Türkei als Corona-Risikogebiet eingestuft

Deutschland lockert die Reisebestimmungen in die Türkei nicht. Das bei Deutschen beliebte Reiseland steht nach steigenden Fallzahlen stattdessen auf der Liste der weltweiten Corona-Risikogebiete des Robert-Koch-Instituts.

Letzte Aufbauarbeiten am neuen Flughafen von Istanbul. © dpa / Lefteris Pitarakis/AP

Die Bundesregierung hat die Türkei als Corona-Risikogebiet eingestuft. Rund zwei Wochen nach Lockerung der Corona-Restriktionen in der Türkei war die Zahl täglich erfasster Neuinfektionen zuletzt wieder angestiegen.

In insgesamt 42 Provinzen habe man deswegen eine generelle Maskenpflicht eingeführt, schrieb Gesundheitsminister Fahrettin Koca am Dienstagmorgen auf Twitter. Die Millionenmetropolen Istanbul, Ankara und Izmir sind nicht darunter. Allerdings gilt schon seit April landesweit eine Maskenpflicht an belebten Orten wie Supermärkten.

Am Montagabend hatte Koca mitgeteilt, in 24 Stunden seien 1592 neue Coronavirus-Infektionen und 18 Todesfälle gemeldet worden. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen hatte am 1. und 2. Juni noch bei rund 800 gelegen. Im April lag die Rate zwischenzeitlich bei mehr als 5000 Neuinfektionen täglich.

Es gebe einen Anstieg in einigen Regionen, schrieb Koca. Die Türkei gibt allerdings keine regionale Aufschlüsselung der Corona-Fälle bekannt. Laut Medienberichten nahmen die Fallzahlen zuletzt im südosttürkischen Diyarbakir und in Van stark zu.

Türkei zeigt sich enttäuscht

Die Türkei steht nach Spanien und Italien an Dritter Stelle der bei Deutschen beliebtesten Urlaubsländern. Seit Tagen dringt das Land auf eine Aufhebung der deutschen Reisewarnung. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavusoglu hatte sich zuletzt enttäuscht über die Entscheidung der Bundesregierung gezeigt, die Reisewarnung für die Türkei zunächst aufrecht zu erhalten. "Die wissenschaftlichen Gründe hinter der Entscheidung sind für uns nur schwer zu verstehen", sagte er. Man erwarte, dass Deutschland die Reisewarnungen "zum frühestmöglichen Zeitpunkt" aufhebe. Alles sei vorbereitet für eine sichere Reise in die Türkei.

Am 1. Juni hatte die Türkei zahlreiche Corona-Restriktionen gelockert. Cafés, Restaurants und Sportanlagen sind unter Auflagen wieder geöffnet. Vergangene Woche hatte die halbstaatliche Fluggesellschaft Turkish Airlines ihren internationalen Flugverkehr auch nach Deutschland wieder aufgenommen. Zudem fielen Ein- und Ausreisebeschränkungen für andere Länder mit Ausnahme des Irans weg. Für die Türkei gilt zunächst bis Ende August noch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts. Ankara erwartet, dass diese aufgehoben wird. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Türkei.

Die Bundesregierung hate die am 17. März wegen der Corona-Pandemie verhängte weltweite Reisewarnung zum Anfang der Woche für den größten Teil Europas aufgehoben. Für rund 160 Länder außerhalb der Europäischen Union - darunter die Türkei - soll sie aber bis zum 31. August weiter gelten.

©, dpa, Oscar J. Barroso/Europa Press Lesen Sie auch: Europa-Reiseverkehr startet wieder

Auf einer ab sofort regelmäßig aktualisierten Liste des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu Risikogebieten stehen neben der Türkei noch rund 130 weitere Staaten. Dazu zählen auch andere beliebte Urlaubsländer der Deutschen wie Ägypten, einzelne Bundesstaaten der USA, Thailand und Marokko. Einziges EU-Land, das noch als Risikogebiet gilt, ist Schweden. Von den Ländern außerhalb der EU sind zum Beispiel Tunesien, Neuseeland und Australien nicht als Risikogebiet eingestuft.

Von: dh mit dpa

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