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Tui-Gewinn bricht wegen gegroundeter 737 Max ein

Die fehlenden Kapazitäten durch die gegroundete Boeing-737-Max-Flotte kommen den weltgrößten Touristikkonzern teuer zu stehen. Von der Pleite des Konkurrenten Thomas Cook will Tui hingegen profitieren.

Boeing 737 Max der Tui parken am Flughafen Brüssel. © AirTeamImages.com / Jan Severijns
Tui-Chef Friedrich Joussen mit einem Flugzeug von Tuifly. © Tui Group

Das Flugverbot für die Boeing 737 Max hat dem weltgrößten Reisekonzern Tui den Jahresgewinn kräftig verhagelt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende September brach der auf die Aktionäre entfallende Überschuss um rund 43 Prozent auf 416 Millionen Euro ein, wie Tui am Mittwoch in Hannover mitteilte. Vorstandschef Fritz Joussen richtet sich bereits auf weitere hohe Belastungen ein für den Fall, dass die Maschinen auch im nächsten Jahr über lange Zeit am Boden bleiben müssen. Derweil sollen sich die Tui-Aktionäre künftig mit geringeren Dividenden begnügen.

Die Tui-Führung berichtete auch von einem Trend zu Last-Minute-Buchungen, der bei den Veranstaltern meist zulasten der Gewinnspannen geht. Zudem hielt ein Überangebot vor allem bei Flügen nach Spanien die Ticketpreise niedrig.

737-Max-Kosten: fast 300 Millionen Euro

Unterdessen stützten vor allem die konzerneigenen Hotels und Kreuzfahrtschiffe das Geschäft. So steigerte Tui den Umsatz um 2,5 Prozent auf 18,9 Milliarden Euro. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebita) sackte zwar um 22 Prozent auf 893 Millionen Euro nach unten. Der Rückgang entsprach aber ziemlich genau den Belastungen, die der Konzern infolge des Flugverbots für die 737-Max-Jets zu schultern hatte. Die Miete von älteren Ersatzmaschinen samt Besatzungen und ein höherer Treibstoffverbrauch kostete letztlich 293 Millionen Euro.

Die Airlines des Tui-Konzerns haben 15 Maschinen der 737-Max-Reihe in der Flotte und sollten bereits in diesem Jahr noch weitere erhalten. Doch nach zwei tödlichen Abstürzen bei anderen Airlines in Indonesien und Äthiopien müssen die Maschinen der Reihe seit März weltweit am Boden bleiben. Auch die Auslieferungen sind gestoppt. Mit einer Aufhebung des Verbots wird nicht vor dem Jahreswechsel gerechnet. Behörden wie die US-Luftaufsicht FAA wollen sich auf keinen Zeitplan festlegen, bevor Boeing nicht alle technischen Probleme gelöst hat.

Joussen richtet sich daher für das neue Geschäftsjahr 2019/2020 auf weitere Belastungen ein. In seine neue Gewinnprognose hat er bereits Kosten von 130 Millionen Euro für den Fall eingeplant, dass die 737-Max-Maschinen bis Ende April wieder abheben dürfen. Dann soll der operative Gewinn, den Tui ab sofort am bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) bemisst, etwa 950 Millionen bis 1,05 Milliarden Euro erreichen.

Weitere Viertelmilliarde Kosten möglich

Sollte das Flugverbot über die kommende Sommersaison anhalten, erwartet Joussen zusätzliche Kosten von 220 bis 270 Millionen Euro. Dabei hatte der Konzern bereits vor Monaten mit Boeing über einen finanziellen Ausgleich verhandelt. Solche Entschädigungen hat der Tui-Vorstand in seine Prognosen aber nicht eingerechnet.

Unterdessen müssten die Tui-Aktionäre künftig mit deutlich geringeren Dividenden rechnen. Für das abgelaufene Geschäftsjahr will Tui je Aktie 54 Cent ausschütten und damit 18 Cent weniger als ein Jahr zuvor. Für die kommenden Jahre ändert das Unternehmen zudem seine Dividendenpolitik, die voraussichtlich "zu geringeren Ausschüttungen" führt, wie das Management einräumte. Joussen begründete den Schritt damit, dass der Konzern finanziellen Freiraum für den Ausbau seines Digitalgeschäfts und Investitionen in Hotels benötige. Künftig sollen deshalb 30 bis 40 Prozent des bereinigten Nettogewinns an die Anteilseigner fließen. Allerdings soll die Dividende nie unter 35 Cent je Aktie fallen. Bisher hatte sich der Konzern bei der Ausschüttung am bereinigten Ebita orientiert.

Von der Thomas-Cook-Pleite will Tui profitieren und hat sich bereits zusätzliche Hotelkapazitäten für nächsten Sommer gesichert. Die deutsche Flugtochter Tuifly soll ab nächstem Winter eigene Langstreckenverbindungen zu Urlaubszielen anbieten. Dieses Geschäft wird hierzulande von der Thomas-Cook-Tochter Condor dominiert. Der deutsche Ferienflieger hat die Insolvenz seines Mutterkonzerns dank eines staatlichen Rettungskredits bisher überstanden und sucht derzeit nach einem neuen Eigentümer.

© AirTeamImages.com, Stuart Lawson Lesen Sie auch: Tuifly geht mit zwei Boeing 787 ab Winter 2020 auf Langstrecke

Von: hr, dpa, afp

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