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Boeing 787 der Tui © AirTeamImages.com / Stuart Lawson

Seit Wochen wurde spekuliert, nun kommt die offizielle Bestätigung: Die Entscheidung für die Langstrecke ist bei Tuifly endgültig gefallen, teilt das Unternehmen mit. Der Tui-Konzern habe die Pläne abgesegnet. Mit Beginn des Winterflugplans 2020/21 wird Tuifly in Deutschland den touristischen Langstreckenverkehr aufnehmen. Dafür kommen nach Unternehmensangaben zunächst zwei Boeing 787 zum Einsatz. Diese Zahl sei wegen der Kürze der Zeit realisierbar. Die Flugzeuge sollen zunächst Urlaubsziele in der Karibik und Mexiko ansteuern.

Wie airliners.de aus dem Unternehmensumfeld erfuhr, soll die 787-Flotte ab 2021 voraussichtlich auf fünf Maschinen anwachsen. Ein Sprecher wollte diese Zahl allerdings nicht offiziell bestätigen. Tuifly sei nun in der Detailplanung für den Einsatz der beiden Flugzeuge ab kommenden Winter, so der Sprecher. Man habe nun einen engen Zeitplan.

Ähnlich äußern sich auch Tuifly-Chef Oliver Lackmann und Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak in einem Mitarbeiter-Brief, der airliners.de vorliegt. "Da uns bis zur Aufnahme einer Langstreckenbedienung zum Winter 2020/21 nicht mehr viel Zeit bleibt, müssen wir jetzt mit den entsprechenden Trainingsmaßnahmen für unsere Crews beginnen." Zusammen mit Tui Aviation werde man zeitgleich auch die entsprechenden Kick-offs für das Aufsetzen der Boden- und Bordprozesse festlegen.

Eigene Langstreckenflüge sind strategischer Vorteil

Laut Tuifly-Mitteilung sieht Oliver Lackmann strategisch gleich mehrere Vorteile für den Tui-Konzern: Die Zubringerflüge für Kreuzfahrten der "Mein Schiff"-Flotte von Tui Cruises könnten unter eigener Flagge bedient werden. Auch eigene Hotels können mit eigener Airline sicherer bedient werden: "Die Tui Group ist stark bei Fernzielen und besitzt ein umfangreiches eigenes Hotelportfolio in der Karibik. Auch der Anflug von Zielen auf der verlängerten Mittelstrecke, wie den Kapverdischen Inseln, wird in Erwägung gezogen", so Lackmann.

Sollten sich durch weitere Marktveränderungen die Kapazitäten in den nächsten Monaten reduzieren, könne Tuifly den geplanten Flottenaufbau auch zügiger umsetzen, so der Airline-Chef. Generell sei die Langstrecke für den Konzern nicht neu, die Schwester-Fluggesellschaften der Tui würden sehr erfolgreich mehr als 25 Großraumflugzeuge betreiben.

Boeing 787 hilft bei Abgrenzung

In dem gemeinsamen Mitarbeiterschreiben von Lackman und Andryszak heißt es, man sichere mit eigener Langstrecke die Tui-Position unabhängig von Condor und anderen Airlines ab. Die Wahl des Langstreckenmusters sei auf die Boeing 787 gefallen, da man sich damit von anderen Marktteilnehmern differenzieren könne.

"Sowohl unter dem Gesichtspunkt des Kerosin-Verbrauchs, des CO2-Ausstoßes und der Lautstärke ist der Boeing Dreamliner exzellent", heißt es. Damit könnten die Manager auf Konkurrenten Condor anspielen, deren Flotte mittlerweile relativ alt ist. Auf der Condor-Langstrecke kommen noch Boeing 767 zum Einsatz, die laut "CH-Aviation" ein Durchschnittsalter von über 24 Jahren haben.

Die Pilotengewerkschaft äußert sich in ihrer Mitteilung sehr optimistisch, alle Weichen seien nun gestellt. "Ebenso freuen wir uns auf den Wiedereinstieg in die Langstrecke bei TUIfly und gleich fünffach auf modernes Fluggerät vom Typ B 787."

Nach der Insolvenz des Tui-Rivalen Thomas Cook im September sortieren sich große Teile der Tourismusbranche in Europa neu. Die bisher zum Thomas-Cook-Konzern gehörende deutsche Ferienfluggesellschaft Condor erhielt eine staatliche Bürgschaft für einen Überbrückungskredit und soll gerettet werden. Unabhängig davon gibt es aber bereits seit der Pleite von Air Berlin 2017 große Überkapazitäten in der Branche.