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VC will Vorschläge für Teilzeitmodelle für Lufthansa-Piloten unterbreiten

Die Pilotengewerkschaft übermittelt Lufthansa Vorschläge für neue Beschäftigungsmodelle. Die Vereinigung Cockpit gibt sich dabei verhandlungsbereit, verweist aber auf schon erfolgte Zugeständnisse. Das Ziel: Massenentlassungen vermeiden.

Markus Wahl, Sprecher der Vereinigung Cockpit (VC), steht am Frankfurter Flughafen. © dpa / Arne Dedert

Die Piloten der Lufthansa haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, mit umfassenden Teilzeitmodellen coronabedingte Massenentlassungen vermeiden zu können. Man werde dem Unternehmen an diesem Dienstag entsprechende Vorschläge unterbreiten, kündigte die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) in Frankfurt an.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte zuvor in Interviews beklagt, dass mit den Piloten der Kerngesellschaft bislang noch kein langfristiger Sanierungsvertrag zu Einsparungen während der Corona-Krise zustande gekommen sei. Mangels Einigung müssten daher bereits im ersten Quartal 2021 rund 500 Kapitäne und 500 Erste Offiziere das Unternehmen verlassen.

Das wären rund 20 Prozent der Mannschaft. Wörtlich sagte der Vorstandschef: "Innovative Teilzeitmodelle für die nächsten Jahre müssten möglich sein, um den unzweifelhaft vorhandenen Personalüberhang mit möglichst wenig Kündigungen zu kompensieren."

VC begrüßt neuen Ansatz der Lufthansa

In Spohrs Aufforderung sieht VC-Tarifvorstand Marcel Gröls ein Angebot, über das man sich freue. "Der Behandlung eines sozialverträglichen Arbeitsplatzabbaus durch Teilzeit, Sonderurlaub oder Vorruhestand hat sich Lufthansa bislang gegenüber verschlossen gezeigt."

Die VC hob in ihrer Mitteilung auch die bisherigen Zugeständnisse der Piloten hervor. Das Cockpitpersonal habe durch die tarifvertragliche Vereinbarung bei der Einführung der Kurzarbeit bei Lufthansa seit April 2020 zu finanziellen Entlastungen des Unternehmens in Höhe von 155 Millionen Euro beigetragen. Von diesem Betrag seien pilotenseitig seit September 70 Millionen Euro ohne jegliche Gegenleistung zur Verfügung gestellt worden.

"Zusätzlich zu diesen finanziellen Zugeständnissen hat die VC in Kooperation mit der Personalvertretung unter anderem der Durchführung zahlreicher Flüge zugestimmt, die andernfalls aufgrund kollektivrechtlicher Beschränkungen nicht hätten durchgeführt werden können", so die Gewerkschaft. Solche und weitere operationelle Ausnahmen hätten im zu Ende gehenden Jahr zu substantiellen Einsparungen und einem deutlich verringerten Mittelabfluss bei Lufthansa geführt.

Seit September habe es dann 16 Verhandlungsrunden gegeben, bei denen die VC dem Unternehmen fünf Angebote zu Einsparungen bei den Personalkosten unterbreitet habe. Neben dem Volumen sei weiterhin die Dauer des Kündigungsschutzes umstritten. Mit den anderen Berufsgruppen im Unternehmen hat Lufthansa bereits Sanierungsvereinbarungen getroffen.

Nach dem Verkauf des Catering-Geschäfts in Europa sind noch rund 109.000 Menschen beim Kranich beschäftigt, der zumindest bei der deutschen Kernmarke noch keine Entlassungen vollzogen hat.

Parallel zu den Verhandlungen mit der VC laufen auch Gespräche mit dem Lufthansa-Betriebsrat über Sozialplan und Interessensausgleich, die bei möglichen Entlassungen vorgeschrieben sind. Die staatlich gerettete Lufthansa hat in den ersten neun Monaten des Jahres 5,6 Milliarden Euro Verlust gemacht und ihr Flugangebot wegen der umfassenden Reiseeinschränkungen zusammengestrichen.

Von: dk mit dpa

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