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Kaum Annäherung bei rundem Tisch zu Tuifly

Das Treffen zwischen dem Tuifly-Management, Gewerkschaftsvertretern und niedersächsischen Landesregierung wird als konstruktiv beschrieben. Es ging um Jobs in Hannover. Nun entscheidet der Tui-Aufsichtsrat.

Eine Boeing 737 Max 8 der Tuifly Belgium. © AirTeamImages.com / Rudi Boigelot

Tuifly will ihren Hauptstandort Hannover im Rahmen des geplanten Sparkurses auf jeden Fall erhalten. Diesen Punkt habe man am Montag in einem Gespräch mit Vertretern der Arbeitnehmer unter Vermittlung von Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) betont, erklärte das Unternehmen nach dem Ende des Treffens. "Das haben wir noch einmal unterstrichen."

Keine Angaben gab es dazu, in welchem genauen Umfang es am Heimatsitz der Airline und anderswo Kürzungen geben könnte. Darüber werde der Tui-Aufsichtsrat nun sprechen, hieß es bei Tuifly. Nach airliners.de-Informationen wird das Gremium am Donnerstag tagen.

Althusmann mahnte nach seinem Vermittlungsgespräch, dass im Rahmen des Sparkurses möglichst viele Arbeitsplätze erhalten blieben. "Ich habe auch gegenüber der Bundesregierung die klare Erwartung, dass im Fall weiterer staatlicher Unterstützung für Tui die Situation für Hannover berücksichtigt wird, da dieser Standort in besonderer Weise betroffen ist", erklärte Althusmann.

"Vor diesem Hintergrund ist mir wichtig, dass insbesondere für Hannover die angekündigten Einsparungen so gestaltet werden, dass eine möglichst große Anzahl von Flugzeugen erhalten bleiben." Althusmann räumte jedoch ein, allen Beteiligten sei klar, "dass der angekündigte Sparkurs nicht völlig ohne Schmerzen verlaufen wird".

Verwaltung und Technik soll in Hannover bleiben

"Das war ein guter erster Auftakt, dass wir in konstruktive Gespräche eintreten können", sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Marian Drews. Er betonte, Althusmann habe eine "gute Initiative ergriffen". Allerdings sei TUIfly noch nicht von dem Ziel abgerückt, seine Flotte zu halbieren. Verdi befürchtet den Abbau von bis zu tausend Stellen durch die geplanten Einsparungen. Der Mutterkonzern TUI hatte bereits Mitte Mai den Abbau von weltweit 8000 Stellen angekündigt.

Der Crew-Standort Hannover war vor dem Treffen nicht als Streichoption genannt worden. Dort ist aber auch der Verwaltungs-Hauptsitz der Tuifly. In der Verwaltung sowie in der Technik dürfe es keinen Kahlschlag geben, hatte Verdi im Vorfeld der Gespräche gefordert.

Vor allem die "Base Maintenance" dürfe am Hauptstandort Hannover nach früheren Sparrunden nicht noch weiter ausgedünnt werden: "Dafür braucht man weiter qualifiziertes Personal - auch im Interesse der Flugsicherheit." Das Management überlege, große Teile nach Großbritannien und Belgien zu verlagern.

Die Airline muss wegen der Buchungseinbrüche in der Corona-Krise massiv sparen. Die Flotte der deutschen Tui-Fluggesellschaft soll daher von derzeit 39 auf 17 schrumpfen. Hunderte Arbeitsplätze an den Standorten in Bremen, Köln, Hamburg, Berlin und Nürnberg stehen den Planungen nach auf der Kippe.

Teilnehmer sprechen von "konstruktiver Atmosphäre"

Das Treffen im niedersächsischen Wirtschaftsministerium habe "in konstruktiver Atmosphäre" stattgefunden, teilte Tuifly mit. Aus der Gewerkschaft Verdi hieß es, es sei etwas Bewegung in eine bisher festgefahrene Situation gekommen: "Herr Althusmann hat klargemacht, dass er den Standort Hannover schützen will und eine Perspektive eingefordert." Man sei dankbar für diesen Einsatz.

Der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC), Markus Wahl, meinte, es sei deutlich geworden, "dass massive Staatshilfen und ein hoffnungsvoller wirtschaftlicher Ausblick mit einem massiven Stellenabbau in der angekündigten Höhe nicht zusammenpassen".

Aus Sicht der Vereinigung Cockpit könne es nicht sein, dass "unter dem Deckmantel der Corona-Krise" Arbeitsplätze im deutschen Tarifwerk abgebaut werden, um dann "durch günstige Subunternehmer" ersetzt zu werden. Der Tui-Aufsichtsrat dürfe den Plänen des Tuifly-Managements nicht zustimmen.

Bei Tuifly gibt es aktuell rechnerisch in Vollzeit rund 2000 Jobs, davon 1400 Piloten und Flugbegleiter. Nach Gewerkschaftsangaben stehen nun insgesamt rund die Hälfte der Vollzeitstellen zur Disposition: 720 beim fliegenden Personal sowie 280 beim Bodenpersonal, in der Technik und Verwaltung. Da es bei Tuifly viele Teilzeitstellen gibt, beträfen die Streichungen aber weit mehr als die Hälfte der Belegschaft.

Gewerkschaften mahnen zur Einhaltung geltender Regelungen

Im Vorfeld des runden Tisches hatten die Gewerkschaften die Einhaltung geltender Regelungen trotz Corona angemahnt.

Es gebe eine gültige Tarifvereinbarung, die Entlassungen eigentlich ausschließe, heißt es aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. Außerdem sehe eine bis Ende 2021 laufende Betriebsvereinbarung für den Konzern den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen vor. "Wir müssen in eine konstruktive Diskussion darüber kommen, wie eine sozialverträgliche Lösung aussehen kann", betonte Verdi. "Tuifly muss in Deutschland weiterhin eine Perspektive haben."

© Bernd Althusmann - CDU in Niedersachsen, Lesen Sie auch: Niedersachsen startet "Runden Tisch" zu Tuifly

Es sei in den vergangenen Jahren überdies versäumt worden, die finanzielle Basis des Unternehmens hinreichend abzusichern - auch wegen der Auszahlung hoher Dividenden an die Aktionäre, so ein Verdi-Vertreter.

Kritik gab es auch an einem staatlichen Hilfskredit für Tui. Der Konzern bekommt einen Corona-Kredit über 1,8 Milliarden Euro, um die schlimmsten Krisenfolgen abfedern zu können. In einem Brief an die Führung warnte ein "Krisenstab" der Belegschaftsvertreter davor, mit öffentlichem Geld einen Arbeitsplatzabbau durchzuziehen.

Von: dpa-AFX, AFP, dh, br

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