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Zwei Passagiere sitzen zwischen Motivwänden am Frankfurter Flughafen. © dpa / Frank Rumpenhorst

Das schwedische Phänomen des "flygskam" kommt nach Deutschland. Flugscham ist die Scham davor zu fliegen. Denn der Luftverkehr, der Urlauber an die faszinierendsten Orte der Welt bringt, schadet mit seinen Emissionen dem Klima auf der Erde. In sozialen Netzwerken tauschen sich Menschen aus, die aus Klimagründen aufs Fliegen verzichten wollen - und erproben Alternativen.

"Die Menschen sind umweltbewusst, trotzdem verzichtet kaum jemand auf das Fliegen", erklärt Michael Kopatz vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. "Wenn alle um mich herum in den Urlaub fliegen, will ich das auch." Das Klimaproblem bekomme man moralisch nicht in den Griff: "Niemand verändert sein Verhalten freiwillig - besonders, wenn man für 29 Euro nach Mallorca fliegen kann."

Luftverkehr und Umwelt

Die Luftfahrt ist je nach Auffassung für rund zwei bis fünf Prozent der weltweit von Menschen verursachten Klimagas-Emissionen verantwortlich. Obwohl der Anteil des Luftverkehrs also gemessen am gesamten Schadstoffeintrag in die Atmosphäre relativ gering ausfällt, steht Klimaschutz auf der Luftfahrt-Agenda weit oben. Die Branche ist die erste, für die mit Corsia ein globales Klimaschutzabkommen gilt. Es wird die Fluggesellschaften bis zu 24 Milliarden Dollar kosten.

Kopatz plädiert dafür, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen. Der Forscher fordert zum Beispiel, dass Flughäfen nicht weiter ausgebaut und Starts und Landungen begrenzt werden. Seine Maxime: Verhältnisse ändern Verhalten. "Ich will den Leuten das Reisen nicht madig machen, aber wir müssen einen Rahmen setzen." Der Luftverkehr wird subventioniert, es gibt keine Kerosinsteuer in Deutschland. Mehr Klimaschutz könnte das Fliegen letztlich teurer machen.

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Den Flugverkehr zu beschränken oder das Fliegen zu verteuern, ist allerdings eine unbequeme Forderung. Wäre es nicht besser, wenn alle weniger fliegen? "Ein klares Jein", sagt der Leiter der ITB, David Ruetz. Denn das Reisen in ferne Länder hat ja auch viele positive Effekte. Für den Urlauber, der andere Kulturen kennenlernt und seinen Horizont erweitert. Und für die Menschen vor Ort, weil Tourismus Investitionen und Devisen ins Land bringt.

Umweltverbände fordern Verzicht

Trotzdem sind viele Klimaschützer der Meinung, dass der Planet ohne echten Verzicht nicht zu retten ist. "Flugreisen sind die klimaschädlichste Art sich fortzubewegen", urteilt Laura Jäger von der Arbeitsstelle Tourism Watch bei Brot für die Welt. "Wenn das Taxi zum Flughafen mehr kostet als das Flugticket, ist das bedenklich."

Zu Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch begrüßen Umweltverbände die Idee, in den Wochen bis Ostern bewusst auf Flugreisen und anderes klimaschädliches Verhalten zu verzichten. Es sei gut, sich die Umweltfolgen seines Handelns klar zu machen und Konsequenzen zu ziehen, sagte der Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Wenn Klimafasten dafür ein Anfang ist, dann begrüßt Greenpeace das ausdrücklich." Doch helfe es dem Klima natürlich nicht, den USA-Flug nur auf die Zeit nach Ostern zu verschieben.

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, sagte der dpa, Fasten für den Klimaschutz könne sinnvoll sein, wenn es denn dauerhafte Verhaltensänderungen anstoße. "Fliegen ist die mit Abstand klimaschädlichste Art zu reisen. Es ist deshalb sehr sinnvoll einzuüben, die Notwendigkeit von Flugreisen zu hinterfragen."

