Boeing 787-Produktion wird von US-Justizministerium untersucht

US-Flugzeughersteller Boeing sieht sich mit weiteren Vorwürfen zu mangelnder Sicherheitskultur konfrontiert. Die Produktion der 787 im Bundesstaat South Carolina ist Gegenstand einer offiziellen Untersuchung durch das US-Justizministerium.

Boeing 787 in Charleston, South Carolina © AirTeamImages.com / KSK
Das Boeing-Endmontagewerk in Charleston. © dpa / XinHua
Boeing hat in North Charleston im Bundesstaat South Carolina mit der Endmontage des ersten 787-10 Dreamliners begonnen. © Boeing

Das US-amerikanische Justizministerium hat sich nach einem Bericht der "Seattle Times" Akten zur Produktion der Boeing 787 in Charleston vorlegen lassen. Die Hintergründe liegen der Zeitung zufolge in der mangelnden Qualität am Standort in South Carolina.

Nach den Quellen der Zeitung hat das Ministerium außerdem bereits Anfang Juni mehrere Mitarbeiter von Boeing in Charleston verhört. Durch die neue Untersuchung weitet das US-Justizministerium seine strafrechtliche Untersuchung deutlich aus. Die 737 Max ist bereits Gegenstand von Ermittlungen.

Die Untersuchungen zu den Qualitätsproblemen der 787 würden von derselben Gruppe Ermittler getätigt, die auch die Vorwürfe rund um die Zulassung der 737 Max untersuchen.

Problem mit der Sicherheitskultur bei Boeing?

John Goglia, ehemaliges Vorstandsmitglied der US-Flugunfalluntersuchungsbehörde National Transportation Safety Board (NTSB), sagte gegenüber dem Fernsehsender CBS News, dass es ein Problem mit der Sicherheitskultur bei Boeing gäbe. Dazu käme ein zu hoher Druck vom Management auf die Angestellten, Dinge schnell fertigzustellen. Der Hersteller hätte sich diesen Druck selber auferlegt durch Auslieferungstermine, die schwer zu halten seien. Das gehe Airbus allerdings genauso, die Hersteller würden insofern Opfer ihres eigenen Erfolgs.

Ähnliches berichtet die "New York Times". Die FAA untersuche einen Fall, in dem ein Boeing-Manager in Charleston unverhältnismäßigen Druck auf einen Angestellten ausgeübt haben soll. Der Boeing-Mitarbeiter sei Teil eines von der FAA designierten Teams gewesen, das die Behörde bei der Zertifizierung unterstütze, weshalb Boeing-Manager sich gar nicht in seine Arbeit hätte einmischen dürften. Der Angestellte habe außerdem zwei Vorgesetzte gehabt, was im Normalfall einen Verstoß gegen FAA-Regeln darstelle.

Boeing-Chef Dennis Muilenburg betont dagegen immer wieder die Sicherheitskultur seines Unternehmens. Auf der Aspen Ideas Conference Ende Juni sprach er von dem unnachgiebigen Streben nach Sicherheit und erwähnte die jährlichen "Safety Promise Sessions", in denen mit allen 150.000 weltweiten Angestellten des Konzerns über Sicherheit und Unternehmenskultur gesprochen werde. Weiter hob Muilenburg nochmals hervor, dass Boeing der Sicherheit verpflichtet sei ("committed to safety").

787-Informanten gehen auf Behörden zu

Auf die Frage, warum Informationen zu den Missständen in der 787-Produktion gerade jetzt an die Öffentlichkeit kämen, sagte ex-NTSB-Mann John Goglia, dass bei öffentlichkeitswirksamen Vorfällen wie der 737-Max-Krise oftmals Angestellte von Herstellern und Zulieferern auf die Behörden mit neuen Informationen zukämen. Oft seien diese den betreffenden Unternehmen bereits bekannt, sie hätten aber nichts unternommen.

Die Informanten würden sich deshalb als "Whistleblower" an die Behörden wenden, so Goglia weiter. Er selbst habe von ehemaligen Angestellten in der 787-Produktion in South Carolina gehört, die Dinge angesprochen hätten, die sie für nicht korrekt gehalten hätten. Ihre Bedenken wären allerdings nicht aufgenommen worden.

Im April hatte die New York Times bereits Missstände bei der Produktion der 787 in Charleston öffentlich gemacht. Dabei war es vor allem um Probleme mit so genanntem Foreign Object Damage (FOD) gegangen, also potenzielle Beschädigungen durch Fremdkörper in den Flugzeugen. So seien unter anderem eine Leiter im Heck eines Flugzeugs gefunden worden und ein Bolzen in einem Triebwerk. Boeings Standortleiter in Charleston, David Carbon, war einen Monat nach dem Bericht der New York Times zurückgetreten.

© Boeing, Lesen Sie auch: Zeitungsbericht über angebliche Mängel in der Boeing-787-Produktion

Keine offiziellen Statements

Das US-Justizministerium äußerte sich ebenso wie der Flugzeughersteller nach Angaben der Seattle Times bislang nicht zu der neuen Untersuchung der 787.

Nach den immer neuen schlechten Nachrichten aus dem Hause Boeing gibt es noch keine große Diskussion um die Zukunft von CEO Muilenburg, obwohl ihm von verschiedenen Seiten schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen wird. Der Boeing-Chef bestätigte allerdings in Aspen, dass es einige "personelle Wechsel" wegen der 737-Max-Krise gegeben habe.

Beim Problem-Jet 737 Max hat Boeing nun die eigenen Testflüge für die neue Flugsteuerungssoftware nach Angaben von Muilenburg abgeschlossen. Boeing sei im Prozess der Zertifizierung der Software mit der FAA und anderen Behörden weltweit. Auf Nachfrage des Moderators sagte Muilenburg außerdem, dass er von einer Wiederindienststellung der Flugzeuge bis Ende des Sommers ausgehe.

Von: hr

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