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Flugbegleiterinnen von Eurowings und Germanwings streiken. © dpa / Oliver Berg

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hat über Silvester zu dreitägigen Streiks bei der Lufthansa-Tochter Germanwings aufgerufen. Gestreikt werden soll drei Tage lang von Montag 00.00 Uhr bis Mittwoch 24.00 Uhr, wie Ufo-Sprecher Daniel Flohr per Video-Botschaft mitteilte. Zunächst beziehe sich der Streikaufruf nur auf Germanwings.

Zur Begründung für den auf die relativ kleine Germanwings begrenzten Streik gab Flohr an, dass die Situation bei Germanwings besonders schwierig sei. Das Management gebe dem fliegenden Personal keine klare Perspektive für die Zukunft des Flugbetriebes. Diese Perspektivlosigkeit zeige sich auch am Verhandlungstisch.

Flohr warf Lufthansa erneut vor, eine Verhandlungslösung zu verschleppen und zu sabotieren. Es sei nicht erkennbar, dass Lufthansa längst zugesagte Tarif-Themen umsetze oder die Absprachen aus dem Herbst ernst nehme. Als Beispiel für eine von Ufo als destruktiv empfundene Haltung der Lufthansa nannte Flohr die Ablösung von Personalvorstand Bettina Volkens.

Musste Volkens gehen, weil sie ein neues Verhältnis zur Ufo wollte?

"Frau Volkens wollte eine Neuausrichtung der Sozialpartnerschaft, wie das ausging ist bekannt: Sie wird zum 1.1.2020 ersetzt und die Vereinbarungen mit ihr wurden widerrufen. Aber auch die beiden designierten Schlichter Franz-Jürgen Weise und Mathias Platzeck haben noch über die Feiertage versucht, mit verschiedenen Vorschlägen eine Lösung zwischen den Tarifparteien herbeizuführen. Nichts davon hat Lufthansa aufgenommen, die Gespräche sind gar nicht erst zustande gekommen," so Flohr.

Er bekräftigte zudem, dass sich die Ufo ihrer Verantwortung bewusst sei. Die Streikankündigung erfolge daher früh genug, um Passagiere von Germanwings umzubuchen. "Wir nehmen gerade zu dieser Jahreszeit das Ultima Ratio-Prinzip sehr ernst. Unser Ziel ist weiterhin einzig und alleine, die Vereinbarung von glaubwürdigen und rechtssicheren Tariflösungen für unsere Kollegen. Wenn uns das gelingt ist die Streikgefahr insgesamt ausgeschlossen."

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Schlichtungsversuch zwischen Ufo und Lufthansa gescheitert

Gleichzeitig drohte der Ufo-Sprecher mit weiteren Streiks, sollte Lufthansa ihr Verhalten nicht ändern. Weitere Falschmeldungen, unbegründete Klagen und einstweilige Verfügungen von Seiten Lufthansa würden den Konflikt nur weiter verschärfen und könnten kurzfristig zu sehr viel größeren Streiks führen.

Nach den Streiks in der Lufthansa-Kabine im Herbst besteht für die Ufo eigentlich eine Friedenspflicht. Dieses Streikverbot erstreckt sich allerdings nur auf einen kleinen Teil der Ufo-Forderungen bei der Kerngesellschaft Lufthansa, die so genannte "kleine Schlichtung". Konkret sind das neben einer Lohnsteigerung um 2 Prozent noch höhere Spesen und Zulagen sowie eine Regelung für Saisonkräfte, damit diese einfacher in reguläre Angestelltenverhältnisse wechseln können. Die Gewerkschaft könnte bei vier weiteren Flugbetrieben des Konzerns zum Streik aufrufen oder für neue Tarifforderungen auch bei der Lufthansa-Kerngesellschaft.

Lufthansa will weiter große Schlichtung

Ein Lufthansa-Sprecher hatte am Donnerstag erklärt: "Wir als Lufthansa schauen konstruktiv nach vorne." Er fügte hinzu: "Wir sind weiter an einer großen Schlichtung interessiert. Streiks sind aus unserer Sicht keine Lösung." Die Lufthansa schaue nun auf die vorgeschlagenen Schlichtungstermine im Januar, ergänzte der Sprecher.

In dem Konflikt hat es bereits einen Warnstreik bei vier Lufthansa-Töchtern sowie einen zweitägigen Streik bei der Kerngesellschaft Lufthansa gegeben. Hier waren im November rund 1500 Flüge mit rund 200 000 betroffenen Passagieren ausgefallen.

Beide Seiten betonen immer wieder, eine möglichst umfassende Einigung mit einer Vielzahl tariflicher Themen anzustreben. Auf Grundzüge hatte man sich bereits im November bilateral geeinigt, war dann aber im gegenseitigen Misstrauen doch nicht zueinander gekommen. Daraufhin wurde die Ablösung von Arbeitsdirektorin Volkens bei Lufthansa bekanntgegeben. Die Gewerkschaft verlangt unter anderem eine Rücknahme von Kündigungen und Klagen gegen frühere und aktuelle Vorstandsmitglieder sowie eine Aufarbeitung des heftigen Konflikts der vergangenen Monate.

Kann ein Mediator helfen?

Zur Lösung des Konflikts hat der Tarifexperte des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Hagen Lesch, den Einsatz eines Mediators vorgeschlagen. "Hier scheint offensichtlich viel Vertrauen auf beiden Seiten verloren gegangen zu sein", sagte Lesch der Düsseldorfer "Rheinischen Post". "Zunächst muss ein Mediator erst einmal mit den Parteien ausloten, ob sie überhaupt ernsthaft miteinander verhandeln wollen", sagte Lesch. Die Gewerkschaft brauche offenbar mehr Gewissheit, dass die Lufthansa sie als Verhandlungspartner ernst nehme. Erst dann könne die eigentliche Schlichtung beginnen.

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