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Verband fordert zum "Tag des Lärms" völliges Umdenken in Luftverkehrspolitik

Für die lärmgeplagten Anwohner von Flughäfen kann die Corona-Krise auch Segen sein. Ihre Interessenvertreter sehen sie als guten Startpunkt in eine neue Zeit: Weniger Flüge mit weniger Airlines.

Maschine beim Landeanflung am Airport Berlin-Tegel © dpa / Jörg Carstensen

Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm hat zum heutigen "Tag des Lärms" eine Positionspapier für eine "nachhaltige Luftverkehrspolitik" veröffentlicht. Mit der Corona-Krise sei der Zeitpunkt gekommen, die Diskussion für eine künftige Ausrichtung des Luftverkehrs zu öffnen und die zentralen Herausforderungen des Klimawandels dabei einzubeziehen.

Eine der zentralen Forderungen des Verbands: Jeder Verkehrsträger solle die in ihm verursachten Kosten der Umwelt-und Gesundheitsbelastung selbst tragen. Dazu müssten sämtliche Subventionen für die Branche europaweit gestrichen und Abgaben im Gegenzug erhöht werden. Hinzu müsste eine angemessen CO2-Bepreisung kommen.

© dpa, Boris Roessler Lesen Sie auch: Kaum noch Fluglärm um Frankfurt

Die weiteren Forderungen umfassen ein vollständiges Verbot für Kurzstreckenflüge unter 600 Kilometern, ein achtstündiges Nachtflugverbot an allen Flughäfen und schärfere Grenzwerte für Lärm- und Feinstaubbelastungen.

Die nationalen Regierungen müssten die Krise nutzen, um eine weitere Marktbereinigung und Konsolidierung des Luftverkehrsmarkts zu forcieren, so die verienigung. Dies sollte einher gehen mit dem Aufbau einer europäischen, global konkurrenzfähigen Fluggesellschaft, deren Fundament die Lufthansa sein könnte.

Ungewohnte Stille rund um die Flughäfen

Derweil sorgt der Einbruch des Flugverkehrs in der Corona-Krise in vielen Regionen für ungewohnte Stille. Vor allem Anwohner in Flughafennähe oder in Einflugschneisen genießen sie. Doch zu langfristigen Effekten für die Gesundheit wird die kurzfristige Ruhe eher nicht führen. "Ein Großteil der Wirkungen von Lärm auf den Menschen entsteht durch eine Lärmbelastung über einen langen Zeitraum, über Monate oder Jahre", sagte Thomas Myck, Lärmexperte beim Umweltbundesamt, der Dpa.

Durch die aktuelle Corona-Pandemie sei das Verkehrsaufkommen in Deutschland stark zurückgegangen. Das betreffe insbesondere den gewerblichen Luftverkehr, der praktisch zum Erliegen gekommen sei. "In der Folge hat die Fluglärmbelastung deutlich abgenommen", so Myck.

© dpa, Arne Dedert Lesen Sie auch: BUND will Luftverkehrswachstum nach Corona eindämmen

Dies zeige ein Vergleich der Dauerschallpegel für März 2020 mit dem Vorjahr. Beispielsweise habe an der Fluglärmmessstelle Klein-Gerau des Frankfurter Flughafens in diesem Zeitraum die Belastung von 63,2 Dezibel auf 53,8 Dezibel am Tag abgenommen. Vorläufige Messungen für April ergaben demnach einen noch geringeren Wert von 46,7 Dezibel.

Wo der Fluglärm fehlt, treten Straße und Schiene in den Vordergrund

"Durch den Rückgang des Fluglärms in der Flughafenumgebung treten andere Lärmquellen wie der Straßen- oder Schienenverkehr, die bisher vom Fluglärm überdeckt wurden, stärker in den Vordergrund", so Myck. Es sei daher davon auszugehen, dass sich die tatsächliche Lärmsituation für manche Flughafenanrainer nur wenig verbessert habe.

Der Tag gegen Lärm, ein internationaler Aktionstag, soll auf die Ursachen von Lärm und seine Wirkung auf die Gesundheit aufmerksam machen. Die Deutsche Gesellschaft für Akustik bündelt die bundesweiten Aktionen und plant eigene Veranstaltungen. In diesem Jahr werden sie allerdings laut dem Verein wegen der Corona-Pandemie bis auf Weiteres verschoben.

Von: dk mit dpa

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