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Reisen und Klima: Welchen CO2-Fußabdruck der Urlaub hinterlässt, © dpa-tmn/Christin Klose
Wenn der Flieger spät abends mit viel Verspätung landet, bleibt manchmal keine andere Möglichkeit, als ins nächste Hotel zu gehen. © dpa-tmn / Christin Klose

Der Klimawandel lässt viele Menschen anders aufs Reisen blicken. Und auch wenn der Effekt des CO2-Fußabdrucks, den der Urlaub verursacht, mit Blick auf globale Treibhausgasmengen und damit auf die Erderwärmung verschwindend gering erscheint: Es gibt ihn.

Wer möchte, kann die Menge der auf der Reise ausgestoßenen Treibhausgase, die auf einen selbst entfällt, ausrechnen und kompensieren. So reist man womöglich mit besserem Gewissen.

Das geht seit Kurzem bei der Lufthansa direkt bei der Buchung. Dabei können Kunden sogar zwischen einer günstigen Kompensation und dem direkten Ausgleich über SAF wählen. Direkt nach der Auswahl eines Flugtickets auf der Webseite der Airline können die Kunden dabei zwischen drei Optionen für CO2-neutrales Fliegen auswählen: Nachhaltigen Flugtreibstoff (SAF) kaufen, ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt unterstützen oder eine Kombination aus beidem.

Für einen innerdeutschen Flug zwischen Berlin und Frankfurt in der Economy-Class fallen für 100 Prozent SAF-Zukauf Kosten in Höhe von rund 51 Euro an, die Unterstützung für ein Klimaschutzprojekt über den Partner Myclimate wird mit 1,38 Euro berechnet.

Die Kombination aus 80 Prozent Myclimate und einem 20-prozentigen Zukauf von nachhaltigem Kerosin berechnet Lufthansa mit 11,33 Euro. In Kombination mit einem Ticket in der Business-Class verteuert sich die Abgabe etwas.

Auf der Mittel- und Langstrecke weicht Lufthansa bei den Optionen zum Ausgleich ab. Hier gibt es lediglich die Möglichkeit, SAF anteilig in Kombination mit einem Klimaschutzprojekt zu buchen.

Für 20 Prozent SAF fallen auf einem Oneway-Flug zwischen Frankfurt und Los Angeles beispielsweise rund 105 Euro an, bei einer zudem angebotenen fünfprozentigen SAF-Quote sind es noch 36 Euro und die reine Kompensation über Myclimate wird mit 12,70 Euro berechnet. Kompensiert werden dann damit 634 Kilogramm CO2.

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Kurz zur Einordnung: Im Schnitt sorgt jeder Deutsche pro Jahr für einen Treibhausgasausstoß von rund elf Tonnen CO2-Äquivalenten. Als Industrienation mit hohem Konsumniveau liegt die Bundesrepublik weit über dem Weltdurchschnitt. Klimaverträglich wäre laut Umweltbundesamt ein weltweiter Pro-Kopf-Ausstoß von weniger als einer Tonne.

Es ist also ein weiter Weg. Klimafreundlicher Reisen kann eine Etappe davon sein.

In Deutschland lieber mit Bus als mit der Bahn

So gilt gerade bei innerdeutschen Reisen: Lieber mit dem Fernbus reisen, dann ist der CO2-Fußabdruck der Reise viel geringer als bei der Bahn und im Auto - zumindest wenn man alleine fährt.

Ein Beispiel? Wer von Hamburg nach München und zurück mit Reisebus fährt, spart im Vergleich zum Flug oder zur Autofahrt (allein) mindestens 239 Kilogramm CO2-Äquivalente ein, heißt es bei der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft "co2online".

Fahrgäste des Fernbusanbieters Flixbus., © dpa/Markus Scholz/dpa
Fahrgäste des Fernbusanbieters Flixbus. © dpa / Markus Scholz/dpa

Natürlich hat nämlich auch das Reisen mit der Bahn Auswirkungen auf die Umwelt. Dies gilt laut "co2online" weil auch Züge mit Strom betrieben werden, der aus Erdgas oder Kohle gewonnen wird.

