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Ungewisse Zukunft für bewährte Airbus-Produktionsketten

Airbus fährt derzeit eine Art Notbetrieb. Die Endmontage von Großraumflugzeugen ist in der Corona-Krise praktisch zum Erliegen gekommen. Vor allem die Zulieferer stehen unter Druck. Wieviele die Krise überstehen, ist offen.

"Autonomous Guided Vehicle" in der Airbus-Montagehalle in Hamburg. © Airbus

Airbus hat seine Produktion massiv zurückgefahren. Der Flugzeughersteller mit seinen über Europa verteilten Fabriken kämpft mit einem Stillstand von Lieferketten und -je nach Region - mit Anwesenheitsquoten von teils 15 Prozent und weniger unter den Mitarbeitern.

In den spanischen Verkehrsflugzeug-Werken, die vor allem Hecksektionen aller Airbus-Muster herstellen, wurde die Arbeit nun zunächst bis zum 9. April ganz eingestellt. Auch die Flügelproduktion in Großbritannien und Deutschland ruht derzeit für drei Wochen.

In Frankreich gab es in der vergangenen Woche einen viertägigen Produktionsstopp. Mittlerweile seien in Toulouse die Aktivitäten auf den Endfertigungslinien zwar wieder aufgenommen worden, jedoch bei den Großraumflugzeugen A330 und A350 nur sehr eingeschränkt, zitiert "Reuters" eine Gewerkschaftskoordinatorin vor Ort.

Bis zur Hälfte der Lieferketten nicht funktionsfähig

Probleme gibt es vor allem in den Lieferketten. Brancheninsider sprechen von akutem Teilemangel bei vielen Unternehmen. Besonders stark betroffen sind laut der Nachrichtenagentur die so genannten Tier-2- oder Tier-3-Zulieferer, die als Subunternehmer für größere Unternehmen tätig sind, die ihre Produkte direkt an Airbus oder den US-Konkurrenten Boeing verkaufen. Bis zur Hälfte der Lieferkette sei zwischenzeitlich ausgefallen. Der Triebwerkhersteller Safran berichtet, er habe noch teile "für zwei bis drei Wochen."

Nun befürchtet die Branche, dass sich bewährte Lieferketten immer schwerer wieder in Gang bringen lassen, je länger die Corona-Restriktionen in Europa in Kraft bleiben. Das Portal "Der Mobilitätsmanager" rechnet damit, dass 20 Prozent der rund 2000 Airbus-Zulieferer in die Insolvenz früher oder später in die Insolvenz rutschen könnten, sollte der Corona-Shutdown noch acht Wochen andauern. Denn neben den akuten finanziellen Ausfällen der betroffenen Unternehmen durch die unterbrochene Produktion, erwarten viele in Zukunft auch eine nachhaltige Verlangsamung der Flugzeugauslieferungen durch die großen Hersteller.

© Airbus, Video-Screenshot: airliners.de Lesen Sie auch: Für die A330 Neo kommt der Coronavirus zur Unzeit

Der internationale Airline-Verband Iata geht derzeit von Umsatzeinbußen von 44 Prozent gegenüber 2019 für die Fluggesellschaften aus und spricht von einer "existenziellen Krise". Die Bereitschaft in diesem Jahr noch neue Flugzeuge abzunehmen, sinkt vielerorts kontinuierlich. Auch Lufthansa hat bereits angekündigt, Auslieferungszeiträume zu strecken und über Stornierungen nachzudenken.

Aber selbst wenn eine Airline derzeit ein neues Flugzeug abnehmen will, tun sich plötzlich ungewohnte logistische Hürden auf. Die Anreise und Unterbringung einer nicht-europäischen Airline-Delegation oder auch nur einiger Piloten ist beispielsweise derzeit kaum zu organisieren.

Von: dk

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