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VC: Tuifly-Kürzungspläne "wirtschaftlich und politisch" untragbar

Tuifly werde wieder mehr als 17 Flugzeuge benötigen, wenn die Corona-Krise abflaut, sind die Gewerkschaften überzeugt. Die Einmal-Kosten eines Personalabbaus könne sich die Airline sparen.

Eine Boeing 737-800 der Tuifly. © Tuifly

Arbeitnehmer-Vertreter und die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Verdi wehren sich weiter gegen die Kürzungspläne bei Tuifly. Deren Pläne, die Flotte zu halbieren und über 1000 Arbeitsplätze zu streichen seien "wirtschaftlich und politisch untragbar sowie sozial unverantwortlich".

In Briefen an die zuständigen Bundesminister Peter Altmaier (Wirtschaft), Hubertus Heil (Arbeitsmarkt/Soziales), Andreas Scheuer (Verkehr) und Olaf Scholz (Finanzen) sowie den niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann hätten die Beschäftigten, dass sie bei Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bereit seien, substanzielle Krisenbeiträge zu leisten, um das Unternehmen gemeinsam durch die Krise zu führen, teilte die VC mit.

Durch die Umstrukturierung würden ca. 200 Millionen Euro an Kosten verursacht. "Damit würde der Konzern einen erheblichen Anteil der vorhandenen Liquidität und der staatlichen Hilfsgelder in Höhe von drei Milliarden Euro in einem Projekt ohne unmittelbar wirksamen finanziellen Nutzen und mit unsicherem Ausgang versenken." In einer Situation, in der eine Insolvenz nur durch staatliche Hilfe abgewendet werden konnte, einen dreistelligen Millionenbetrag an Liquidität mit Absicht aus der Hand zu geben, sei betriebswirtschaftlich unvermittelbar.

Airline will Kündigungen nicht ausschließen

Die Gewerkschaften gehen davon aus, dass die Reise-Nachfrage bei einer Erholung von der Corona-Krise zügig wieder so stark ansteigt, dass Tuifly wesentlich mehr als die 17 Flugzeuge benötige, mit denen nun geplant wird. "Breits jetzt - mitten in der Corona-Krise - fliegt TUIfly schon mit über 20 Flugzeugen fast ausschließlich auf die kanarischen Inseln und dies könnte aufgrund der hohen Nachfrage noch gesteigert werden." Das zeige eindeutig, dass 17 Flugzeuge für den Heimatmarkt des weltgrößten Reiseveranstalters keinesfalls ausreichend sein werden.

Tuifly mit Sitz in Langenhagen bei Hannover und die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hatten vor wenigen Tagen ihre Krisengespräche abgebrochen. Die VC teilte mit, man habe ein "weitreichendes und schmerzhaftes Maßnahmenpaket" mittragen wollen - doch mögliche betriebsbedingte Entlassungen könnten nicht akzeptiert werden. Dagegen betonte Tuifly, ein prinzipieller Ausschluss dieses Mittels sei angesichts der aktuellen Branchensituation nicht möglich, wenn langfristig eine gute Perspektive für das Unternehmen bleiben solle.

Tuifly hatte argumentiert, man sei in den Gesprächen so weit gewesen, von 900 bedrohten Jobs in Cockpit und Kabine etwa 250 zusätzlich retten sowie "die Zielflotte des Restrukturierungsplans erhöhen" zu können - aber nur bei einem entsprechenden Entgegenkommen der Gewerkschaft für ein nachhaltiges Konzept.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi unterstützt die Beschäftigten der Tuifly im Streit mit der Unternehmensführung über drohende Kündigungen. Mit Hilfe von Steuergeldern sollten Arbeitsplätze ins Ausland verlagert und die Tuifly in Deutschland zusammengeschrumpft werden, kritisierte Verdi-Tarifsekretär Marian Drews. "Hier vollzieht eine funktionierende deutsche Airline Flucht aus demokratischer Mitbestimmung und Tarifverträgen", wurde er in einer Verdi-Mitteilung zitiert.

Von: dk, dpa

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