Travel-Manager plädieren für "Pay-as-you-check-in"

Mit einer neuen Idee bringt sich der Geschäftsreiseverband VDR in die Diskussion um eine Insolvenzabsicherung für Airline-Kunden ein. Von "Pay-as-you-check-in" halten die Fluggesellschaften aber nicht viel.

Leerer Check-in-Schalter der Air Berlin am Flughafen Tegel © dpa / Wolfgang Kumm

Der Verband Deutsches Reisemanagement e. V. (VDR) hat sich für einen besseren Schutz von Flugreisenden bei Airline-Insolvenzen ausgesprochen. Dabei plädierte der Geschäftsreiseverband dafür, den Flugpreis erst zum Zeitpunkt des Check-In zu bezahlen und nicht wie bislang üblich bereits zum Zeitpunkt der Buchung.

"Mit dem bisherigen Vorgehen gewähren Flugreisende den Airlines bis zum Zeitpunkt der Beförderung einen Kredit, obwohl die Beförderungsleistung noch nicht erbracht ist und auch nicht garantiert werden kann", sagte VDR-Präsidiumsmitglied Inge Pirner. Mit der Zahlung erst beim Check-in würde bei Flugannullierungen auch die bislang umständliche Rückerstattung des Flugpreises entfallen.

Die Fluggesellschaften halten von dem "Pay-as-you-check-in"-Vorschlag wenig. "Ein solch massiver Eingriff in die Preisgestaltung und Zahlungsabwicklung würde in einem internationalen Wettbewerbsmarkt wie dem Luftverkehr zu Lasten deutscher Unternehmen gehen", sagte Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft BDL auf airliners.de-Anfrage.

Bei den Vorauszahlungen gehe es für die Airlines um Planungssicherheit. Hinzu komme, dass die Leistung als solche nach Abflug nicht mehr vorhanden sei, erläutert der BDL-Hauptgeschäftsführer die spezielle Situation der Airlines: "Bei einem materiellen Wirtschaftsgut kann man sich dagegen noch einen alternativen Käufer suchen und ihm das Produkt anbieten." Die Abwicklung eines Fluges lasse die übliche Praxis "Ware-gegen-Geld" aber nicht zu. Grundsätzlich stehe es allerdings auch heute schon allen Kunden offen, ein Ticket erst später und damit kurz vor Reisebeginn zu buchen - wenn auch zu höheren Preisen.

Verbraucherschützer wollen Insolvenzabsicherung für Airline-Kunden

Bisher gibt es für Flugreisen, die nicht Teil einer Pauschalreise sind, keine Insolvenzabsicherung. Nach den Insolvenzen von Air Berlin und Germania hatten Verbraucherschützer diesen Umstand zuletzt verstärkt kritisiert. So forderte der Bundesverband der Verbraucherzentrale, für Flugtickets eine ähnliche Regelung wie bei Pauschalreisen einzuführen. Verbraucher müssten planen und ihr Geld sicher in eine Reise investieren können.

Auch die Grünen warfen der Regierung nach der Germania-Insolvenz Untätigkeit vor. Es wäre die Aufgabe von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) gewesen, sich als Lehre aus Air Berlin um eine Insolvenzversicherung für Individualreisende zu kümmern, hieß es im Februar.

© dpa, Frank Rumpenhorst Lesen Sie auch: Verbraucherschützer fordern Pflicht zu Insolvenzabsicherung für Airlines

Fluglinien sind anders als Reiseveranstalter nicht verpflichtet, den Reisepreis gegen Insolvenz abzusichern. Das Bundesjustizministerium hatte sich zuletzt offen für eine Insolvenzabsicherung gezeigt, sich aber für eine gesamteuropäische Lösung ausgesprochen. Die Fluggesellschaften lehnen das aber ab. Gerade notleidende Airlines könnten sich gegen das Risiko gar nicht mehr versichern. Auch für alle anderen Fluggesellschaften sei der finanzielle Aufwand viel zu hoch.

Dennoch sei es wichtig, Kundengelder gegen einen Verlust durch Insolvenzen abzusichern, bekräftigt nun der mächtige Geschäftsreiseverband. Neben "Pay-as-you-check-in" oder eine generelle Versicherung könne das auch über Bürgschaften oder Fonds erreicht werden. "Eine Versicherung sollte aber optional buchbar sein und im Ermessen des Kunden liegen, ob er seinen gebuchten Flug durch Zahlung eines entsprechenden Versicherungsbeitrags absichern möchte", erklärte Pirner.

Von: dh

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