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Die Born-Ansage (102) Verbände mimen im Streik Pontius Pilatus

Luftfahrtverbände als Sprachrohr von Airlines und Airports waschen beim Sicherheitsstreik ihre Hände in Unschuld, konstatiert Karl Born und findet: Das geht so nicht. Sie müssen die Politik in die Pflicht nehmen.

Klare Ansagen: Professor Karl Born kommentiert die aktuellsten Entwicklungen der Luftverkehrsbranche. © airliners.de, Karl Born

"Verbände wettern gegen Streik des Sicherheitspersonals an Airports", titelten einige Medien. Gemeint waren DRV, BTW, ADV, BDL, Barig und wer sich da noch alles gemeldet hatte. Tenor: "Die armen Flugpassagiere und die böse Verdi!" - da kullern direkt die Krokodilstränen. Ok, schön war es nicht, dass 220.000 Passagiere mal wieder ihren Flug verpassten. Schließlich hatte unser Verkehrsminister Andy Scheuer nach seinem "großen Fluggipfel" im Oktober vergangenen Jahres noch versprochen, dass er weiteres Chaos "nicht akzeptieren würde" - so wie er auch nicht akzeptiert, dass das Ausland wegen des BER-Debakels "über uns lacht".

Stellt man die Frage nach Verantwortlichkeiten für den Flughafen-Sicherheitsbereich, erinnern mich die oben Genannten an Pontius Pilatus und "waschen ihre Hände in Unschuld". Klar wachen weder Airlines noch Airports über die Metalldetektoren. Nur damit ist keinem der lieben aber leider vernachlässigten Flugpassagiere geholfen. Dass alle "Systempartner zusammenarbeiten, um die Situation aus dem Sommer 2018 zu vermeiden" ist offenbar zu übersetzen mit: Die Verbände als Sprachrohr von Airlines und Airports werden nicht müde zu betonen, dass sie nicht zuständig sind. Mein Name ist Hase.

"Vereinte Power" bitte

Das geknüpfte System der Sicherheitskontrolle hat einen grundsätzlichen gravierenden Webfehler: die Übertragung hoheitlicher Aufgaben an einen privaten Dienstleister und dabei die Flughäfen außen vorzulassen. Nicht ohne Grund drängen diese seit Monaten auf Änderung - und verkaufen das dann ganz nebenbei als Beitrag im Kampf gegen das Verspätungschaos.

© airliners.de, David Haße Lesen Sie auch: "Große Airports wollen Verantwortung übernehmen" Interview mit ADV-Präsident Schulte

Wenn man es wirklich ernst mit den Kunden des Flugverkehrs meint, hilft nur eines: Die Verbände müssen "zusammen mit vereinter Power" statt wohlfeilen diplomatischen Äußerungen "auf den Tisch hauen". Getreu dem Motto: "So kann es nicht weitergehen!"

Es krankt im System

Hoheitliche Aufgaben am Flughafen an einen privaten Dienstleister zu übertragen, halte ich grundsätzlich für ungeeignet, weil dieser bei seiner Tätigkeit auch eigene Gewinnziele verfolgen muss. Dementsprechend wird immer mit Arbeitskämpfen zu rechnen sein. Mal ganz abgesehen davon, dass es bei den jetzigen Systemen hier und da immer noch zu kranken scheint.

Kleine Petitesse am Rande: Auch für den Flughafen Erfurt wurde für den 15. Januar Streik angekündigt. 150 Mitarbeiter waren zum Ausstand aufgerufen. Folgen: keine. Denn dieser "Großflughafen" hatte für diesen Tag keinen Flug im Flugplan. Wenn man es so betrachtet, kann sich Andy Scheuer im Ausland auch endlich mal mit dem BER schmücken: Der Flughafen ist seit Jahren streikfrei.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de Jetzt Gastautor werden

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