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Mehr als drei Viertel der Reisewirtschaft bekommen Staatshilfen

Fast alle Reiseveranstalter und -büros sehen sich in einer existenzbedrohenden Lage. Der DRV dankt der Politik und kritisiert ihre öffentlichen Appelle, setzt auf weitere Hilfen und hofft auf den kommenden Sommer.

Der Reisemarkt am Flughafen Hannover. © Flughafen Hannover

Die große Mehrheit der Unternehmen in der Tourismuswirtschaft stützt sich derzeit auf Überbrückungshilfen. Das geht aus dem "Branchencheck" des Deutschen Reiseverbandes DRV hervor. Demnach hätten bei den Reiseveranstaltern 77 Prozent, im Reisevertrieb sogar 84 Prozent entsprechende staatliche Unterstützungsleistungen beantragt. 42 Prozent der Reiseveranstalter würden zudem KfW-Kredite in Anspruch nehmen.

Steuerstundungen und spezielle Hilfen der Bundesländer seien ebenfalls bereits von den Unternehmen der Reisewirtschaft beantragt worden, führte Verbandspräsident Norbert Fiebig aus. Weitere Hilfen seien überlebensnotwendig. "80 Prozent der Befragten unterstreichen, dass es ohne die Überbrückungshilfen III, die bis zum Juni des kommenden Jahres greifen, nicht gehen wird.“

An der Branchencheck-Umfrage haben nach DRV-Angaben in den vergangenen Wochen rund 200 Reiseveranstalter und 300 Reisebüros teilgenommen. Über 90 Prozent der Befragten bezeichneten die aktuelle Situation als "existenzbedrohend". Über 80 Prozent haben Kurzarbeit beantragt. Rund zwei Drittel der Reisebüros und Reiseveranstalter mussten außerdem bereits Personal entlassen oder müssen es voraussichtlich tun. "Wir müssen aufpassen, dass wir unsere sehr gut ausgebildeten Fachkräfte durch diese Pandemie nicht an andere Branche verlieren“, mahnte der DRV-Präsident.

Kritik an "Zu Hause bleiben"-Appellen aus der Politik

Die Branche sieht die Politik in der Verantwortung, schließlich hätten deren, teils umstrittene, Appellen zum drastischen Buchungsrückgang im Laufe des Jahres geführt. Rund 90 Prozent der Befragten Unternehmen seien der Meinung, dass die Bundesregierung und diverse Politiker mit ihren Aufrufen, auf Reisen zu verzichten und zu Hause zu bleiben, maßgeblich zum Geschäftseinbruch beigetragen haben. Auch die Durchsetzung von Quarantänemaßnahmen werde als fatal betrachtet.

"Der Staat hat geholfen und hilft weiter – immer mit der Zielsetzung die mittelständisch geprägte Struktur der Branche durch die Krise zu retten“, erläuterte Fiebig auf der Jahrestagung des Verbandes. „Aber“, so Fiebig weiter „bei den Überbrückungshilfen III muss nachjustiert werden.“ Insbesondere größere Mittelständler seien hart getroffen und fielen durchs Raster. Auch die Überlegung bei den Hilfen für das 1. Halbjahr 2021 auf entgangene Provisionen und Margen stornierter Reisen zu setzen, sei nicht hilfreich, da für den Beginn des Jahres so gut wie keine Buchungen vorlägen.

"Keiner in der Reisewirtschaft will länger als unbedingt nötig am Tropf des Staates hängen“, stellte Fiebig klar. "Wir wollen die Chance haben, unser Geschäft zeitnah aufzunehmen. Dabei hat Gesundheit natürlich oberste Priorität.“ Hierfür müssten jedoch die Rahmenbedingungen für verlässliches Reisen wiederhergestellt werden. Ergänzend zu einer Impfstrategie brauche es eine kluge Teststrategie, statt Zwangsquarantänen.

Neben finanziellen Hilfen sei die Regierung weiter aufgefordert, die Rahmenbedingungen für verlässliches Reisen zu schaffen. "Zwangsquarantäne ist kein sinnvoller Infektionsschutz. Ergänzend zu einer Impfstrategie brauchen wir eine kluge Teststrategie.“ In Kombination mit umfassenden Hygiene- und Sicherheitskonzepten während der Reise und im Zielgebiet gebe es Sicherheit für Reisende und einen sinnvollen Schutz vor der Verbreitung des Virus.

Trotz der düsteren Lage, versucht Fiebig auch Hoffnung zu verbreiten. "Als Licht am Ende des Tunnels würde ich bezeichnen, dass die Hälfte der Unternehmen damit rechnet, dass das Geschäft im Sommer 2021 wieder anläuft." Zudem hätten die großen Reisebüro-Demos für Rückenwind in der politischen Debatte gesorgt. Er sei auch überzeugt, dass die Wertschätzung für kompetente Beratung und den persönlichen Ansprechpartner vor Ort in der Pandemie gestiegen ist.

Von: dk

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