Die Realität des Massentourismus sieht freilich meist anders aus. Dabei haben viele Urlauber gute Absichten: Laut einer aktuellen Umfrage des Portals Travelzoo wäre fast die Hälfte der Menschen in Deutschland (46 Prozent) dazu bereit, für den Umweltschutz auf das Fliegen zu verzichten. Und sogar 70 Prozent wären bereit, kurze Flugreisen für sich zu streichen. Doch was Menschen in Umfragen behaupten und was sie letztlich tun, sind zwei verschiedene Dinge. Nur ein Bruchteil aller Flugreisen wird überhaupt kompensiert.

Der Weg in den Urlaub: Anteil der Flugreisen ist weiter gestiegen

Das Flugzeug hat als Verkehrsmittel für den Weg in den Urlaub weiter an Bedeutung gewonnen. Der Anteil der Flugreisen an allen Urlaubsreisen habe im Jahr 2018 bei 41 Prozent gelegen, 2010 waren es noch 37 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR), die am Mittwoch auf der Reisemesse ITB in Berlin (noch bis 10. März) vorgestellt worden ist. Berücksichtigt wurden Urlaubsreisen ab fünf Tagen Dauer.

Das beliebteste Transportmittel für den Weg in den Urlaub war 2018 allerdings weiterhin das Auto mit einem Anteil von 45 Prozent. Der Wert ist im Lauf der Jahre gesunken: 2010 waren es noch 48 Prozent. Der Anteil der Bahn blieb unverändert bei 5 Prozent. Der Bus mit 6 Prozent in 2018 verlor zwei Prozentpunkte im Vergleich zu 2010.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Flugzeug vor allem bei Auslandsreisen genutzt wird - hier lag der Anteil mit 56 Prozent deutlich über dem Autourlaub-Anteil, der 34 Prozent erreichte. Ebenfalls auffällig: Die Bahn wurde nur für 2 Prozent aller Auslandsreisen genutzt, bei den Zielen innerhalb Deutschlands erreicht der Wert dagegen 14 Prozent.

2018 haben der Studie zufolge 55 Millionen Bundesbürger mindestens eine Urlaubsreise unternommen - fast 1 Million mehr als im Jahr davor und so viele wie noch nie. Die Reisenden gaben laut der FUR dabei gut 71 Milliarden Euro aus. Berücksichtigt wurden Reisen von mindestens fünf Tagen Dauer. Für Kurztrips von zwei bis vier Tagen Dauer gaben die Reisenden zusätzlich insgesamt mehr als 23 Milliarden Euro aus.

Germanwatch-Geschäftsführer Bals sagte, auch in anderen Bereichen des täglichen Lebens könne jeder Einzelne umsteuern. "Wer zum Beispiel sechs Wochen lang mit Bus, Bahn oder Fahrrad zur Arbeit fährt statt mit dem Auto, entdeckt vielleicht, dass es preiswerter, gesünder und stressfreier ist - und steigt dauerhaft um. Oder wer gezielt einige Zeit auf Fleisch verzichtet, entdeckt vielleicht tolle vegetarische oder vegane Gerichte."

Bals sagte, vor allem sei beim Klimaschutz aber die Politik gefragt, denn strukturelle Probleme ließen sich nicht allein durch persönliches Umsteuern lösen. Erstens gehe es darum, bezahlbare Alternativen zum Flugverkehr auszubauen.

"Ein Beispiel: Es war genau das Falsche, die Nachtzugverbindungen der deutschen und französischen Bahn einzustellen - und damit eine Alternative ab- statt auszubauen. Das müsste schnell korrigiert werden."

Zweitens müssten unfaire Bevorzugungen des Luftverkehrs ein Ende haben. "Hier geht es darum, die vielfältigen Subventionen für den Flugverkehr und für Flughäfen abzubauen und endlich nicht nur Benzin und Bahn, sondern auch das Kerosin für Flugzeuge gemeinsam mit EU-Nachbarstaaten zu besteuern."

OMV Aktiengesellschaft, Lesen Sie auch: Icao-Staaten legen Klimaschutzabkommen für die Luftfahrt auf

Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC um etwa ein Grad erwärmt, Deutschland sogar noch etwas mehr. Geht es weiter wie bisher, ist Ende dieses Jahrhunderts die Welt wohl um die drei Grad wärmer. Um den Trend zu stoppen, muss der Ausstoß von Treibhausgasen etwa aus der Verbrennung von Kohle und Öl oder auch der Tierhaltung stark reduziert werden.

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