Ufo-Streik führt zu zahlreichen Flugausfällen bei Lufthansa

Bei der Lufthansa streiken die Flugbegleiter. In Folge des Ufo-Ausstands kommt es am Donnerstag und Freitag zu zahlreichen Flugausfällen. Die Ufo will am Wochenende auf das Schlichtungsangebot der Lufthansa eingehen.

Gestapelte Streikwesten der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo © dpa / Frank Rumpenhorst

Bei der Lufthansa hat in der Nacht zu Donnerstag ein 48-stündiger Streik der Flugbegleiter begonnen. Der Ausstand begann nach Angaben eines Sprechers der Flugbegleitergewerkschaft Ufo wie geplant um Mitternacht.

Zehntausende Kunden der Lufthansa müssen bis Freitagnacht Flugausfälle und Verspätungen hinnehmen. Wegen des Streiks fallen an beiden Tagen laut Lufthansa voraussichtlich 1300 Flüge aus, 180.000 Passagiere sind betroffen. Der Streik soll bis Freitag um 24:00 Uhr andauern.

Der Konzern strich für Donnerstag bei seiner Hauptmarke Lufthansa rund 700 der weltweit 1100 geplanten Flüge, so dass an den Drehkreuzen München und Frankfurt viele Maschinen am Boden bleiben und auch ein Großteil der Überseeflüge ausfallen müssen. An Flughäfen im In- und Ausland wurden Verbindungen nach Frankfurt und München abgesagt.

Verdi kritisierte die umfangreichen Flugabsagen der Lufthansa bei einer vorhersehbar geringen Streikbeteiligung. Nach ihrer Zählung hätten nur rund 150 Flugbegleiter an dem Streik teilgenommen. Spohr sprach von 240 Flugbegleitern. Verdi äußerte den Verdacht, dass der "nach Presseberichten augenscheinlich unter schweren Korruptionsverdacht geratene Verein UFO e.V." wieder salonfähig gemacht werden solle. Es brauche ein neues, klares Tarifwerk.

Nach einer monatelangen Gesprächspause erklärte Vorstandschef Carsten Spohr am Donnerstag ausdrücklich, dass man nun auch wieder das Gespräch mit der Kabinengewerkschaft Ufo suche. Ziel sei es, die von Ufo angebotene Schlichtung zu vereinbaren. Bislang hatte der Konzern Gespräche mit dem Argument abgelehnt, dass der Ufo-Vorstand nicht vertretungsberechtigt sei.

Spohr erklärte am Donnerstag, Gespräche mit der Gewerkschaft aufnehmen zu wollen, "mit dem Ziel, im Interesse unserer Kunden und Mitarbeiter die gestern von der UFO angebotene Schlichtung zu vereinbaren". Nach einem "konstruktiven und erfolgreichen Spitzengespräch" mit den Konkurrenzgewerkschaften Verdi sowie der IGL Neugründung Cabin Union (CU) sehe man sich nun in der Lage, auch wieder mit der Ufo zu sprechen.

Die Kabinengewerkschaft Ufo zeigt sich am Donnerstagmorgen bereit, mit der Lufthansa in Gespräche über eine Schlichtung des laufenden Tarifkonflikts einzutreten. Man werde die von Arbeitsdirektorin Bettina Volkens angeregten Gespräche über das Wochenende wahrnehmen, sagte ein Ufo-Vertreter. Der laufende Streik bei der Lufthansa solle unverändert auch am Freitag stattfinden. Ufo werde aber von einer Ausweitung auf andere Flugbetriebe des Konzerns absehen.

Ufo will nicht mit anderen Gewerkschaften verhandeln

Die Flugbegleitergewerkschaft rief ihre Mitglieder für Donnerstag zu einer Kundgebung am Flughafen München auf, für Freitag am Flughafen Frankfurt am Main. Ufo hatte zum Warnstreik aufgerufen, um die Lufthansa an den Verhandlungstisch zurückzubringen.

Ein Gespräch auf Einladung von Lufthansa mit den anderen im Konzern aktiven Gewerkschaften hatte die Ufo zuvor ausgeschlagen. Unter anderem habe sich das Unternehmen in die Frage einmischen wollen, wer von Seiten der Ufo an dem Gespräch teilnehmen sollte. Der Vize-Vorsitzende Daniel Flohr sagte: "Wir brauchen konkrete Verhandlungen, die auf Augenhöhe geführt werden und schnell zu einem Abschluss gebracht werden können."

Ufo-Sprecher Nicoley Baublies sagte der Deutschen Presse-Agentur am Morgen, kurz nach der aufgehobenen Nachtruhe sei es "immer noch relativ ruhig" in Frankfurt und München. "Die ersten Kollegen, die jetzt zur Arbeit hätten kommen müssen, sind nicht erschienen. Die ersten Kollegen, die aus dem Ausland gekommen sind, haben sich schon den Streikaktivitäten angeschlossen."

Derweil hat die Gewerkschaft bereits eine Ausweitung des Arbeitskampfes auf bis zu vier weitere Flugbetriebe mit deutschem Tarifrecht angekündigt. Davon könnten vor allem Eurowings-Flüge betroffen sein. Einzelheiten will Ufo am Donnerstag nennen.

Lufthansa lehnt bestehenden Ufo-Vorstand ab

In der ersten Frankfurter Gerichtsverhandlung hatte Lufthansa der Gewerkschaft noch sofortige Vorverhandlungen zu tariflichen Themen angeboten, die aber erst mit dem neu zu wählenden Ufo-Vorstand ab dem 15. Februar 2020 endgültig festgelegt werden könnten. Den jetzigen Vorstand lehne man weiterhin als nicht vertretungsberechtigt ab, sagte Lufthansa-Anwalt Thomas Ubber. Als letzte Möglichkeit zur Verhinderung des Streiks könnte Lufthansa auch eine Schlichtung verlangen, was aber letztlich auf eine Anerkennung des Ufo-Vorstands hinausliefe.

Ufo fordert für die rund 21.000 Lufthansa-Flugbegleiter höhere Spesen und Zulagen sowie den besseren Zugang für Saisonkräfte in reguläre Anstellungsverhältnisse. Für die vier anderen Flugbetriebe wurden jeweils separate Forderungen aufgestellt und Urabstimmungen abgehalten.

In dem gesamten Konflikt geht es aber hauptsächlich um die vom Konzern aufgeworfene Frage, ob Ufo überhaupt noch Tarifverträge für das Kabinenpersonal durchsetzen kann. Daher verhandelt Lufthansa nun parallel mit der Verdi. Auch die Luftfahrt-Dachgewerkschaft IGL hat Ambitionen, den Platz der Ufo als wichtigste Gewerkschaft für Kabinenpersonal in Deutschland einzunehmen und treibt ihre neugegründete "CU" für die Kabinenvertretung schnell voran.

In einem ersten Warnstreik bei den vier Tochter-Flugbetrieben hatte Ufo am 20. Oktober dieses Jahres mehr als 100 Flüge ausfallen lassen. Damals hatte der Lufthansa-Konzern keinen Ersatzflugplan erstellt.

Der letzte reguläre Ufo-Streik bei der Lufthansa-Kerngesellschaft datiert aus dem Jahr 2015 und war mit einer Woche Dauer der längste in der Unternehmensgeschichte.

Von: dpa, AFP

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