US-Luftfahrtbehörde zieht Lehren aus Germanwings-Katastrophe

Als Reaktion auf das Germanwings-Unglück (4U9525) hat die US-Luftfahrtbehörde FAA Empfehlungen zum Umgang mit psychischen Problemen bei Piloten herausgegeben. Diese ähneln zum Teil denen der deutschen Taskforce.

Blumen liegen vor der Germanwings-Zentrale in Köln. © dpa / Oliver Berg

Als Reaktion auf den Germanwings-Absturz im März 2015 hat die US-Luftfahrtbehörde FAA neue Empfehlungen zum Umgang mit psychischen Problemen bei Piloten herausgegeben. Piloten müssten sich ohne Furcht vor beruflichen Konsequenzen in Behandlung begeben können, wenn sie psychisch belastet seien, heißt es in dem jetzt vorgestellten Bericht eines FAA-Expertengremiums.

Zudem müssten Luftfahrtmediziner besser geschult werden, um bei den Routineuntersuchungen von Piloten auf psychische Probleme aufmerksam zu werden. Eine deutsche Taskforce hatte einen ähnlichen Schluss gezogen.

Die US-Bundesbehörde hatte das Expertengremium einberufen, nachdem ein Germanwings-Pilot im vergangenen Jahr ein Passagierflugzeug in den Alpen zum Absturz gebracht hatte. Dabei riss er 149 Menschen mit in den Tod. Nach dem Absturz wurde bekannt, dass der Pilot jahrelang unter Depressionen gelitten und deswegen auch Ärzte aufgesucht hatte.

FAA-Direktor: "Stigma in der Branche überwinden"

FAA-Direktor Michael Huerta beklagte bei Vorstellung der neuen Empfehlungen, dass psychische Probleme in Pilotenkreisen stigmatisiert seien, was Betroffene von einem Gang zum Arzt abhalte. "Wir müssen dieses Stigma in der Luftfahrtbranche überwinden, so dass Piloten sich von selbst melden, sich behandeln lassen und dann in den Beruf zurückkehren", sagte Huerta.

Viele Piloten fürchteten, dass sie wegen solcher Probleme sofort den Job verlören. Oftmals seien die psychischen Probleme aber heilbar, sagte der Behördenchef. Allerdings gebe es Erkrankungen wie etwa bipolare Störungen oder Psychosen, die tatsächlich ein Ende der Pilotenlaufbahn bedeuten könnten.

Die Experten empfahlen auch die psychologische Nachschulung von Luftfahrtmedizinern, welche die Piloten regelmäßig untersuchten. Viele der Ärzte seien auf diesem Gebiet kaum geschult; ihnen müsse besser vermittelt werden, wie sie Zeichen psychischer Erkrankungen bei Piloten erkennen können. Die Idee eines regelmäßigen psychologischen Tests von Piloten verwarfen die FAA-Experten, weil die Wirksamkeit solcher Tests nicht gesichert sei.

Auch Deutschland und die EU setzten Arbeitsgruppen ein

Nach dem Germanwings-Unglück hatte es auch in Deutschland eine Taskforce gegeben. Die deutsche Arbeitsgruppe sprach sich für eine stärkere Sensibilisierung der Fliegerärzte für psycho-soziale Störungen und die verpflichtende Einrichtung von Anlaufstellen auf europäischer Ebene aus.

© dpa, Fredrik Von Erichsen Lesen Sie auch: Bundestag beschließt strengere Piloten-Kontrollen

An diese könnten sich Piloten und Crewmitglieder wenden, wenn sie bei sich selbst oder ihren Kollegen Auffälligkeiten beobachten. Außerdem lässt der Bundestag die Piloten in Zukunft strenger auf Drogen und Alkohol kontrollieren.

Und auch die EU hatte eine Expertengruppe eingesetzt. Diese empfahl verpflichtende psychologische Tests für Piloten während ihrer Ausbildung oder vor Dienstantritt.

Alle Meldungen zum Germanwings-Unglücksflug 4U9525.

Von: ch, AFP

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