Verbotspläne für Privatjets mischen Business Aviation auf

Die Business Aviation sieht sich Verbots-Diskussionen ausgesetzt. Die Branche hält davon nichts und fordert in Sachen Klimaschutz ein staatliches Innovationsprogramm. Schließlich seien kleinere Geschäftsreiseflugzeuge prädestiniert für neue Technologien.

Passagiere boarden Privatjet © Air France

Die Business Aviation sieht sich in der aktuellen Klimadiskussion zunehmender Kritik ausgesetzt. In britischen Wahlkampf hat nun der Thinktank "Common Wealth", der laut britischen Medien eng mit der Kampagne des Labour-Chefs Jeremy Corbyn verbunden ist, eine Studie vorgestellt, die sogar ein Verbot von Privatjets vorsieht.

Die Studie untersucht die Umweltauswirkungen der Geschäftsfliegerei und fordert bis 2025 ein Verbot von Reisen mit kerosinbetankten Privatjets. Die Fortbewegung im Privatjet verursache zehnmal so viel Treibhausgase wie ein Flug in der Economy Class und "etwa 150 Mal" mehr Emissionen als eine gleichlange Reise im Hochgeschwindigkeitszug, so die Autoren. Die Zahlen, so sie denn stimmen, liefern Luftfahrt-Gegnern und Umweltaktivisten nun Munition und sorgen in Großbritannien für turbulente Diskussionen.

"Dieser Bericht stützt sich auf eine sehr überzeugende Argumentation," erläuterte Corbyns Schattenverkehrsminister Andy MacDonald bei der Vorstellung. So ziele die Studie auch nicht auf ein Verbot von kleineren Flugzeugen oder privaten Flügen ab, sondern stelle die Frage, wie man für die Geschäftsreisebranche funktionierende Anreize für die Entwicklung weitgehend emissionsfreier Antriebe etablieren könne. Der Einsatz von Elektroflugzeugen beispielsweise stelle in diesem Segment, anders als bei großen Verkehrsflugzeugen, eine echte Alternative dar. So sei eine Untersuchung der Citigroup zu dem Schluss gekommen, dass bei konsequenter Entwicklung elektrische Antriebe bereits ab 2022 den Durchbruch in der allgemeinen Luftfahrt schaffen und zum neuen Standard für zwei- bis vierzehnsitzige Flugzeuge werden könnten.

Die European Business Aviation Association, der europäische Dachverband der Geschäftsfliegerei, hält von den Plänen der Labour-Partei nichts und teilte mit, dass der Sektor zwar nachhaltiger werden müsse, aber eine vernünftige Betrachtung die Dinge in Relation setzen müsse. Nur wenige Prozent der globalen Emissionen würden durch den Luftverkehr entstehen, infolgedessen würde "ein völliges Verbot von Privatjets in Großbritannien wenig dazu beitragen, den Klimawandel einzudämmen", sagte die Vereinigung.

Branche sieht eigene Nachhaltigkeit als zentrales Thema der Zukunft

Die britische Hauptstadt London ist die europäische Stadt mit dem größten Verkehrsaufkommen im Privatflugbereich. An den vornehmlich genutzten Flughäfen Luton, Farnborough und Biggin Hill wurden 2018 mehr als 73.000 Flugbewegungen der allgemeinen Luftfahrt verzeichnet. Jonathan Clough, Direktor des britischen Luftfahrtunternehmens Jetfly, ist daher der Meinung, dass ein Verbot von Privatjets utopisch sei. Vielmehr plädiert er für breite Markteinführung alternativer Kraftstoffe: "Regierungsvorschriften, die die Verwendung von Biokraftstoffen fördern, wären ein vernünftiger erster Schritt. Eine Investitionen in neue und umweltfreundlichere Technologien."

Das Thema synthetische Kraftstoffe treibt die Geschäftsluftfahrt, die sich stets aufgeschlossen gegenüber dem Ziel nachhaltiger unterwegs zu sein gibt, schon länger um. So war die Verbesserung der Klimabilanz eines der zentralen Themen auf der diesjährigen Fachmesse European Business Aviation Convention & Exhibition (EBACE) in Genf. Um die Botschaft zu unterstreichen reisten die meisten der ausgestellten Flugzeuge mit Bio Fuel an. Im Jahr zuvor wurde auf der Messe der "Business Aviation Guide to the Use of Sustainable Alternative Jet Fuel (SAJF)" vorgestellt.

© EBACE, Lesen Sie auch: Flugzeuge kommen mit Bio-Sprit zur EBACE 2019

Dass ein Verbot der Geschäftsfliegerei auch ernsthafte Probleme in der Daseinsvorsorge insbesondere weniger dicht besiedelter Gebiete bedeuten könnte, unterstreicht der Geschäftsführer des deutschen Branchenverbandes "German Business Aviation Association" (GBAA), Andreas Mundsinger auf Anfrage von airliners.de. Linienfluggesellschaften und Bahn zögen sich immer mehr aus der Fläche zurück - in dezentralen Bereichen sei die Business Aviation daher unverzichtbar. Rund 70 Prozent alle Flugbewegungen in Deutschland fänden auf kleinen Flughäfen und Flugplätzen statt. "Den individuellen Luftverkehr zu verbieten ist als ob man den Straßenverkehr ausschließlich auf öffentliche Verkehrsmittel beschränken wollte. Dabei fliegt der größte Anteil unserer Gäste nicht zum Spaß durch die Gegend, sondern zu ausschließlich geschäftlichen Zwecken."

Aktivisten besetzen Business Aviation Terminal in Genf

Auch Mundsinger lehnt ein Verbot von Privatjets rundheraus ab. Und schließt sich der Forderung an, vor allem technische Innovationen als gangbare und volkswirtschaftlich vertretbare Option zu etablieren, die Branche nachhaltiger aufzustellen. Innovationssprünge müssten jedoch politisch gewollt und gefördert werden. Die vom Bundestag in der letzten Woche für 2020 und 2021 beschlossene Förderung von PTL-Kerosin sei ein wichtiges Signal für den Auftakt. Die Entwicklung CO2-neutraler Hybridflugzeuge (Synthetischer Kraftstoff für die Steigphase und Elektroantrieb für die Gleitphase) müsse ebenfalls angegangen werden.

Von Seiten der Klimaschützer könnten der Business Aviation in Zukunft des öfteren aufmerksamkeitserregende Protest-Aktionen drohen. So haben am vergangenen Wochenende rund 100 Aktivisten der Klimabewegung Extinction Rebellion rund zweieinhalb Stunden das Flugzeugterminal für Privatjets am Flughafen Genf besetzt, bevor sie auf Druck der Polizei freiwillig das Feld räumten. "Wir verurteilen dieses komplett absurde Verkehrsmittel", sagte Micaël Metry, ein Sprecher der Bewegung. Denn ein Privatjet produziere 20 Mal mehr CO2 als ein normales Passagierflugzeug. Das war dann schon doppelt so viel wie der Verschmutzungsfaktor zehn aus der britischen Studie.

© AirTeamImages.com, Markus Mainka Lesen Sie auch: Flughafenverband fordert Dialog statt Protest von Umwelt-Aktivisten

Von: dk

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