Zwar wirbt die Bahn erfolgreich mit "100 Prozent Ökostrom", rechnet das aber nur auf den Fernverkehr, während der Rest im Umkehrschluss mit "100 Prozent Nicht-Ökostrom" unterwegs ist, was natürlich nicht beworben wird.

Außerdem sind nicht alle Strecken in Deutschland elektrifiziert – und eine Reise mit einem Diesel-Zug ist zwar immer noch besser als Fliegen, sorgt aber auch für klimaschädliche Emissionen und schlechte Luft.

Vergleich der durchschnittlichen Emissionen einzelner Verkehrsmittel in Deutschland, © Umwelt Bundesamt
Vergleich der durchschnittlichen Emissionen einzelner Verkehrsmittel in Deutschland © Umwelt Bundesamt

Laut Umweltbundesamt kommen die echten durchschnittlichen Emissionen bei der Bahn im Jahr 2020 auf einen Pro-Kopf-Ausstoß von 50 Gramm pro Kilometer im Fernverkehr und auf 85 Gramm im Regionalverkehr. Das ist erstaunlich viel und so ist die Bahn vor allem für Gruppenreisen nicht die klimaschonendste Art der Fortbewegung.

Für das Auto werden beim Umweltbundesamt 152 Gramm ausgewiesen, ab vier Personen ist also das Auto die bessere Wahl. Der Fernbus allerdings kommt sogar auf gerade einmal 27 Gramm, er ist die klimafreundlichste Art der motorisierten Fortbewegung in Deutschland.

Das Flugzeug stößt laut Umweltbundesamt 284 Gramm pro Personenkilometer aus, allerdings lohnt ein Blick in das Kleingedruckte: Anders als bei den anderen Verkehrsmitteln sind beim Flugzeug auch die sogenannten Nicht-CO2-Effekte eingerechnet, die beim Fliegen rund zwei Drittel der Klimawirkung ausmachen.

Längere Strecken sind ohne Fliegen indes kaum machbar. Hier setzt etwa das Portal "gruener-fliegen.de" an: Es zeigt auf Basis von mehr als zwei Dutzend Kriterien die vergleichsweise "umweltfreundlichsten" Flüge für die gesuchte Verbindung an. Dabei geht es um Faktoren wie Auslastung und Modernität der Flotte. Das Portal stellt aber klar: Jeder Flug sei umweltschädlich, auch die dort aufgelisteten.

Eine ganze Menge aufs eigene CO2-Konto zahlen Urlauber bei Kreuzfahrten ein. Der CO2-Rechner des Umweltbundesamtes gibt für zehn Tage Seekreuzfahrt pauschal gut eine Tonne an, also etwa ein Zehntel des jährlichen Pro-Kopf-Durchschnittsausstoßes in Deutschland. Eine mögliche Anreise per Flugzeug ist dabei noch nicht eingerechnet.

Der Flughafen Rostock-Laage dient als Drehkreuz für Kreuzfahrt-Touristen., © dpa/Bern Wüstneck
Der Flughafen Rostock-Laage dient als Drehkreuz für Kreuzfahrt-Touristen. © dpa / Bern Wüstneck

Im Detail hängt die Bilanz bei Kreuzfahrten natürlich auch von Faktoren wie der Größe des Schiffes und der Antriebstechnologie ab. Flüssigerdgas (LNG) ist etwas CO2-emissionsärmer als Marinediesel, und Feinstaub sowie Schwefeloxide stoßen LNG-Schiffe so gut wie gar nicht aus.

Klimafreundlich sind LNG-Schiffe durch ihren ebenfalls hohen CO2-Ausstoß allerdings keinesfalls. Zudem gibt es weltweit kaum ein Dutzend solcher Schiffe. Bleibt also auch hier die Erkenntnis: Einfach gar nicht auf Kreuzfahrt gehen oder kompensieren.

Die Auswahl an CO2-Rechnern ist groß

Wer für seine Reise den CO2-Fußabdruck berechnen will, kann den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes nutzen. Hier gewinnt man unter anderem für Flug- und Schiffsreisen einen groben Eindruck über den CO2-Fußabdruck der Reise.

