Umweltbundesamt stellt Strategie für Umbau des Luftverkehrs vor

Ein Konzept des Umweltbundesamtes fragt "Wohin geht die Reise?" für den Luftverkehr. Die Vorstellung einiger Klima-Aktivisten, man könne den Luftverkehr zuerst schrumpfen und dann einstellen, teilen die Autoren dabei nicht.

Airbus A380 © AirTeamImages.com / Roman Becker

Im Rahmen des Forums "Luftverkehr der Zukunft" hat das Umweltbundesamt eine Strategie für einen "umwelt- und klimaschonenden, treibhausgasneutralen und lärmarmen" zukünftigen Luftverkehr in Deutschland vorgestellt.

"Geflogen wird auch in Zukunft." Mit dieser Feststellung begann Martin Schmied vom Umweltbundesamt die Vorstellung der Zukunftspläne für den Luftverkehr. Es gelte daher, gerade aus ökologischer Sicht, ambitionierte, aber auch realistische Ziele und Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Luftverkehr in die Debatte einzubringen.

Unter dem Titel "Wohin geht die Reise?" habe das UBA daher acht "Bausteine" für eine nachhaltige Luftverkehrsstrategie erarbeitet, so Schmied und Mitautor Dr. Jürgen Landgrebe. Als ersten und wichtigsten Baustein bezeichnen die beiden Umweltexperten dabei die nachhaltige Gestaltung der (Luftverkehrs-)Infrastruktur in Deutschland. Neben der Anbindung der Flughäfen an die Schiene, müsse vor allem der Bund die Bedarfsplanung und Entwicklung der Infrastruktur viel stärker in die Hand nehmen. Dies gelte auch für eine zweckorientierte Reduzierung der Flughafenstandorte.

UBA: Luftverkehrssteuer sofort verdoppeln

Neben bekannten Forderungen wie der Verlagerung von Kurzstreckenflügen auf die Schiene, dem umfassenden Ausbau des europäischen Schienennetzes bis 2050, Lärmreduzierung und Abbau von Steuervorteilen schlägt das UBA auch einige konkrete Sofortmaßnahmen vor, bei denen Streit vorprogrammiert ist. So sollte die Luftverkehrsteuer nach den Vorstellungen des UBA kurzfristig mindestens verdoppelt und bis 2030 so weit erhöht werden, dass die Steuerausfälle durch die Mehrwertsteuerbefreiung grenzüberschreitender Flüge ausgeglichen werden.

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Die CO2-Bepreisung des Luftverkehrs sollte, so das Konzept, im europäischen Emissionshandel verankert sein. Allerdings sollten die Anforderungen bis 2030 verschärft werden, indem die Emissionsmengen entsprechend den Klimaschutzzielen reduziert und die freie Zuteilung von Emissionsberechtigungen an Fluggesellschaften aufgehoben werden. Weitere Klimaeffekte des Luftverkehrs, die durch Nicht-CO2-Emissionen in Reiseflughöhe entstehen, seien ebenfalls in das Handelssystem einzubeziehen.

Auch UBA setzt auf PTL

Die direkten CO2-Emissionen der Flugzeuge könnten laut UBA mit dem Kerosinersatz Power-to-Liquid (PTL), das aus erneuerbaren Strom und CO2 hergestellt wird, auf Null reduziert werden. Damit diese E-Fuels schnell in den Markt kommen, schlägt die Behörde eine staatliche Förderung für die Entwicklung und Erprobung von Anlagen im In- und Ausland vor. Zudem solle eine Beimischquote von nachhaltigem PTL in Europa dafür sorgen, dass die Kraftstoffe schneller in den Markt kommen. Um dies zu finanzieren, müsse ein "Innovations- und Demonstrationsfond Luftverkehr" aufgelegt werden.

Das UBA-Konzept sehen die Verantwortlichen als Diskussionsgrundlage für alle Beteiligten. Für Jürgen Landgrebe ist dabei klar, dass die anstehenden Veränderungen keine Harmonie-Veranstaltung werden: "Wenn wir sowohl von Umweltschützern, denen unsere Vorschläge nicht weit genug gehen, kritisiert werden, als auch von der Luftfahrtbranche, die die Vorschläge für zu ambitioniert hält, liegen wir vielleicht gar nicht schlecht."

Die lesenswerte, weil gleichermaßen anschauliche wie auch ganzheitliche Zusammenfassung des UBA-Konzepts kann hier heruntergeladen werden.

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Von: dk

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