Tui beschließt drastischen Stellenabbau bei Tuifly

Der Tui-Aufsichtsrat hat einer vom Tuifly-Management vorgeschlagenen Schrumpfkur zugestimmt. Die Flotte soll um mehr als die Hälfte auf 17 Maschinen reduziert werden. Gewerkschaften befürchten Hunderte Entlassungen. Tui will den Betrieb seiner Airlines nun bündeln.

Eine Boeing 737 der Tuifly. © Tuifly

Der Aufsichtsrat der Tui hatte den vom Tuifly-Management geplanten Sparkurs beschlossen. Bei Tuifly soll die Flotte nun um mehr als die Hälfte schrumpfen - mit entsprechenden Folgen für Jobs und Standorte.

Die Arbeitnehmervertreter hätten zwar gegen die Pläne gestimmt, hieß es aus der Gewerkschaft Verdi nach der Sitzung des Kontrollgremiums am Donnerstagabend in Hannover. Am Ende habe sich aber die Arbeitgeberseite durchgesetzt.

Mit der Reduzierung von derzeit 39 Boeing 737 auf nur noch 17 Flugzeuge sollen Hunderte Arbeitsplätze an den Standorten in Bremen, Köln, Hamburg, Berlin, Münster und Nürnberg gestrichen werden, hieß es.

Zur Zahl der akut bedrohten Arbeitsplätze gab es zunächst keine Angaben - zuletzt war von möglicherweise bis zu 900 Vollzeitstellen die Rede. 720 beim fliegenden Personal sowie 280 beim Bodenpersonal, in der Technik und Verwaltung.

Tui-Airline-Marken sollen gebündelt werden

Tuifly-Chef Oliver Lackmann trat am Abend vor die Mitarbeiter. Der Druck in der gesamten Luftverkehrs- und Touristikbranche sei angesichts des so gut wie ausgefallenen Geschäfts der letzten drei Monate so hoch, dass man jetzt handeln müsse.

In einer schriftlichen Erklärung betonte der Manager anschließend: "Die Entscheidung macht sich niemand leicht. Aber die Tuifly-Flotte ist für die Kundenzahl unseres deutschen Tui-Reiseveranstalters zu groß." Aufgabe der Airline ist es vor allem, als Zubringer für Tui-Kunden zu agieren.

Die europäischen Airline-Marken von Tui sollen nun gebündelt werden. Hauptsitz bleibe Hannover. "Ein Abbau von Stellen ist bei Tuifly in der Technik, Verwaltung sowie bei Crews vorgesehen", sagte Lackmann. Hannover und Düsseldorf sollen die wichtigsten Standorte sein, auch in Frankfurt, München und Stuttgart soll der Betrieb weitergehen.

Laut Verdi soll die Technik in Hamburg komplett geschlossen werden. In Hannover sollen erhebliche Kürzungen bei der Base Maintenance - also regelmäßigen, längeren Checks von Flugzeugen - bevorstehen.

© AirTeamImages.com, Rudi Boigelot Lesen Sie auch: Kaum Annäherung bei rundem Tisch zu Tuifly

Gewerkschaften warnen vor Outsourcing

Gewerkschafter kritisierten das Vorhaben scharf. Sie verwiesen erneut darauf, dass die Tui-Gruppe schon einen staatlichen Milliardenkredit im Kampf gegen die Umsatzrückgänge in der Corona-Krise erhält. Tui sei der weltgrößte Reisekonzern und verfüge über eine gute Buchungslage für die kommende Winter- und die folgende Sommersaison. Tuifly plane, die Kapazitäten billig im Ausland über externe Subunternehmer zuzukaufen.

Bei Tuifly gibt es aktuell rechnerisch in Vollzeit rund 2000 Jobs, davon 1400 Piloten und Flugbegleiter. Vor der Konzernzentrale in Hannover hatten Verdi sowie die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit eine Kundgebung mit rund 300 Mitarbeitern aus ganz Deutschland organisiert.

Dass die Tuifly nun Druck aufbaue, bevor überhaupt mit den Arbeitnehmervertretern verhandelt wurde, sei offensichtlich ein taktisches Manöver, so die Pilotengewerkschaft. "Es ist der falsche Weg und zutiefst verwerflich, dass das Unternehmen die Corona-Krise nutzt, um deutsche Arbeitsplätze mithilfe von deutschem Steuergeld abzubauen" kommentierte VC-Präsident Markus Wahl die Beschlüsse.

Betriebsräte waren das Tuifly-Management ebenfalls hart angegangen. Sie sehen die Lasten der Viruskrise teils als Vorwand: Der Konzern wolle von einer nicht hinreichenden Finanzausstattung etwa infolge zu hoher Dividendenzahlungen ablenken.

Tuifly steht schon lange auf der Tui-Sparliste

Die Fronten zwischen Belegschaft und Unternehmensführung gelten bereits seit Langem als verhärtet. Bereits mehrfach hatte das Management angesetzt, die deutsche Fluggesellschaft deutlich zu verkleinern. Zuletzt kam es 2016 zu Verwerfungen um den Zukunftskurs und Bummelstreiks der Belegschaft.

Zuvor kam es 2009 und 2014 zu teils heftigen Auseinandersetzungen mit den Beschäftigten, die sich im Endeffekt aber immer durchsetzen konnte und einen deutlichen Abbau von Kapazitäten bei Tuifly verhindern konnte.

Insgesamt sind bei Tui nun bis zu 8000 zu streichende Stellen im Konzern in der Diskussion, vor allem im Ausland. Konzernchef Fritz Joussen hatte zu Beginn der Corona-Krise gesagt, man müsse nun das "Geld zusammenhalten".

Von: dh mit dpa

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