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Tui einigt sich mit Boeing und schrumpft

Tui und Boeing haben sich auf ein "umfangreiches Paket von Maßnahmen" verständigt, das den Schaden durch das Grounding der 737 Max abdeckt. Neben Geld gibt es Rabatte für zukünftige Bestellungen. Erstmal schrumpft die Flotte aber.

Boeing 737-Max-Flugzeuge von Tui stehen am Flughafen Brüssel-Zaventem © dpa / Frederik Ureel/BELGA

Tui hat sich nach dem Flugverbot für den Mittelstreckenjet 737 Max mit dem Flugzeugbauer Boeing auf einen Ausgleich für den entstandenen Schaden geeinigt. Ein Großteil der Belastung werde in den nächsten zwei Jahren ausgeglichen, teilte Tui am Mittwoch in Hannover mit.

Man habe sich auf ein "umfangreiches Paket von Maßnahmen" verständigt, hieß es. Die Vereinbarung umfasse eine Kompensation, die einen erheblichen Teil des Schadens abdecke, schrieb Tui. Hinzu kämen Guthaben für künftige Flugzeugbestellungen bei Boeing. Zu den finanziellen Details hätten die Unternehmen Vertraulichkeit vereinbart.

Der Deal erleichtere es dem in der Corona-Krise angeschlagenen Touristikkonzern aber gleichzeitig, seine Flotte zu verkleinern. So verständigte sich Tui mit Boeing unter anderem darauf, bestellte Flugzeuge erst später abzunehmen: "In den kommenden zwei Jahren werden weniger als die Hälfte der ursprünglich vorgesehenen Flugzeuge ausgeliefert."

Flotte soll schrumpfen

Gegenüber der ursprünglichen Planung ergebe sich eine durchschnittliche Verzögerung von rund zwei Jahren. Die Zahlungspläne seien dementsprechend angepasst worden. Dies unterstütze den Plan der Tui, die eigenen Flotten der fünf europäischen Tui-Airlines in Folge der Corona-Krise zu verkleinern.

© AirTeamImages.com, Stuart Lawson Lesen Sie auch: Tuifly verschiebt Langstrecken-Entscheidung Exklusiv

Der Konzern hat insgesamt 77 Exemplare der 737 Max bestellt und 16 bereits erhalten, von denen 15 bereits in Betrieb waren. Seit März 2019 stehen sie allerdings am Boden. Denn nach dem Absturz zweier Jets des Typs bei den Gesellschaften Lion Air und Ethiopian Airlines mit insgesamt 346 Toten hatten Behörden weltweit Flugverbote verhängt. Eine Wiederzulassung steht noch immer aus. Seit Januar hat Boeing die Produktion des Jets gestoppt und will sie nun langsam wieder anlaufen lassen.

Tui hatte wegen des Flugverbots für die 737-Max-Jets und die gestoppten Auslieferungen im vergangenen Jahr im großen Stil teure Ersatzflugzeuge mieten müssen, die zudem teils deutlich mehr Treibstoff verbrauchten. Allein im Geschäftsjahr 2018/2019 bezifferte Tui die Belastung durch das 737-Max-Desaster auf 293 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr hatte der Vorstand vor der Corona-Krise mit einem noch höheren Schaden gerechnet.

Tui schwer getroffen

Die Corona-Krise trifft Tui schwer. Wegen des monatelangen Reisestopps hat der Konzern einen staatlichen Milliardenkredit erhalten. Das Sommergeschäft kann nur langsam und verspätet anlaufen. Zudem erschweren die nach wie vor vorhandenen Reisebeschränkungen und die Auflagen das Geschäft. Die Erholung der Branche dürfte Jahre in Anspruch nehmen. Das Geld von Boeing und die geringeren Zahlungsverpflichtungen für neue Flugzeuge kommen Tui daher zupass.

© Tuifly, Lesen Sie auch: Tui bereitet sich auf Sommersaison vor

Tui hatte als erstes Unternehmen einen großvolumigen Kredit aus dem Corona-Hilfsprogramm der Bundesregierung bekommen. Tui-Chef Fritz Joussen rechnete zuletzt mit einer schnellen und langfristigen Erholung des Reisegeschäfts nach der Corona-Krise. Dennoch muss der Reiseveranstalter sparen und will weltweit rund 8000 Job abbauen.

Von: dh mit dpa

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