Ufo und Lufthansa gehen auf Konfrontationskurs

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo plant Streiks bei allen deutschen Lufthansa-Airlines. Der Kranich spricht der Gewerkschaft wiederum weiterhin die Vertretungsberechtigung der Arbeitnehmer ab. Die Zeichen stehen auf Konfrontation.

Ein Plakat der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo. © dpa / Fredrik Von Erichsen

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo hat ihre Forderungen an den Lufthansa-Konzern verkündet. Diese Woche laufen die Mobilisierung der Mitglieder sowie die Streikvorbereitungen. Am kommenden Montag will die Gewerkschaft dann Details zu Zeit, Dauer und Ort der Streiks verkünden.

Die Forderungen der Ufo im Detail

Für das Kabinenpersonal der Lufthansa fordert die Ufo 1,8 Prozent mehr Gehalt von Juli bis Dezember 2019. Der letzte Abschluss sei jetzt drei Jahre her, so die Ufo.

Für Konzernschwester Eurowings fordert die Gewerkschaft die Einführung einer betrieblichen Altersvorsorge mit sechs Prozent Arbeitgeberanteil. 2016 sei diese bereits fertig verhandelt gewesen.

Bei Germanwings soll es nach Willen der Ufo zum Abschluss eines "Tarifvertrag Teilzeit" kommen. Man habe 2016 dafür gestreikt und der Vertrag sei verhandelt, bis heute aber nicht umgesetzt worden, heißt es von Ufo.

Bei der Lufthansa Cityline fordert Ufo zwei Prozent mehr Gehalt von Oktober 2018 bis Ende 2019. Hier sei der letzte Abschluss knappe zwei Jahre her.

Die Mitarbeiter in der Kabine von Sunexpress Deutschland haben nach Ufo-Angaben mit 24.000 Euro pro Jahr füe eine Vollzeitstelle die niedrigsten Einkommen im ganzen Lufthansa-Konzern. Die Gewerkschaft strebt neben der erstmaligen Einführung eines Tarifvertrages daher eine Gehaltserhöhung von fünf Prozent bis Ende 2020 an.

Lufthansa bezeichnet Ufo-Streikaufrufe als rechtswidrig

Man habe den Arbeitgebern die Forderungen übersandt, heißt es von der Gewerkschaft. Streiks könnten mit Erfüllung der Forderungen abgewendet werden. Die Lufthansa erkennt die Ufo allerdings nach wie vor gar nicht als Verhandlungspartner an. Aktuell lässt das Unternehmen vom Hessischen Landesarbeitsgericht in einem sogenannten Statusverfahren überprüfen, ob die Ufo die Eigenschaften einer Gewerkschaft erfüllt. Daher scheint die Erfüllung der Ufo-Forderungen unwahrscheinlich. Es sieht eher nach Konfrontation aus.

Auf airliners.de-Anfrage erklärte eine Sprecherin der Lufthansa zur Situation: "Sowohl die Gewerkschaftseigenschaft als auch die Vertretungsbefugnis der Ufo sind nach wie vor ungeklärt." Diese seien jedoch unabdingbare Voraussetzung für die Wiederaufnahme von Tarifgesprächen.

Vor diesem Hintergrund seien Streikaufrufe der Ufo aus Sicht der Lufthansa rechtswidrig und Verhandlungen weiterhin nicht möglich, so die Sprecherin weiter. Es würden auch keine Verträge abgeschlossen. Das Unternehmen brauche vorher Rechtssicherheit, denn es gehe um tausende Arbeitnehmer und hohe Summen.

Ufo spricht von "Kaltem Krieg" gegen die Kabine

Die Gewerkschaft gibt sich unterdessen unbeeindruckt von der Sicht des Kranichs und schaltet auf Konfrontation: "Ufo vertritt alle Kabinenmitarbeiter des Konzerns", heißt es in einer Erklärung. Die Konzernspitze habe bewiesen, dass sie kein Interesse an einvernehmlichen Lösungen habe. Das Management im Lufthansa-Konzern führe einen "kalten Krieg" gegen die Kabine.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Etappensieg für Ufo gegen die Lufthansa

Dazu passend bereitet die Ufo nun den Arbeitskampf mit der Lufthansa vor. Anfang der Woche hat eine Roadshow über deutsche Flughäfen begonnen. Nach eigenem Bekunden geht es darum, "Mitglieder, Mitarbeiter und Passagiere auf die anstehenden Arbeitskämpfe im Lufthansakonzern vorzubereiten". Bis Samstag, den 12. Oktober sollen Informationsaktionen an den Flughäfen München, Stuttgart, Köln-Bonn, Düsseldorf, Hamburg, Berlin-Tegel und Frankfurt laufen.

Lufthansa bringt Ufo-Zeitplan durcheinander

Unterdessen teilte die Ufo am Mittwochnachmittag mit, der für den Streik verantwortliche Tarifvorstand und stellvertretende Vorsitzende Daniel Flohr sei von seinem Arbeitgeber Lufthansa zu einem Gespräch bei seinem Teamleiter geladen worden. Er solle am Montag, den 14. Oktober, erscheinen, weshalb die Streikankündigung der Ufo um einige Stunden verschoben werde. Als Grund sei eine Reiseregelung für Mitarbeiter angegeben worden.

Flohr erklärte zum Timing: "Eine Einladung zum bereits bekannt gemachten Verkündungszeitpunkt von Streiks ist eine wiederholte offensichtliche Behinderung der Ufo in ihrer Arbeit und nicht zuletzt ein weiterer durchschaubarer Einschüchterungsversuch." Nachdem sein Vorgänger Nicoley Baublies zuletzt fristlos gekündigt worden sei, rücke er nun wohl ins Fadenkreuz des Konzerns, so Flohr weiter.

© dpa, Fotomontage: airliners.de Lesen Sie auch: Das ist der rechtliche Hintergrund des Streits zwischen Lufthansa und Ufo Luftrechtskolumne - (Ufo-Extra)

Zuletzt hatte das Arbeitsgericht Frankfurt in erster Instanz festgestellt, dass Ufo die Tarifverträge bei der Lufthansa-Kerngesellschaft rechtmäßig gekündigt hat. Weitere Prozesse und Gerichtsentscheidungen wolle man nicht abwarten, weil Lufthansa ständig neue Vorwürfe erhebe und so kein "natürliches" Ende der Auseinandersetzungen absehbar sei, erklärte Ufo damals.

Neben der Auseinandersetzung mit dem Lufthansa-Konzern hat die Gewerkschaft auch einen heftigen internen Führungsstreit hinter sich. Bei einer Mitgliederversammlung am 1. November muss sich der verbliebene Rumpfvorstand Abwahlanträgen stellen.

Von: hr

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