Bei Tuifly brodelt es schon lange

Für viele Außenstehende kommen sie überraschend: Die massenhaften Krankmeldungen, die Tuifly dieser Tage fast zum Erliegen bringen. Dabei rumort es bei den Beschäftigten der Ferienfluggesellschaft schon seit geraumer Zeit.

Mitarbeiter-Proteste vor Zentrale des Ferienfliegers Tuifly" am 05.10.2016 © dpa / Julian Stratenschulte

Wie kann es sein, dass die Meldungen zu einer Umstrukturierung plötzlich zu massenhaften Krankmeldungen führen? Diese Frage haben sich mit Blick auf die aktuelle Situation bei Tuifly in den letzten Tagen wohl viele gestellt. Dabei kam hier nichts plötzlich: Bei Tuifly brodelt es schon seit etlichen Jahren.

Es ist kein Geheimnis, dass die deutsche Tuifly bei der Tui schon seit langem als Klotz am Bein gilt. Das zeigt sich schon allein daran, dass Tui für ihre Pauschalreisen gerne auch auf Kapazitäten anderer Airlines zurückgreift. Oft ist ihnen die deutsche Airline einfach zu teuer. Nicht umsonst gab es immer neue Anläufe, die Airline umzustrukturieren.

Sparpläne sollten Millioneneinsparungen bringen, eine engere Verzahnung mit den anderen Tui-Airlines samt Umzug nach London war im Gespräch und zwischenzeitlich erkauften sich die Beschäftigten Wachstumsversprechen mit Nullrunden. Die gefundenen Kompromisse machten das Konstrukt Tuifly dabei nicht immer einfacher.

Gerüchte um die Zukunft sind bei Tuifly nichts Neues

Einst weltweit sogar mit Großraumflugzeugen als Hapag-Lloyd Flug unterwegs, wurde die deutsche Tui-Airline nach einem erfolglosen "HLX"-Lowcost-Experiment als Hapagfly wieder zur reinen Ferienfluggesellschaft. Im Auftrag der Tui befördert Tuifly mittlerweile nur noch Europa-Touristen. 14 von 41 Flugzeugen sind zudem seit 2009 für Air Berlin unterwegs. Für die fliegenden Mitarbeiter bedeutet das schon heute einen Berufsalltag in zwei Welten.

Dem Air-Berlin-Deal vorangegangen waren schon damals vielfältigste Gerüchte um die Zukunft der Tui-Airline: Geht sie mit Condor zusammen, steht eine Fusion mit Germanwings an oder fliegen gar alle drei Airlines zusammen in einem Bündnis?

Gerüchte und Mutmaßungen rund um Tuifly sind also nichts Neues. Auch vor der offiziellen Bestätigung zu Verhandlungen mit Etihad über ein Gemeinschaftsunternehmen mit Teilen der Air-Berlin-Group hatte es nicht an Mutmaßungen gemangelt. Nach verschiedensten Gerüchten rund um eine Verlagerung nach Österreich hatten Medien zuvor sogar über eine Übernahme durch Easyjet spekuliert.

Umstrukturierungen auch beim Mutterkonzern

Derweil war es auch bei der Mutter Tui in den vergangenen Jahren alles andere als ruhig. Zuletzt sorgte in Hannover die Meldung für Furore, dass 350 Mitglieder der Tui-Verwaltung ausgelagert und zu schlechteren Konditionen weiterbeschäftigt werden sollen. Und das trotz fantastischer Gewinnsteigerungen.

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Nach einer Komplettfusion mit seiner britischen Reisetochter Tui Travel hatte der weltgrößte Touristikkonzern seine interne Aufstellung grundlegend neu geordnet. Das Ziel: ein vollintegrierter Touristikkonzern. Fünf verschiedene Airlines in Europa machen vor diesem Hintergrund allenfalls noch historisch gesehen Sinn.

Im Einzelplatzverkauft positioniert sich die Tuifly-Webseite derweil schon lange als reine Flugbuchungsmaschine. Neben den eigenen Tuifly-Angeboten kann man dort die Flüge zahlreicher Airlines buchen.

Eine von vielen

Insgesamt verfügt der Tui-Konzern im Fluggeschäft bei den konzerneigenen Airlines Tuifly Deutschland, Thomson Airways, TuiFly Nordic, Jetairfly, Tui Airlines Nederland sowie Corsair über rund 140 Flugzeuge. Die in Hannover ansässige Tuifly hat rund 2500 Mitarbeiter: 1200 Flugbegleiter, 700 Beschäftigte beim Bodenpersonal sowie etwa 550 Piloten. Die Flotte der Tuifly besteht nach Unternehmensangaben momentan aus 41 Maschinen des Typs Boeing 737. 14 Flugzeuge sind seit dem Winterflugplan 2009/10 im Wet-Lease-Einsatz für Air Berlin unterwegs.

Die Mitarbeiter wollen vor allem Klarheit

Alles in allem scheint die Ausgangslage zumindest für die Mitarbeiter klar: Die zunächst geheim geführten und nun nach dem Druck der Beschäftigten offiziell bestätigten Verhandlungen mit dem Air-Berlin-Großaktionär Etihad werden als Schritt in Richtung Auflösung verstanden. Eine bittere Erkenntnis für viele.

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Da hilft es wenig, wenn Tuifly-Aufsichtsratschef Henrik Homann jetzt auch in der Öffentlichkeit sagt, dass Befürchtungen um den Tuifly-Sitz in Deutschland und die Tarifverträge unbegründet seien. Neben Flugbegleitern haben sich vor allem auch Piloten krank gemeldet. Nach mehrjährigen Verhandlungen hatten die eigentlich gerade eine neue Tarifeinigung erzielt. Jetzt haben sie nur eine Frage: Wie lange bleibt der bestehen?

Von: dh

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