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VC stellt neues Angebot an Lufthansa für Teilzeit-Arbeit vor

Das angekündigte neue Angebot der Vereinigung Cockpit um Entlassungen von Lufthansa-Piloten zu vermeiden, sieht einen Finanzierungstopf vor, in den beide Seiten einzahlen. Ob das dem Kranich reicht, scheint fraglich.

Lufthansa-Piloten in einer A340 © AirTeamImages.com / Daniel Nicholson

Die Vereinigung Cockpit (VC) hat Details zu den am Dienstag angekündigten Vorschlägen für neue Beschäftigungsmodelle für die andernfalls von Entlassungen bedrohten Lufthansa-Piloten veröffentlicht. "Das am 15.12.2020 von der VC offerierte sechste Angebot sieht zusätzlich zu Kurzarbeitergeld, Vergütungskürzungen und Reduzierungen der betrieblichen Altersvorsorge einen zweckgebundenen Finanzierungstopf vor, in den die Piloten freiwillig einzahlen oder Beiträge in Form von Teilzeit einbringen", teilte die Gewerkschaft mit.

Zwar sollen die Beiträge zunächst freiwillig sein, man garantiere Lufthansa jedoch einen Mindestbetrag, der im Zweifel kollektiv erbracht werde. Im Gegenzug soll die Lufthansa die von den Piloten erbrachten Einzahlungen in den Sondertopf in gleicher Höhe ergänzen. Die Mittel sollen sodann für die Finanzierung von sozialverträglichen Maßnahmen mit dem Ziel des Personalabbaus verwendet werden. "De facto finanzieren die Piloten somit bereits den Verlust von Arbeitsplätzen, um hoffentlich andere Arbeitsplätze zu retten", stellt die VC fest.

Das Einsparvolumen für Lufthansa auf Grundlage der vorliegenden Angebote der seit Monaten laufenden Verhandlungen beziffert die VC auf 450 Millionen über eine Laufzeit von 18 Monaten. Dafür soll von Lufthansa ein Kündigungsschutz bis zum 30.6.2022 garantiert werden.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte zuvor in Interviews beklagt, dass mit den Piloten der Kerngesellschaft bislang noch kein langfristiger Sanierungsvertrag zu Einsparungen während der Corona-Krise zustande gekommen sei. Die Piloten müssten sich zu mehr Teilzeit-Arbeit bereit zeigen. Sollte es zu keiner Einigung über die derzeit vereinbarte Übergangsfrist bis Frühjahr 2021 kommen, müssten daher bereits im ersten Quartal 2021 rund 500 Kapitäne und 500 Erste Offiziere das Unternehmen verlassen.

Vorschneller Pilotenabbau gefährdet Marktchancen

Das will die VC auf jeden Fall verhindern und argumentiert, dass der nun unterbreitete Vorschlag auch im Lufthansa-Interesse liege. "Lufthansa hat uns bisher nicht erläutert, wie sich die konkrete Anzahl der überzähligen Piloten aus einem validen Business Plan herleiten lässt. Jegliche Prognosen für eine Zeit nach der Krise sind mit hohen Unsicherheiten belastet, wie auch das Management einräumt." Durch die anstehenden Veränderungen im Markt nach der Krise, beispielsweise eine Verringerung der Anbieter, könnten sich neue Chancen für Lufthansa ergeben, Marktanteile zu gewinnen und Verkehr zurück auf die profitable Kernmarke zu verlagern. "Eine vorschnelle Schrumpfung des Personalkörpers nimmt dem Unternehmen die Möglichkeit sich ergebende Marktchancen nutzen zu können", findet die VC.

Lufthansa wiederum gingen die Vorschläge bisher nicht weit genug. Die VC scheint zu ahnen, dass das auch für das neue Angebot gelten dürfte und baut vor: Man müsse sicherstellen, dass "die Höhe des Reallohnverlustes die Kolleginnen und Kollegen nicht überfordert" Die Vorschläge der VC würden bereits jetzt vorsehen, dass Piloten bis zu 50 Prozent weniger verdienen als vor der Krise. Neben der Einsparsumme von 450 Millionen Euro habe man bereits durch Verzicht in diesem Jahr 155 Millionen Euro zu den Kostensenkungen des Unternehmens beigetragen.

Von: dk

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