Die Luftfahrtbranche arbeitet daran, den Luftverkehr der Zukunft umweltschonender zu gestalten. Im Kurzstreckensegment kann das zeitnah gelingen. Bis es soweit ist, zählt das Flugzeug aber noch zu den klimaschädlichsten Verkehrsmitteln. Bahnfahren wird im Gegensatz dazu oft als "klimaneutrale Alternative" dargestellt. Dass dem nicht so ist, zeigt die Serie "Umweltmythos Bahn" auf. Ein Blick auf die Umweltbilanz des neuen Star-Alliance-Intermodalpartners Deutsche Bahn.
Ganzheitliche Betrachtung
Es ist eine Binsenweisheit, die schon Tausende Male bemüht wurde: Eine vier Kilometer lange Startbahn reicht im Wesentlichen als Infrastruktur aus, um Menschen in die ganze Welt zu befördern. Vier Kilometer Schienen führen dagegen nicht weit... Zusammen mit dem Fakt, dass Beton und Stahl zu den größten Klimakillern überhaupt gehören, ist das eine wichtige Erkenntnis, die bei der Betrachtung der Klimawirkungen aus dem Bahnsystem selten betrachtet wird.
Eine Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Universität St. Gallen zeigt nun, wie umweltschädlich Zugfahren unter Berücksichtigung weiterer Parameter neben dem Strom- und Dieselverbrauch tatsächlich ist.
Die bereits im April 2021 veröffentlichte Studie untersucht dazu die klimarelevanten Auswirkungen verschiedener Verkehrsmittel eigenen Angaben nach erstmals ganzheitlich.
Wenn es um die Bewertung der Umweltverträglichkeit eines Verkehrssystems geht, dürfe man nicht nur die Antriebsenergie betrachten und vergleichen, fasst Hauptautor Dr. Klaus Radermacher von der KRBE GmbH seine Motivation zur Studie im Gespräch mit airliners.de zusammen.
Die Forscher berücksichtigten daher neben den Antriebsemissionen unter anderem auch die Emissionen, die beim Bau, dem Betrieb und der Instandhaltung der jeweils notwendigen Wege-, Knotenpunkt- und Steuerungsinfrastruktur entstehen.
"Die Tatsache, dass zur Erbringung einer Verkehrsleistung jedweder Art immer auch Infrastrukturen notwendig sind, wurde bislang weitgehend ignoriert", so der Wissenschaftler, der eine Methodik für die "ganzheitliche ökologische Bilanzierung von Verkehrssystemen" entwickelt und mit seiner Arbeit bereits in Ländern wie Schweden oder Österreich viel Beachtung gefunden hat.
Eine ganzheitliche Betrachtung inklusive aller notwendigen Infrastrukturkomponenten sei aber zwingend erforderlich, um eine wirklich klimaschonende Mobilität in der Zukunft zu realisieren, so Radermacher. In Deutschland sei das in der Öffentlichkeit bislang noch nicht wirklich angekommen.
Qualitative Aussagen zur ökologischen Einordnung der Komponenten verschiedener Verkehrssysteme. © Universität St. Gallen
Eine Million Tonnen CO2 für die Strecke Köln - Frankfurt
Ein Hauptaugenmerk der Untersuchungen, die unter dem Titel "Ganzheitliche ökologische Bilanzierung von Verkehrssystemen" erschienen ist, liegt auf den Materialien, die in den Bau der Infrastruktur der betrachteten Verkehrsträger fließen.
Im Luftverkehr sind das im Wesentlichen die Flughäfen und die Anlagen für die Flugsicherung – bei der Bahn die Bahnhöfe, Stellanlagen und das gesamte Schienennetz.
Die angenommene Umweltfreundlichkeit der Eisenbahn relativiert sich dabei sehr schnell. Vor allem der Bau und die Instandhaltung der Schieneninfrastruktur erzeugen der Studie zufolge extreme Mengen an Klimagasen, die sich auf Jahrzehnte hinaus negativ auf die Gesamtbilanz auswirken und bei traditionellen Verkehrsmittelvergleichen meist übersehen würden.
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