Mit einer Vergleichstabelle der Behörde, die für Auto, Bus, Bahn und Inlandsflug Durchschnittswerte für emittierte Treibhausgase in Gramm pro Personenkilometer angibt, lässt sich der Fußabdruck für eine Reisestrecke auch händisch ausrechnen.

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) bietet online ebenso einen intuitiv bedienbaren CO2-Äquivalenten-Rechner an. Der zeigt neben dem CO2-Fußabdruck auch Routenvorschläge an. Für diese Funktion wird laut dena der Kartendienst Google Maps genutzt.

Eigene CO2-Rechner gibt es darüber hinaus etwa bei Kompensationsanbietern wie Atmosfair, Klima-Kollekte oder Myclimate. Ihr Geschäftsmodell: Man zahlt einen freiwilligen Ausgleich für das durch die Reise produzierte Treibhausgas. Mit dem Geld werden dann Klimaschutzmaßnahmen finanziert.

Reisebüros und Online-Buchungsportale bieten die Möglichkeit so einer Kompensation bei der Buchung oft schon direkt mit an.

Hotels kommen auf 20 Prozent der Klimawirkung einer Reise

Dass die Klimabilanz eines Urlaubs wichtiger wird, hat auch die Reisewirtschaft längst erkannt. Bei Kunden sei eine Tendenz hin zu einem bewussteren Umgang mit dem "Produkt Reise" erkennbar, der sich in den kommenden Jahren deutlich verstärken dürfte, hieß es in einem Papier des Deutschen Reiseverbandes (DRV) aus dem Herbst 2021.

Schon länger einen Fokus auf umweltverträgliches und sozialverantwortliches Reisen legt das Forum Anders Reisen, ein Zusammenschluss von nachhaltigen Veranstaltern.

Was für Auswirkungen hat eine Reise auf die Umwelt? Unter anderem werden sich Urlauber diese Frage immer häufiger stellen. Im Zweifel buchen sie nach Einschätzung des DRV anders, in reduziertem Umfang - oder gar nicht mehr. Eine Maßnahme zum Gegensteuern soll Transparenz sein. So soll schon bei der Buchung über den CO2-Fußabdruck für Anreise und Unterbringung informiert werden.

Übernachten in Hotels ist nicht gut für die Umwelt., © Fraport
Übernachten in Hotels ist nicht gut für die Umwelt. © Fraport

Denn nicht nur die An- und Abreise hat im Urlaub eine Klimawirkung, auch Hotels gibt es nicht ohne Auswirkung auf die Umwelt. Mehr als 20 Prozent der durch den Tourismus verursachten CO2 Emissionen entstammen laut Klimaagenturen dem Segment der Beherbergungsbetriebe.

Umgesetzt hat diese Prämisse zum Beispiel schon der Veranstalter Studiosus. Er gibt in allen Katalogen seit diesem Mai die anfallenden CO2-Emissionen an. Schon seit 2021 kompensiert Studiosus nach eigenen Angaben den Treibhausgas-Ausstoß aller durchgeführten Reisen durch die Investition in den Bau von Biogasanlagen in Nepal.

Auch der Berliner Anbieter Chamäleon Reisen kalkuliert den CO2-Fußabdruck für jede Reise durch, gibt ihn an und kompensiert ihn den Angaben nach, indem eine entsprechende Fläche Regenwald unter Naturschutz gestellt wird.

Standards für Kompensationsprojekte

Regenwaldschutz und Biogasanlagenbau: Diese zwei Beispiele zeigen schon, dass die Art der Kompensation sehr vielfältig sein kann. Im Detail abschätzen, wie nachhaltig und zielführend die Ausgleichsprojekte sind, können Reisende kaum.

Ein erstes gutes Zeichen ist zumindest schon mal, wenn die Klimaschutzprojekte bestimmten Qualitätsstandards entsprechen: Das Umweltbundesamt nennt unter anderem den Clean Development Mechanism (CDM), den Verified Carbon Standard (VCS) und den The Gold Standard. Sie stellen demnach vor allem sicher, dass die Treibhausemissionen tatsächlich in der angestrebten Höhe ausgeglichen werden.

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