airliners.de Logo
Eine Boeing 737 der Tuifly. © Tuifly

Aktualisierungsverlauf / Zusammenfassung anzeigen

Jetzt airliners+ testen

Sie haben schon einen Zugang? Hier anmelden

Nachdem die lettische Airline Smartlynx ihre Expansion nach Deutschland verkündet und dazu Vollcharter-Vereinbarungen mit Tui und Involatus für Sommer und Herbst dieses Jahres getroffen hat, regt sich Widerstand bei den Tui-Piloten. Der Reiseveranstalter schicke sich an, die erwartete Tarifflucht umzusetzen, kritisierte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC).

Smartlynx will ab Mitte Mai jeweils einen A320 in Saarbrücken und Basel/Mulhouse stationieren und von dort unter eigenem Code für Tui europäische Warmwasserziele anfliegen. Die VC rechnet mit mehreren hundert Flügen, während die konzerneigene Airline Tuifly außen vor bleibe.

"Statt die eigene Airline mit deutscher Belegschaft zu nutzen und damit zumindest teilweise auch die erhaltenen Staatshilfen zu rechtfertigen, setzt Tui nun eine ausländische Billig-Airline ein", ereifern sich die Piloten. Dabei habe man mit Tuifly "eine ideale Fluggesellschaft im Haus", die auch den Premium-Anspruch der Tui-Gruppe glaubhaft verkörpere.

Die Vorgehensweise sei ein Affront gegenüber der gesamten Belegschaft, so Marcel Gröls, im Vorstand der Vereinigung Cockpit zuständig für Tarifpolitik. "Die kurzsichtige und unsoziale Strategie der Tui kostet bei der Tuifly in Deutschland etwa 200 Cockpit-Arbeitsplätze sowie hunderte weitere in Kabine, Technik und Verwaltung." Es gehe auch um Tuis Ruf. Dumping-Anbieter zum Zug kommen zu lassen, sei bei fünf Milliarden Euro Staatshilfe unverständlich.

Die 4,3 Milliarden Euro staatliche Hilfen seien allerdings ein Kredit, hieß es auf Nachfrage bei Tui. Wet-Leasings für die Hochsaison an Plätzen, an denen es keine eigene Basis gäbe, seien zudem nicht ungewöhnlich. In der Vergangenheit hatte Tuifly in der Tat bereits mit der türkischen Freebird oder auch der deutschen Sundair zusammengearbeitet.

Dennoch kommt der neue Vorstoß während Corona überraschend. Nach langwierigen Verhandlungen will Tuifly im Angesicht der Corona-Krise derzeit ihre Flotte von ehemals 39 auf 22 Maschinen. Mehrere deutsche Basen werden dichtgemacht. Gegner des Sparkurses verwiesen während der Verhandlungen darauf, dass der Fluglinie nach der erhofften Erholung des Geschäfts Maschinen fehlen könnten und sie nur als reine "Markenhülle" weiterlebt.

Smartlynx hofft derweil, neben den beiden Maschinen für Tui und den Flügen für Involatus, mit weiteren Reiseveranstaltern in Deutschland ins Geschäft zu kommen. Ein Sprecher teilte auf airliners.de-Anfrage mit, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für diesen Schritt sei, um einerseits die Diversifikation in neue Märkte voranzutreiben und anderseits an der Neugestaltung des Marktes teilzuhaben.

Einen eigenen Vertrieb will man jedoch nicht aufbauen. Passagiere können über die Smartlynx-Website lediglich Zusatzleistungen dazu buchen, wie beispielsweise Sportgepäck. Auf Nachfrage teilte der Sprecher weiter mit, dass es deutschsprachiges Personal an Bord geben werde, sodass Ansagen und der Service in Deutsch durchgeführt würden.