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Überlebenskampf der Luftverkehrsbranche

Die Luftverkehrsbranche steht nicht vor einer Krise, sondern kämpft derzeit um ihr Überleben, meint unser Kolumnist Karl Born. Allerdings sollte die Branche ein paar Dinge verändern, wenn sie wieder starten darf.

Montage: airliners.de © Adobe Stock, Corona Borealis; Privat

Noch vor wenigen Wochen hätte jeder geglaubt, nach "9/11" kann der Luftfahrt nichts Schlimmeres mehr passieren. Obwohl kaum eine Branche so krisenerfahren ist wie die Luftfahrt, geht es jetzt nicht darum eine Krise zu überstehen, sondern es geht darum zu überleben.

Da muss auch ein Kolumnen-Schreiber mal zurückstecken und keine "Ansage" machen, die Fehlleistungen kritisiert. Aber zumindest zwei Punkte hinterlassen ein Fragezeichen.

1. Wir verringern peu a peu die Umsetzung des Schengen-Abkommens. Aber die ganze Zeit über dürfen wie selbstverständlich Flüge aus besonders vom Virus betroffenen Ländern wie beispielsweise China und Iran landen. Wer trägt dafür die Verantwortung?

2. Die Aktion, Urlauber aus den Zielgebieten zurückzuholen, hat Außenminister Maas gut für sich vermarktet. Der Anteil der Krisenstäbe von Airlines und Veranstaltern ging dabei völlig unter. Aber mit der Landung der entsprechenden Flugzeuge schien die Professionalität zu Ende zu sein. Wer dann die Fluggäste wie zu fröhlichen Urlauberzeiten in Flughafenbusse presst, dass die Tür kaum zugeht, hat anscheinend vom Thema "Sozialkontakte zu reduzieren" nichts mitbekommen. Dass die Fluggäste dann ohne weiteren Kontrollen und Hinweise die Flughäfen verlassen dürfen, zeigt leider, dass auch hier einige nicht mitgedacht haben.

Eine andere Frage beschäftigt mich aber viel mehr. Die gewaltigen Wirtschaftspakete, die von der Regierung (Bund und Land) angeschoben werden, sind beeindruckend. Man merkt, dass die Unternehmen gerettet werden sollen. Aber damit danach das Geschäft wieder anlaufen kann, muss auch Nachfrage nach den Leistungen von Fluggesellschaften und Touristen da sein. Das setzt voraus, dass die jetzige Form der Kontaktsperre nicht noch sehr lange aufrecht erhalten werden darf.

Politik muss abgewogene Entscheidungen treffen

Wissenschaftler können immer nur einen Aspekt des Problems beleuchten, auch wenn sie darin sensationell erfolgreich sind (siehe auch Klimadiskussion). Aber bei jedem Problem gibt es auch noch eine zweite oder sogar dritte Seite. Dafür muss die Politik abgewogene Entscheidungen treffen.

Wenn wir wollen, dass es auch ein Leben nach Corona geben soll, zwar weit entfernt von unserem bisherigen Wohlstand aber auch weit über Null, dann muss jetzt ziemlich schnell entschieden werden, inwieweit wir bereit sind dafür gewisse gesundheitliche vertretbare Risiken in Kauf zu nehmen. Die jetzigen Entscheidungen wurden bisher als "alternativlos" angesehen. Aber jetzt melden sich immer mehr Ökonomen zu Wort, dass es Zeit wird nicht über das Gegenteil, aber über erste Variationen nachzudenken.

Luftfahrt muss vieles ändern

Doch wenn die Luftfahrt wieder startet, darf das nicht so sein, wie es gerade endet. Auslastungsquote im Flugzeug, Warteschlangenmanagement im Flughafen (speziell bei der Fluggastkontrolle), Transfer vom Flughafen zum Flugzeug und ähnliches müssen vollkommen neu und anders gedacht werden, als heute, wo noch das letzte an Wirtschaftlichkeit heraus gepresst wird. Der Wiederbeginn des Fliegens wird deshalb zunächst unwirtschaftlich sein, aber Hauptsache wieder beginnen. Auch dafür muss Geld eingeplant werden.

Nicht "wann sehen wir das Licht am Ende des Tunnels" ist die entscheidende Frage, sondern, "wie beginnen wir die Voraussetzungen für dieses Licht am Ende des Tunnels zu schaffen". Das hilft uns allen und damit auch wieder der Luftfahrt.

Liebe Airliner, halten Sie durch. Noch ist das Licht am Ende des Tunnels zwar nicht da. Aber Freiheit heißt nicht nur, die eigene Wohnung zu verlassen. Freiheit war immer und wird immer auch immer mit der Sehnsucht zu reisen verbunden sein.

Über den Autor

In seiner Reihe "Die Born-Ansage" veröffentlicht der ehemalige Condor-Vertriebschef, Tui-Vorstand und Touristik-Honorarprofessor Karl Born auf airliners.de Kolumnen zum aktuellen Geschehen in der Luftverkehrswirtschaft.

Professor Karl BornAls Redner auf Führungskräfte- und Verbandstagungen ist Karl Born in der ganzen Welt unterwegs. Als "Querdenker der Reisebranche" für seine "Bissigen Bemerkungen" ausgezeichnet, nimmt der ehemalige Airline- und Touristikmanager auch in Sachen Luftverkehr kein Blatt vor den Mund. Kontakt

Von: Karl Born für airliners.de Jetzt Gastautor werden

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