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Abfertigung einer Tuifly-Maschine in Stuttgart. © Flughafen Stuttgart / Tom König

Tuifly und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) haben sich auf eine Mediation und neue Verhandlungen im Februar geeinigt. Das geht sowohl aus einem Mitarbeiterbrief von Tuifly-Chef Oliver Lackmann wie aus einem Schreiben der Gewerkschaft an die Piloten hervor, die airliners.de vorliegen.

Lackmann betont in seinem Anschreiben, dass Tuifly die Gespräche angehen wolle, aber das Angebot aus dem Herbst vergangenen Jahres bereits das Maximum des wirtschaftlich machbaren darstelle. Die Rahmenbedingungen hätten sich seitdem sogar weiter verschlechtert. Die Restrukturierung und tiefgehenden Einschnitte für die Mitarbeiter seien "absolut notwendig", um der deutschen Tui-Airline eine Perspektive zu geben.

Dennoch hätte sich das Management mit der VC darauf geeinigt, noch einmal Szenarien zu erörtern, die den Erhalt von zusätzlichen Arbeitsplätzen im Cockpit und damit verbunden auch in der Kabine ermöglichen könnten. Der Termin am 4. Februar werde von einem externen Mediator begleitet. Die VC schrieb den Piloten, dass für die Fortführung eine vermittelnde Instanz notwendig wäre. Man hoffe auf konstruktive Gespräche.

Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben schon das Angebot gemacht, den Sparkurs - bei der Option möglicher Kündigungen - abzufedern. So könnten die Reduktion von 39 auf 17 Maschinen bei etwa 22 begrenzt sowie 250 Jobs in Cockpit und Kabine zusätzlich erhalten werden. Die VC betonte, dass laut den bisherigen Management-Vorstellungen gut die Hälfte der Cockpit-Stellen gefährdet sei - bis zu 270 Pilotinnen und Piloten könnte die Kündigung drohen.

Im Herbst hatten die hausinterne Fluglinie des Tui-Konzerns und die Pilotenvertreter ihre Verhandlungen abgebrochen - ein Hauptgrund war die Forderung des Cockpit-Personals, dass der Arbeitgeber betriebsbedingte Kündigungen fest ausschließen solle. Das von den Piloten angebotene Einsparpotenzial hatte der Gewerkschaft zufolge ein Volumen von 200 Millionen Euro. Das Angebot stelle "erhebliche Zugeständnisse" dar, so die VC. Sie bekräftigte, dass man "im Gegenzug nachhaltigen Kündigungsschutz" einfordern würde.

Kurzarbeit nicht zwingend im Interesse der Airline

Tui hielt dagegen: Nötig seien "nachhaltige strukturelle Veränderungen". Die Piloten hätten es zudem abgelehnt, eine Kurzarbeitsregelung zu verlängern. Nach Corona soll es in der deutschen Tuifly-Flotte bald nur noch 17 Maschinen geben. Aufgrund der verhärteten Fronten hatte die VC Anfang Januar die Berufung eines gesonderten Schlichters gefordert.

Kurz vor der Verkündung der Mediation hatte Tui-Betriebsratschef Frank Jakobi mit offener Kritik an den Piloten für Aufsehen gesorgt. Die gut verdienenden Piloten seien im Grunde die einzige größere Berufsgruppe im Konzern, die sich nicht an der Kurzarbeit beteilige und die Verhandlungen darüber an ihre Gewerkschaft delegiert hätte, so der Vorwurf. Das Ansehen bei den restlichen Kollegen sei auf einem Tiefpunkt.

Beobachter weisen jedoch daraufhin, dass es in den Tuifly-Cockpits bisher keine Kurzarbeitsregelung gebe, weil auch der Arbeitgeber diese nicht wolle. So habe die Airline, ähnlich wie Lufthansas Vorgehen bei Germanwings, den für Mitarbeiter in Kurzarbeit geltenden Kündigungsschutz umgehen wollen. Bis in den Sommer hinein habe für die Piloten daher nur ein bis Ende November befristeter Gehaltsverzicht von 20 Prozent gegolten.

Nachdem Tuifly den Gewerkschaften dann im Juni die geplante Schrumpfung der Flugzeugflotte um rund die Hälfte eröffnete, hätten die Piloten als Reaktion angefangen zu "mauern" und seien zu keinen weiteren Zugeständnissen ohne Kündigungsschutz bereit gewesen. Dass sich Jakobi zum öffentlichen Clinch mit den Piloten hinreißen lasse, werde nun wiederum in der Pilotenschaft als inakzeptabel empfunden.