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Tui sichert sich "Stabilisierungspaket" über 1,2 Milliarden Euro

Mit einem um rund eine Milliarde Euro aufgestockten KFW-Staatskredit will Tui die Wintermonate sowie längerfristige Beeinträchtigungen durch Covid-19 überbrücken. Voraussetzung ist die Platzierung einer Wandelanleihe des Wirtschaftsstabilisierungsfonds.

Tui-Reisebüro © Adobe Stock / nmann77

Tui soll zur Überbrückung des Geschäftseinbruchs in der Corona-Krise weitere staatliche Hilfen erhalten. Unter anderem werde dabei ein schon bestehender Kredit der Förderbank KFW um 1,05 Milliarden Euro aufgestockt, wie das Unternehmen am Mittwoch in Hannover mitteilte. Tui hatte bereits ein erstes Hilfsdarlehen über 1,8 Milliarden Euro zugesprochen bekommen.

Weitere 150 Millionen Euro sollen über die Konstruktion einer Wandelanleihe fließen, die das Unternehmen an den Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes (WSF) ausgeben will. Dieser könnte sich bei einer Umwandlung in Aktien dann mit bis zu neun Prozent an Tui beteiligen. Die Ausgabe der Anleihe sei eine der vereinbarten Rahmenbedingungen für die weitere Hilfe, hieß es.

Eine weitere Bedingung für den erweiterten Staatskredit sei, die Gläubiger einer im Oktober 2021 fälligen Anleihe auf eine Begrenzung der Verschuldung der Tui verzichten. Die potentielle Wandelanleihe mit einer Laufzeit von zunächst sechs Jahren würde vom WSF nach Abschluss eines Übernahmevertrages erworben. Die Anleihe würde mit 9,5 Prozent verzinst. Tui hat ein Rückzahlungsrecht, sobald der Kredit in Höhe von 1,05 Milliarden Euro zurückgezahlt ist.

Einschließlich der Mittel aus dem zusätzlichen Stabilisierungspaket würde die Tui AG damit über Barmittel und Kreditfazilitäten in Höhe von 2,4 Milliarden Euro verfügen.

Tui will touristische Saisonalität überbrücken

"Das Stabilisierungspaket über 1,2 Milliarden Euro stärkt die Position des Konzerns, indem es ausreichend Liquidität in einem volatilen Marktumfeld zur Verfügung stellt", erklärte der weltgrößte Reisekonzern. "Damit werden sowohl die touristische Saisonalität im Winter 2020/21 sowie weitere längerfristige Reisebeschränkungen und Beeinträchtigungen durch Covid-19 abgedeckt."

Anfang April hatte ein Bankenkonsortium den Weg für den ersten staatlich abgesicherten Großkredit zur Dämpfung der Pandemie-Folgen frei gemacht. Tui ergänzte damit ein bestehendes Darlehensprogramm, blieb jedoch auf der Suche nach Wegen, um die Finanzkraft zu erhöhen. Vorstandschef Fritz Joussen hatte angedeutet, dass die bisherigen Summen trotz paralleler Einsparungen nicht ausreichen könnten.

Die Touristikbranche gehört zu den am schwersten von der Pandemie getroffenen Wirtschaftszweigen. Tui braucht das Geld, um die weitere Finanzierung nach rund drei Monaten Geschäftsausfall zwischen Mitte März und Mitte Juni zu sichern. Die verzögerte Sommersaison läuft erst seit Juni. Tui fährt schon einen harten Sparkurs mit Stellenstreichungen und geringeren Investitionen, erwartet aber erst in mittlerer Frist eine Erholung.

© BDF, Lesen Sie auch: Tuifly plant mit Hälfte der Vor-Corona-Kapazitäten

Die Tui-Gruppe hatte bereits angekündigt, bis zu 8000 Jobs zu streichen. Außerdem soll die Flotte ihrer Airline Tuifly um über die Hälfte verkleinert werden - dabei könnten dem Vernehmen nach 900 Vollzeitstellen wegfallen sowie mehrere Standorte geschlossen werden. Die gesamte europäische Flotte von rund 150 Maschinen will der Konzern ebenfalls deutlich verkleinern - und seine Airlines für Partnerschaften mit anderen Anbietern öffnen.

Gewerkschafter und Betriebsräte äußerten ihren Unmut auch in einem Brief an die Tui-Führungsspitze. Diese habe es in den vergangenen Jahren versäumt, hinreichende Rücklagen zu bilden und stattdessen hohe Dividenden ausgeschüttet. Außerdem dürfe man mit Hilfe staatlichen Geldes keine Jobs abbauen. Das erste KfW-Darlehen kann Tui aber auch nur unter der Maßgabe nutzen, dass während seiner Laufzeit keine Gewinnbeteiligungen an die Aktionäre fließen.

Von: dh mit dpa

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