnitten und akutem Arbeitsplatzverlust bedroht.

Ein sozialer, nachhaltiger Luftverkehr sei möglich, so Verdi. Die Politik müsse jedoch ihrer Verantwortung gerecht werden und sich für den Luftverkehrsstandort Deutschland und seine Beschäftigten stark machen.

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