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United mit hunderten Kündigunsschutzklagen in Frankfurt konfrontiert

Seit 1997 unterhielt United Airlines eine Crew-Basis in Frankfurt. Nun wurde fast allen Angestellten über Nacht gekündigt. Die Airline fühlt sich nicht an deutsches Recht gebunden, doch vergangene Urteile lesen sich anders.

Eine Flugbegleiterin von United mit Atemschutzmaske. © United Airlines

United Airlines sieht sich mit hunderten Kündigunsschutzklagen in Deutschland konfrontiert. Insgesamt rund 200 Kündigungsschutzklagen sind Mitarbeiterberichten zufolge anhängig, darunter Klagen von fliegendem Personal als auch von Mitarbeitern des Bodenpersonals.

Wie airliners.de von mit der Sache vertrauten Personen erfahren hat, werden ab dem 19. November als erster juristischer Schritt im Rahmen von Kündigungsschutzklagen vor dem Arbeitsgericht Frankfurt am Main über 100 Güteverhandlungstermine gegen die US-amerikanische Fluggesellschaft abgehalten.

Bereits im Juni hatte United angekündigt, ihre Auslandsbasen für Flugbegleiter in Frankfurt, Hongkong und Tokio zu schließen. 840 Mitarbeiter seien davon betroffen, gab die Airline damals an.

Zu den jetzt anstehenden Verhandlungen wollte sich United jedoch auf Anfrage nicht äußern. Da es sich um ein laufendes juristisches Verfahren handele, könne man keine Auskünfte erteilen, teilte die Airline gegenüber airliners.de mit.

Freier sprechen die gekündigten Mitarbeiter. United habe im Zuge der Coronavirus-Krise versucht, den Großteil ihrer langjährigen deutschen Mitarbeiter mit dem Argument, deutsches Arbeitsrecht sei für amerikanische Firmen nicht von Belang, mehr oder weniger fristlos zu entlassen, so der Vorwurf. Unter den Gekündigten befänden sich fast 100 Flugbegleiter mit je über 20 Jahren Firmenzugehörigkeit.

You're fired

Den Flugbegleitern ohne US-Arbeitserlaubnis sei im Juni in einem Firmen-Newsletter via E-Mail mitgeteilt worden, dass sie nach jahrzehntelanger Anstellung ihre Jobs verlieren würden. Wechsel- oder Abfindungsmöglichkeiten seien nicht angeboten worden. Ihre Flugprivilegien würden die Mitarbeiter darüber hinaus auch nur behalten dürfen, wenn sie freiwillig in Rente gingen und so von einer Klage absehen.

Die offiziellen Kündigungsschreiben zum 1. Oktober seien dann am 29. September aus den USA per Express-Zustellung verschickt worden, heißt es. Die Flugbeleiter wollen sich nun mit den Kündigungsschutzklagen gegen diese ihrer Ansicht nach mit deutschem Arbeitsrecht unvereinbaren Kündigungen wehren. Das United-Management in Chicago bestehe jedoch auf, deutsches Recht hätte für sie als Amerikaner keinerlei Gültigkeit.

Die Aussichten, mit dieser Auffassung vor Gericht durchzukommen, sind jedoch für United ungewiss. So sind die in Frankfurt beschäftigten Flugbegleiter seit 1997 voll sozialversicherungspflichtig angestellt. Nach einer Klage einer United-Flugbegleiterin aus Frankfurt hatte das Bundesarbeitsgericht in Erfurt bereits in einem früheren Fall 2001 darüber entschieden, ob die nach deutschem Recht geltenden Regelungen über die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und den Zuschuss zum Mutterschaftsgeld auf ihr Arbeitsverhältnis anwendbar sind (5 AZR 255/00). Das Gericht gab der Klägerin damals Recht.

Von: dk

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