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Defizit niedriger als Steuerausfälle Usedom: Gutachten warnt vor Schließung

Um die Zukunft des Flughafens Heringsdorf auf Usedom wird gestritten. Der stark verschuldete Kreis als einziger Flughafen-Gesellschafter will die Zuschüsse drastisch eindampfen. Ein Gutachten warnt davor.

Flughafen Heringsdorf auf Usedom. © Flughafen Heringsdorf GmbH

Ein Wirtschaftsgutachten warnt vor einer Schließung des Flughafens Heringsdorf auf der Insel Usedom. Die dadurch zu erwartenden jährlichen Steuerausfälle von drei Millionen Euro seien sechsmal so hoch wie das derzeitige Defizit des Flughafens von 500.000 Euro, stellt der Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg von der Universität Bielefeld in dem der dpa vorliegenden Gutachten fest. Es soll an diesem Mittwoch in Heringsdorf vorgestellt werden.

Einziger Gesellschafter des Flughafens ist der mit 130 Millionen Euro stark verschuldete Landkreis Vorpommern-Greifswald, der die Verluste des Flughafens ausgleicht. Nach dem Entwurf des Haushaltskonsolidierungskonzeptes soll dieser Ausgleich allein für 2013 um die Hälfte gekürzt werden. Zudem gibt es Forderungen aus der Politik, dass sich der Kreis aus dem Flughafen zurückzieht. Es sei nicht Aufgabe des Kreises, einen Flughafen zu betreiben.

Laut der 38 Seiten umfassenden Expertise, die Birg im Auftrag der Kaiserbäder Tourismus Service GmbH (KTS) erstellte, übersteigt der ökonomische Nutzen des Flughafens den betrieblichen Aufwand deutlich. Nutznießer des Flughafens sei vor allem das Seebad Heringsdorf. Das Ostseebad sei das primäre Ziel von rund 80 Prozent der Fluggäste, heißt es in der Expertise. Eine Schließung des Flughafens würde vor allem bei den dortigen Hotels zu Umsatzeinbußen führen.

Im vergangenen Jahr reisten 11.600 Urlauber mit Linienmaschinen nach Usedom und sorgten damit für rund 70.000 Übernachtungen. Rund 40 Prozent von ihnen kamen aus dem Ausland - Schweiz, Österreich und Polen. In diesem Jahr wird Usedom von sieben deutschen Städten sowie von Warschau, Wien, Bern und Zürich aus angeflogen.

Nach den Worten des Aufsichtsratsvorsitzenden des Flughafens, Norbert Raulin, ist das Gutachten eine gute Grundlage, den öffentlichen Zuschussbedarf für den Flughafen zu senken und den Betrieb aufrecht zu erhalten. In der Gemeinde Heringsdorf gibt es Überlegungen, rund 25 Prozent an der Gesellschaft und damit 125.000 Euro des Verlustausgleichs zu übernehmen. Diese Summe würde aber nicht ausreichen, um die Kreiszuschüsse zu halbieren.

Von: dpa

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