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Norwegian-Chef Björn Kjos. © Norwegian
Boeing 737 der Norwegian. © AirTeamImages.com / Aleksi Hamalainen

Um die finanziell angeschlagene Billig-Airline Norwegian scheint ein Übernahmepoker zu entbrennen. Carrier-Chef Björn Kos hat ein zu Wochenbeginn diskutiertes Interesse des Lufthansa-Konzerns bestätigt. "Ich habe oft mit Carsten (Spohr) gesprochen. Er ist ein sehr netter Kerl", zitiert "NRK" Kjos.

Spohr hatte in einem am Montag veröffentlichten Interview hinsichtlich Norwegian gesagt: "Es steht eine weitere Konsolidierungswelle an. Jeder redet in Europa mit jedem. Das heißt, dass wir auch mit Norwegian in Kontakt stehen."

Dass daraus eine Übernahmediskussion entbrannt ist, "überrascht" ihn nicht, so Kjos: "Dies kommt auch als Folge der anhaltenden IAG-Berichterstattung", sagte er der "DN".

Kjos: Der Preis muss stimmen

Schon zweimal wollte die British-Airways-Mutter den norwegischen Low-Cost-Carrier übernehmen. Beide Anläufe scheiterten. Nachdem IAG Interesse bekundet hatten, sagte Kjos, es sei zu früh, darüber nachzudenken, die Fluggesellschaft zu verkaufen,"bevor das Getreide geerntet wurde".

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Kritik

Norwegian-Chef Björn Kjos lehnte gegenüber norwegischen Zeitungen, die Strategie der Regierung, Geld für elektrische Flugzeuge auszugeben, ab. Das Geld sollte lieber an Hilfsorganisationen wie Unicef gehen. Alles andere sei "Verschwendung", sagte er der "NRK" Zu Wochenbeginn gab es den ersten Testflug des von der Regierung finanziell unterstützten Elektroflugzeugs des Unternehmens Avinor. Kjos bekräftigte, dass er an elektronisch betriebene Flugzeuge in der zivilen Luftfahrt glaube, aber "es ist nicht Avinor oder der Verkehrsminister, der damit umgehen sollte, sondern Airbus und Boeing".

Zuletzt machte Kjos klar: "Ich habe zwar nicht vor, zu verkaufen, aber für den richtigen Preis sollte man über alles nachdenken." Noch sei diese Schwelle aber nicht erreicht: "Ich denke, die bisherigen Gebote waren nicht angemessen. Der Aktienkurs spiegelt nicht die zugrunde liegenden Werte des Unternehmens wider."

Analysten vermuten Preistreiberei

Die Aktie machte daraufhin einen ordentlichen Satz nach vorn - von rund 25 Euro auf über 30. Analysten spekulieren daher, dass Kjos dies nur gesagt habe, um die Aktionäre anzuspornen und letztlich doch den Kaufpreis, der sich natürlich auch am Wert der Anteilsscheine orientiert, in die Höhe zu treiben.

Indes kündigte IAG-Chef Willie Walsh an, dass er in keinen Bieterstreit um Norwegian eintreten wolle. Allerdings habe er bislang aber auch nicht vernommen, dass Lufthansa wirklich ein Angebot für den Low-Cost-Carrier abgegeben hat. IAG hält bereits vier Prozent an Norwegian.

Eine Personalie schlägt die Brücke zu Ryanair

Auch wurde spekuliert, dass IAG gemeinsame Sache mit Ryanair bei der Norwegian-Übernahme machen würde. Dies würde laut Beobachtern dahingehend Sinn ergeben, als dass beide Low-Coster über eine Personalie verbunden sind: Ryanair-Verwaltungsratschef David Bonderman ist über seinen Milliarden-Fonds TPG Capital auch an Norwegian beteiligt.

Die Iren dementieren die Berichte, Kjos bestätigt sie. Zudem hatte die "Financial Times" berichtet, dass das Desinteresse des Norwegian-Chefs an einem alleinigen Gebot von IAG so groß ist, dass Kjos jeden Kontaktversuch der Airline-Gruppe abblocke. Laut Vertrauten soll er nicht mal in Betracht ziehen, mit der British-Airways-Mutter zu verhandeln.

Beim Wachstum verhoben

Norwegian ist in finanzieller Schieflage, weil sich der Carrier beim Wachstum verhoben hat. Geradezu zwanghaft wollte Gründer Kos beweisen, dass das Low-Cost-Modell auch auf der Langstrecke funktioniert, berichten Branchenkenner. Doch mit den Verbindungen von Kopenhagen, Oslo und Stockholm nach Las Vegas mussten zuletzt einst so prestigeträchtige Routen wegen zu geringer Nachfrage aufgegeben werden.

Die Probleme liegen auch in Crew-Regelungen begründet: Wegen unter anderem Ruhezeiten ist mehr Personal pro Flugzeug vorzuhalten, was Geld kostet. Darüber hinaus baut Norwegian massiv die Flotte aus.

Milliardenschwerer Flottenausbau

Der "Fuhrpark" der Norweger soll in den kommenden Jahren fast verdoppelt werden. Die Order dafür enthält auch Gerät für interkontinentale Flüge: sieben Jets des Typs Boeing 787 "Dreamliner" und mehrere dutzend A321neoLR. Eine Order, die Milliarden verschlingt.

Quelle: Norwegian, Darstellung: airliners.de

In diesem Jahr soll der Norwegian-Bestand um 21 Jets auf 165 Flugzeuge vergrößert werden. Bis Ende 2020 ist ein Wachstum auf 225 Maschinen vorgesehen. Gleichzeitig soll der Anteil der geleasten Flugzeuge von jetzt über 50 Prozent im selben Zeitraum auf etwas über 30 Prozent gesenkt werden.

Die Belastung schlägt sich auch in den Zahlen nieder. Addiert man die kurz- und langfristigen Finanzschulden des vergangenen Geschäftsjahres und zieht die sofort verfügbaren Barmittel ab, ergibt sich eine Nettoverschuldung von umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das operative Minus vor Steuern (Ebit) lag 2017 bei 207 Millionen Euro.

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