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Eurowings Discover © Lufthansa

"Man muss es anders machen", sagte der Chef der neugegründeten Eurowings Discover, Wolfgang Raebiger, vor einigen Monaten in Frankfurt zum Start der Lufthansa-Ferienflugtochter. Er lehnte sich dabei an einen Satz von Apple-Gründer Steve Jobs an, der zeigte, wie man Marktmacht erobert.

Die Fluglinie wurde in Konkurrenz mit Condor gegründet. Da letztere eine schlanke Kostenstruktur hat, setzt man auch bei der Lufthansa-Tochter auf möglichst geringe Kosten.

Anders machen heißt hier daher auch: Die Fluggesellschaft hat bislang weder eine Arbeitnehmervertretung, noch gibt es einen Tarifvertrag. Das wollen die Vertretungen von Piloten (VC) und Kabinenmitarbeitern (UFO) nun ändern. Ihr Ziel: Die Eurowings Discover soll einen Betriebsrat erhalten.

Für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hat die schlanke Kostenstruktur direkte Konsequenzen beim Lohn. Doch Anja Bronstert, stellvertretende Vorsitzende der Ufo, sagt im Gespräch mit airliners.de. "Wenn ich höre, was die Kollegen und Kolleginnen so fordern, geht es in erster Linie um Arbeitsbedingungen, erst in zweiter Linie ums Gehalt."

Minimum an Ruhezeiten

Bronstert wird konkreter: "Es geht um das Minimum an Ruhezeiten, freie Tage sind nicht fix, sie werden hin und her verschoben. Die Belegschaft muss Uniformen selber kaufen, sie erhalten eine Grundausstattung, danach müssen sie jede Bluse extra zahlen. Das ist in anderen Betrieben anders."

Eurowings Discover erklärte hierzu: "Die Crew erhält, wie bei anderen Airlines ebenfalls üblich, eine Grundausstattung, die u.a. mehrere Blusen enthält. Natürlich ist es jedem Mitarbeitenden freigestellt, bei darüber hinausgehendem Bedarf an Blusen, diese zum Einkaufspreis zu erwerben."

Um das Gehalt gehe es natürlich auch, heißt es von Gewerkschaftsseite, "aber eher um die genannten Dinge. Auch um die Freizeitgestaltung. Es wird von ihnen erwartet, dass sie an Unternehmenscalls in ihrer Freizeit teilnehmen. So etwas gehört eigentlich alles in die Flugdienstzeit", kritisiert Bronstert. Die Gründung eines Betriebsrates sei daher an der Zeit. Dessen wichtigste Funktion umriss sie so: "Ansprechpartner haben."

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Wolfgang Raebiger © Eurowings Discover

Die Kabinen-Crew setzt sich aus ehemaligen Mitarbeitenden verschiedener Airlines zusammen. "Es gibt einen Mangel an Kabinenpersonal", erklärt Bronstert. "Eurowings Deutschland sucht bereits auf dem offenen Markt. Vorher konnten sich nur Lufthansa-Interne bewerben, nun auch Externe."

Ein bei Eurowings Discover in der Kabine beschäftigtes Mitglied berichtet wie viel bei Eurowings Discover verdient. 2000 Euro brutto bekomme jemand, die Schichtzulage sei da schon mit eingerechnet. Es wird bemängelt, dass dies bei Discover nicht vor Vertragsabschluss mitgeteilt wurde. "Ich dachte, es kommt noch oben drauf." Jetzt erhalte man 1300 Euro netto ohne, 1500 Euro netto wären es mit Schichtzulage. 75 Flugstunden müsse man hierfür arbeiten, die Überstunden seien nicht mit eingerechnet. Hinzu kommen Bodenzeiten, Vorbereitung und Nachbereitungszeiten, so dass am Ende oft 120 Stunden stünden. Wer in der Nähe von Frankfurt eine Ein-Zimmer-Wohnung suche, bekäme nichts unter 700 Euro. "Es ist knapp mit dem Geld."

Das will die Fluggesellschaft so nicht stehen lassen. Eurowings Discover erklärte hierzu: "Die exakte Gehaltszusammensetzung ist transparent in jeder Stellenausschreibung enthalten und öffentlich einsehbar. Darüber hinaus erhält jeder Bewerbende vor Vertragsabschluss eine schriftliche Übersicht zur Gehaltszusammensetzung." Und weiter heißt es: "Die aufgeführte Vergütung betrifft den Zeitraum, in dem entweder gar nicht oder sehr wenig geflogen wurde. Erstmalig ab November erwarten wir bei Eurowings Discover mit Aufnahme weiterer Strecken branchenübliche Dienstpläne. Demnach wird das Gehalt durch weitere Bestandteile wie Spesen, Bordprovision und ggf. Überstunden ergänzt. Überstunden werden selbstverständlich vergütet. Die Möglichkeit, dass Einzelne bereits Dienstpläne mit 120 Stunden aufweisen, ist bei dem bisher übersichtlichen Flugplan der Airline absolut ausgeschlossen.""

Arbeitsintensität steigt

Mit dem Winterflugplan soll die Arbeitsleistung durch mehr Flüge erhöht werden. Dann könne man mit 90 bis 95 Stunden rechnen, die man fliegen müsse. "Erst hieß es ja, wir seien reine Langstrecke", erklärt die Person. Ab November startet jedoch auch die Kurzstrecke. Eurowings Discover war im Juli mit zunächst drei Airbus A330 auf der touristischen Langstrecke gestartet. Drei Mittelstreckenmaschinen vom Typ A320 kommen nun im Winter ab Frankfurt hinzu.

