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Verdi und BDLS zoffen sich über Kurzarbeit für Sicherheitskontrollen

Die Verhandlungen für einen branchenweiten Manteltarifvertrag bei den Luftsicherheitskontrollen sind ausgesetzt. Auch einheitliche Lösungen zur Kurzarbeit in der Corona-Krise lehnen die Arbeitgeber ab. Jetzt streiten sich Verdi und BDLS mit wütenden Pressemitteilungen.

Eine Mitarbeiterin an der Fluggastkontrolle. © BDLS

Die Gewerkschaft Verdi und der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) sind in einen Streit über die Bedingungen für Kurzarbeit während der Corona-Krise bei den Luftsicherheitskontrollen geraten.

Es begann mit einem Schreiben von Verdi in der vergangenen Woche an ihre Mitglieder bei den Security-Dienstleistern. Darin verkündete die Gewerkschaft, dass man dem Arbeitgeberverband BDLS vorgeschlagen hätte, einen Entwurf für einen BDLS-weiten Tarifvertrag zur Kurzarbeit zu verfassen. Dieser könne gleiche Bedingungen in der Branche schaffen und sei ein gutes Druckmittel für die Gewerkschaft in Verhandlungen mit den öffentlichen Arbeitgebern in der Branche. Der BDLS sei ob des Verdi-Vorschlags zwar skeptisch gewesen, habe aber letztendlich einer Entwurfserarbeitung zugestimmt.

BDLS bestreitet jede Einigung: "Verdi kam zu spät"

Schon dass es eine grundsätzliche Einigung, sich mit dem Thema zu befassen, gegeben haben soll, weist nun der BDLS in einer scharfen Mitteilung zurück. Verdi würde mit dieser Behauptung derzeit den Betriebsfrieden "in einer für viele Unternehmen existenzgefährdenden Situation" vielerorts stören.

"Viele unserer Mitgliedsunternehmen haben entweder bereits Vereinbarungen zur Kurzarbeit getroffen oder hatten Termine mit den Betriebsräten. Die Gewerkschaft hat mit ihrer eigenmächtigen Information über einen Tarifvertrag zu diesem Thema sogar dafür gesorgt, dass Betriebsräte Termine absagten und so keine Vereinbarung getroffen werden konnte", wird BDLS-Präsident Udo Hansen zitiert. Sozialpartnerschaft im Sinne der Arbeitnehmer sähe anders aus, Verdis Verhalten sei unverständlich.

Verdi wiederum beharrt auf branchenweiten Verhandlungen für die Luftsicherheitskontrollen. Die Löhne seien zu niedrig, um mit dem staatlich garantierten Kurzarbeitergeld eine Familie zu versorgen, es müsse etwas geschehen. Doch plötzlich hätte der Arbeitgeberverband von Verabredungen nichts mehr wissen wollen und der von Verdi Ende letzter Woche vorgelegte Entwurf für einen Tarifvertrag zur Kurzarbeit sei nichtmal geprüft worden.

BDLS sieht Unternehmen derzeit in zu ernster Lage für branchenweite Tarifverhandlungen

Das liege daran, dass der Verdi-Vorschlag schlicht zu spät kam, weshalb eine solche Einigung, die Kurzarbeit als Verbandsthema zu behandeln, auch nie im Raum stand, so der BDLS in seiner Antwort. Gerade in der akuten Situation des weitgehende Zusammenbruchs des Luftverkehrs sei es wichtig gewesen, dass Vereinbarungen zum Thema Kurzarbeit zügig und individuell auf die Situation am jeweiligen Flughafen und Kontroll-Dienstleister ausgerichtet worden seien. Scheinbar habe die Gewerkschaft den Ernst der Lage für die Unternehmen nicht begriffen.

Eigentlich befinden sich Verdi und BDLS derzeit auch in Verhandlungen zu einem bundesweiten Manteltarifvertrag für die Beschäftigten der Luftischerheitsbranche. Der nächsten Verhandlungstermin wurde aufgrund der Corona-Krise jedoch abgesagt. Laut Mitteilung des BDLS sei die Priorität in den Unternehmen momentan darauf gerichtet, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Wann die Verhandlungen weitergehen, ist derzeit unklar.

© dpa, Roland Weihrauch Lesen Sie auch: "Für die Beschäftigten ist das sehr bedauerlich" Interview

Von: dk

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