Ufo bietet Lufthansa Streikverzicht für Anerkennung als Gewerkschaft an

Als die Ufo Streiks bei Lufthansa während der Sommerferien ankündigte, herrschte teils Fassungslosigkeit in der Branche. Jetzt setzt Ufo dem Kranich ein Ultimatum, das Carsten Spohr sich "gut überlegen" solle.

Ein Plakat der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo. © dpa / Fredrik Von Erichsen

Nächste Runde im Dauer-Zoff zwischen Lufthansa und Ufo: Die Flugbegleiter-Gewerkschaft bietet der Airline an, für vier Wochen auf Streiks zu verzichten. Wie die Gewerkschaft am Mittwoch erklärte, könne die Fluggesellschaft der Friedenspflicht unter der Bedingung zustimmen, "Unklarheiten zur Vertretungsberechtigung im vertraulichen Rahmen zu klären".

"Es liegt nun am Lufthansa-Konzern, Gespräche aufzunehmen und Streiks zu verhindern", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Ufo, Daniel Flohr. "Wir stehen dafür jederzeit zur Verfügung".

Lufthansa hatte zuletzt auf die aus ihrer Sicht unklare Lage bei der Gewerkschaft verwiesen. "Derzeit ist für uns nicht erkennbar, wann und wie Ufo ihrer Rolle als berechenbarer, konstruktiver Tarifpartner wieder gerecht werden kann. Daher finden aktuell keine Gespräche statt", hatte das Unternehmen erklärt.

© dpa, Oliver Berg Lesen Sie auch: Ufo kündigt Streiks bei Lufthansa-Airlines ab Juli an

Die Ufo hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und den mit der gleichen Begründung verkündeten Ausstieg von Eurowings aus Tarifgesprächen als Eskalation gewertet. Die Gewerkschaft sah sich daraufhin nach eigenen Angaben gezwungen, einen möglichen Streik während der Sommerferien vorzubereiten. Dieser ist nun das Druckmittel, mit dem Ufo den Kranich zurück an den Verhandlungstisch bringen will.

Lufthansa gibt sich unbeeindruckt

Sollte Lufthansa bis kommenden Mittwoch (10. Juli) den Vorschlag nicht annehmen, werde man kurz danach die Urabstimmung über Streiks bei den Töchtern Eurowings und Germanwings einleiten, sagte ein Ufo-Sprecher. Wenig später sollten die Ufo-Mitglieder dann auch über Ausstände bei Lufthansa abstimmen. "Das Forderungspaket für Lufthansa steht und muss nur noch durch eine interne Abstimmung."

Ein Lufthansa-Sprecher erwiderte, Streiks könne es derzeit ohnehin nicht geben, da es weder offene Tarifverträge noch Forderungen gebe. "Damit besteht sowieso die Friedenspflicht."

Ufo-Vertreter Flohr sagte darauf: "Wenn wir uns nicht sehr sicher wären, dass wir rechtmäßig streiken könnten, hätten wir die Ankündigungen nicht gemacht." Lufthansa spiele "Russisch Roulette" mit ihren Passagieren. "Statt sich vertraulich und ohne irgendeine Vorfestlegung mit Ufo an einen Tisch zu setzen und die gegensätzlichen Rechtsauffassungen zu prüfen, forciert sie Arbeitskämpfe."

Ufo droht mit "weiterem Chaos-Sommer"

Verträge seien gekündigt, Forderungen würden erstellt. "Wenn es bei dieser Reaktion der Lufthansa bleibt, sind Streiks wohl nicht aufzuhalten", meinte Flohr weiter. Der Konzernchef Carsten Spohr müsse sich gut überlegen, "ob er lieber pokern will, oder einen weiteren Chaos-Sommer vermeiden möchte." Die Gewerkschaft gibt dem Konzern eine Frist von einer Woche, "sich das Ganze noch mal in aller Ruhe zu überlegen".

Über allem schwebt ein seit Monaten währender Konflikt: Ufo hatte Tarifverträge mit der Lufthansa bereits im März gekündigt, das Unternehmen hat diese Kündigungen jedoch nicht anerkannt.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Ufo-Mitglieder wollen vier Vorstände nachbenennen

Von: dk, dpa, afp

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