Die Flotte soll bis Mitte nächsten Jahres auf 21 Flugzeuge wachsen. Insgesamt zehn Airbus A320 und elf A330 sollen dann touristischen Ziele für die Lufthansa Group anfliegen. In der Auslastung nach Flugstunden soll es weiter hoch gehen. Was ja auch faktisch nur logisch ist, da immer mehr Ziele und neue Flugzeuge hinzukommen.

Was die beschäftigte Person stört, ist die auch von der Gewerkschaft kritisierte Verpflichtung der Mitarbeiter, auch in ihrer Freizeit zum Beispiel an Online-Briefings teilzunehmen. "Ich gehe davon aus, dass das Unternehmen es notiert, wenn jemand nicht daran teilnimmt." Dabei dürfe die Teilnahme nicht verpflichtend sein, da sie nicht in Dienstplan stehe.

Von Eurowings Discover hieß es jedoch hierzu: "Es gab und gibt bei Eurowings Discover zu keinem Zeitpunkt verpflichtenden Termine, die außerhalb der Dienstzeit stattfinden. Es handelt sich um zusätzliche, freiwillige Austauschformate, deren schriftliche Zusammenfassung im Nachgang an alle per Mail verschickt wird. Ziel ist es, Kabinen-Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, in den direkten Austausch mit der Kabinenleitung gehen zu können und ihre individuellen Fragen zu adressieren."

Das Eurowings-Discover-Mitglied zeigt sich enttäuscht. "Am Anfang habe ich mich sehr wohl gefühlt, dachte, es ist anders als bei den anderen Fluggesellschaften." Die Stimmung, die am Anfang beim Personal noch so euphorisch gewesen sei, wäre seiner Aussage nach generell umgeschlagen.

Crew der Eurowings Discover © Eurowings Discover

Folgt man hingegen der Sicht der Unternehmensseite, sehen die Dinge ganz anders aus. "Gründung und Aufbau der Airline sind in eine herausfordernde Zeit gefallen, Zusammengehörigkeitsgefühl und eine starke Identität waren und sind essentiell, um in so kurzer Zeit erfolgreich ein Unternehmen aufzubauen. Darüber hinaus ist die Zahl der Mitarbeitenden sehr schnell auf heute rund 800 Mitarbeitende gestiegen", sagt eine Sprecherin der Fluggesellschaft auf Anfrage von airliners.de. "Eurowings Discover legt den Fokus klar auf eine identitätsstiftende Unternehmens- und Arbeitskultur."

Die Sprecherin der Fluggesellschaft betont: "Eurowings Discover lebt den Start-up Spirit mit flachen Hierarchien, zahlreichen Formaten für den bereichsübergreifenden Austausch sowie gemeinsamen Räumlichkeiten für Crew und Verwaltung. Das fördert das Verständnis füreinander und den unkomplizierten Austausch über Bereiche hinweg. Selbstverständlich verfügt Eurowings Discover außerdem über alle üblichen (und darüber hinaus) für Flugbetriebe gesetzlich vorgeschriebenen Reporting-Systeme, die Crew Kolleg:innen zu jeder Zeit vollständig anonymisiertes Feedback ermöglichen." Die Kritik des Kabinen-Personals will sie so nicht stehenlassen, aber auch nicht im Einzelnen kommentieren.

Dennoch gibt es auch Hinweise aus der Belegschaft, da die Feedback-Kultur von unten wegen der befristeten Verträge und damit verbundenen Sorge, als Quertreiber angesehen zu werden, hinderlich seien. So gebe es eben nur Feedback-Kultur von oben, heißt es.

Sorge wegen Befristung

Die Sprecherin von Eurowings Discover ordnet die Befristungen entsprechend ein: Eurowings Discover wurde in der größten Krise des Luftverkehrs gegründet. In derart turbulenten Zeiten erstmal "auf Sicht zu fliegen" ist aus Unternehmenssicht richtig und wichtig gewesen. "Jetzt geht es darum, Eurowings Discover für die Zukunft erfolgreich aufzustellen. Die Airline wurde nicht für zwei Jahre gebaut, sondern für die Zukunft und zu dieser gehören vor allem die Mitarbeitenden."

Gewerkschafterin Bronstert sieht indes die Betriebsrat-Gründung auf einem guten Weg. "Wir haben schon viele geeignete Kandidaten und Kandidatinnen gefunden, die sich aufstellen lassen wollen." Sie steht auf dem Standpunkt, dass nur durch eine funktionierende Sozialpartnerschaft ein Betrieb gesund wachsen könne.

Das sieht auch ihr Kollege von der Pilotenvereinigung so. Zunächst wolle man gemeinsam die Kabinen- und Cockpit-Kolleginnen und -Kollegen zu einer Betriebsversammlung einladen, sagt Stefan Herth, der Präsident der Vereinigung Cockpit. Bei rund 800 Beschäftigen der Fluggesellschaft werden 13 Betriebsräte benötigt. Vor allem bei der Verteilung der Flüge und Überstunden sieht sie Handlungsbedarf.

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